Donnerstag, 1. Oktober 2009

Über der Welt geht die Sonne wieder auf:
Weltwirtschaft wächst laut IFW doch stärker

  • Währungsfonds prognostiziert Wachstum von 3 %
  • Staatliche Hilfspakete sichern den Aufschwung ab

Die weltweite Wirtschaft ist offenbar härter im Nehmen als gedacht. Wie der Internationale Währungsfonds (IWF) nun errechnet hat, kommt die globale Konjunktur bereits im nächsten Jahr wieder richtig in die Gänge. Die Prognosen für 2010 konnten angesichts der jüngsten Entwicklungen so stark angehoben werden, dass die Organisation derzeit von einem weltweiten Wirtschaftswachstum von über drei Prozent ausgeht.

Allerdings fällt die Erholung in der Euro-Zone und in Deutschland mit einem Plus von jeweils 0,3 Prozent im kommenden Jahr vergleichsweise schwach aus, wie der IWF voraussagte. Für die Weltwirtschaft prognostiziert der IWF einen Zuwachs von 3,1 Prozent, angetrieben von Schwellenländern wie China und Indien.

Zur Begründung seiner zurückhaltenden Bewertung des Euro-Raums erklärte der IWF bei der Präsentation des World Economic Outlook in Istanbul, viele Banken hätten noch erheblichen Nachholbedarf bei der Säuberung ihrer Finanzen. Im Vergleich zum letzten Konjunkturbericht des IWF im Juli zeigen sich die Experten aber optimistischer. Vor einem halben Jahr sagten sie der Euro-Zone für 2010 noch eine Abschwächung der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent voraus, für Deutschland sogar ein Minus von 0,4 Prozent. In diesem Jahr wird die Wirtschaft hierzulande allerdings noch um 5,3 Prozent schrumpfen. Für die USA erwartet der IWF für 2010 jetzt ein Wachstum von 1,5 Prozent, in Japan soll es um 1,7 Prozent aufwärtsgehen.

Zugleich wies der IWF darauf hin, dass der Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland dank der Kurzarbeit bisher deutlich geringer ausgefallen sei als beispielsweise in den USA. Während in der Bundesrepublik die Arbeitslosenquote nur um 0,75 Prozentpunkte gestiegen sei, habe sie in den Vereinigten Staaten mit einem Zuwachs um 5 Prozentpunkte ein Niveau wie Anfang der 80er Jahre erreicht.

EU-Wachstumspotenzial halbiert
Nach Einschätzung der EU-Kommission hat die Wirtschaftskrise das langfristige Wachstumspotenzial der Euro-Zone halbiert. "Vor der Krise haben wir das Wachstumspotenzial im Euroraum auf zwei Prozent geschätzt, als Konsequenz aus der Krise haben wir diese Zahl halbiert", sagte EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia beim EU-Finanzministertreffen in Göteborg. Die Europäische Zentralbank forderte angesichts der massiven Staatsverschuldung in Europa unterdessen einen strikten Sparkurs ab 2011. Mit Blick auf die milliardenschweren Staatsausgaben zur Überwindung der Rezession erklärte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in Göteborg: "Nach Ansicht der EZB ist es notwendig, so schnell wie möglich auszusteigen" aus der Konjunkturförderung.

Die generelle Aufhellung der Konjunkturaussichten führt der IWF auf die abgestimmten Bemühungen von Regierungen und Zentralbanken zurück. Damit sei die Nachfrage gestärkt und die Angst vor einem völligen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems eingedämmt worden. Den weltweiten Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr beziffert der IWF jetzt mit 1,1 Prozent nach einem Minus von 1,4 Prozent im letzten Bericht vor einem halben Jahr.

Der IWF äußerte sich allerdings besorgt über weiterbestehende Risiken. Wenn sich die Nachfrage in den USA, Westeuropa und Japan wieder abschwächen sollte, würde sich dies auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. Die Regierungen stünden in dieser Situation vor der Entscheidung, entweder ihre Konjunkturpakete auf Kosten einer weiteren Belastung der Staatsfinanzen fortzuführen oder diese langsam ausklingen zu lassen - was nach Einschätzung des IWF eine neuerliche Abschwächung zur Folge haben könnte.
(apa/red)

1.10.2009 17:11