Ivanschitz contra Constantini: Wirbel um Nichtberücksichtigung für ÖFB-Nationalteam
- Mainz-Legionär soll Stammplatz gefordert haben
- Ivanschitz weist Darstellung des Teamchefs zurück
"Ich hätte auch auf der Bank Platz genommen"

·Große Rückholaktion beim Nationalteam
Der ÖFB-Kader für das Testspiel gegen Kroatien
·Für Constantini ist
es eine große Ehre
Der eingeschlagene Weg wird weiter fortgesetzt
·Noch ist kein Platz
im Nationalteam frei
Arnautovic rechnet nicht
mit Anruf des Teamchefs
·Englands Team plant Testspiel in Österreich
Capello will Briten bei uns
auf WM 2010 vorbereiten
Das Comeback von Andreas Ivanschitz in der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft lässt weiter auf sich warten. Teamchef Dietmar Constantini berücksichtigte den zuletzt beim FSV Mainz wiedererstarkten Mittelfeldspieler nicht in seinem 22-Mann-Aufgebot für die abschließenden WM-Qualifikationspartien gegen Litauen und Frankreich. Auch György Garics und Christoph Leitgeb fehlen, dafür sind Thomas Prager und Ekrem Dag dabei.
Bei der Kaderbekanntgabe rechtfertigte Constantini den Verzicht auf Ivanschitz damit, dass der 25-Jährige einen Fixplatz gefordert hätte. "Und so lange ich Teamchef bin, wird kein Spieler die Garantie haben, zu spielen", betonte der Tiroler.
Dabei hatte vor gut zwei Wochen noch alles anders ausgesehen. Constantini saß am 12. September beim 2:1-Heimsieg von Mainz gegen Hertha im Stadion, sah einen starken Ivanschitz und führte mit dem Burgenländer danach ein Gespräch. "Da habe ich ihm erklärt, es gibt keine Garantie, dass er Kapitän ist und ein Fixleiberl hat, wenn er zurückkommt. Damals hat er gesagt, das ist für ihn okay", berichtete der Teamchef.
Keine Stammplatz-Garantie
In einem Telefonat am vergangenen Sonntag war aber offenbar alles anders. "Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn hole, aber es ist schwierig, dass er von Anfang an spielt, weil die Mannschaft zuletzt gut gespielt hat. Er hat gemeint, dass er von Beginn an spielen will, weil er in einer besseren Liga als der österreichischen regelmäßig gute Leistungen bringt. Aber Stammplatz-Garantie gibt's bei mir keine, deshalb habe ich ihn nicht einberufen", erzählte Constantini.
Für den 54-Jährigen ist diese Angelegenheit damit vorläufig abgeschlossen. "Das Thema Ivanschitz ist bis auf weiteres erledigt. Ich kann Beichler oder Jantscher nicht aus der Mannschaft rausnehmen", sagte der Nationaltrainer und wies darauf hin, dass Ivanschitz ohnehin nicht wirklich in sein taktisches Konzept passe. "Ich kann nicht für einen Spieler eine Position suchen und das ganze Mannschaftsgefüge durcheinanderbringen." Ivanschitz sei ein guter Spieler, "aber von Weltklasse reden wir nicht".
Die derzeitige Nichtberücksichtigung des Ex-Kapitäns bedeutet laut Constantini allerdings nicht, dass er in seiner gesamten Zeit als Teamchef auf den Deutschland-Legionär verzichten wird. Zwar wird Ivanschitz auch im abschließenden Länderspiel des Jahres im November in Wien gegen Spanien nicht dabei sein, im kommenden Jahr könnten die Karten jedoch wieder neu gemischt werden. "Ich sage nicht, es ist endgültig vorbei, sonst hätten wir ja im Frühjahr nichts mehr zu diskutieren."
Ivanschitz wehrt sich
Andreas Ivanschitz hat mit Unverständnis auf seine Nichtberücksichtigung reagiert. Der Legionär des FSV Mainz 05 wies gegenüber der APA die Darstellung des Tirolers entschieden zurück, wonach er einen Stammplatz gefordert hätte.
Er hätte in der Trainingswoche bis zum Litauen-Match alles unternommen, um sich für einen Einsatz von Beginn an zu qualifizieren. "Aber wenn das nicht gelungen wäre, hätte ich auch auf der Bank Platz genommen", betonte der 25-Jährige, bei dem die Aussagen von Constantini Unmut auslösten. "Mir den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist nicht in Ordnung. Aber anscheinend wollte er mich gar nicht einberufen, denn würde er auf mich bauen, hätte er mich einberufen, egal ob ich von Beginn an spiele oder nicht."
In dem Telefongespräch am Sonntag hat Ivanschitz nach eigenen Angaben von Constantini nie einen Stammplatz gefordert. "Es ist sicher nicht aus meinem Mund gekommen, dass ich nicht dabei sein will, wenn ich nicht von Anfang an spiele", erklärte der Burgenländer. Er sei "enttäuscht", dass es mit der ersten ÖFB-Nominierung seit vergangenen Februar (0:2 in Graz gegen Schweden, die letzte Partie unter Teamchef Karel Brückner) nichts geworden ist. "Anscheinend zählen meine Leistungen in der deutschen Bundesliga nichts", ärgerte sich der Burgenländer.
Garics bleibt lieber in Italien
Der zweite prominente Abwesende im ÖFB-Team wurde nach den Angaben von Constantini auf eigenen Wunsch nicht einberufen. "Garics will lieber in Italien bei seinem Verein Atalanta bleiben. Er hat einen neuen Trainer und Angst, dass er nicht spielt. Das ist für mich okay." Seit dem Amtsantritt von Antonio Conte spielte der Rechtsverteidiger aber in beiden Partien durch, dafür saß er bei Constantini fast immer auf der Bank - genauso wie der im Moment verletzte Andreas Ibertsberger, der im Team regelmäßig Ersatz war, während er in Hoffenheim zum Stamminventar zählte, ehe er bat, vorläufig nicht mehr zum ÖFB geholt zu werden.
Durch die mangelnde Fitness von Einser-Kapitän Emanuel Pogatetz, der auch im November nicht dabei sein wird, sowie von Marko Arnautovic oder Martin Stranzl stehen derzeit nur fünf Legionäre (Paul Scharner, Christian Fuchs, Stefan Maierhofer, Erwin Hoffer, Ekrem Dag) im Kader. "Wir haben in Österreich auch sehr gute Buben, die es verdienen, dabei zu sein." Viel höher sei das Niveau im Ausland nicht, vermutete Constantini, der den "großen Vier" (Salzburg, Rapid, Austria, Sturm) sogar zutraut, in der deutschen Liga eine gute Rolle zu spielen, wenn das Umfeld stimmen würde.
Chance für Besiktas-Legionär Dag
Besiktas-Kicker Dag bekam vom Teamchef die Chance, "weil er seit Meisterschaftsbeginn immer gespielt hat. Jetzt schauen wir ihn uns einmal in diesen zehn Tagen an". Gleiches gilt für Prager, der wohl als Nutznießer des Ivanschitz-Verzichts ins Aufgebot rutschte. Hoffer wurde trotz seines Reservistendaseins in Neapel nominiert. In diesem Zusammenhang sprach der Coach wieder einmal von "subjektiver Ungerechtigkeit" und gab zu: "Ich weiß auch gar nicht, ob ich ihm damit helfe."
Als Kapitän fungiert wieder Scharner - allerdings als Innenverteidiger und nicht wie zuletzt in Wigan als offensiver zentraler Mittelfeldspieler. "Paul spielt in England hinter den Spitzen, bei uns wird er gegen die Spitzen spielen", kündigte Constantini an.
(apa/red)
