Freitag, 2. Oktober 2009

Sturm ist auf den Geschmack gekommen:
1:1 in Istanbul stärkt Glauben an Aufstieg

  • Für Foda Unentschieden höher zu bewerten als 2000
  • "Galatasaray wird Erster, dahinter ist alles offen"

Für Sturm Graz ist Istanbul ein guter Boden. Wie schon 2000 in der Champions League endete auch das zweite Gastspiel der Grazer im Ali-Sami-Yen-Stadion mit einem Remis. Die von Coach Franco Foda hervorragend eingestellte Elf liebäugelt nach dem 1:1 nun mit weiteren Überraschungen in der Europa League.

Foda hatte vor der Partie angekündigt mit einer gut organisierten Spielweise, einer gesicherten Defensivleistung, aber auch dem nötigen Mut für Aktionen nach vorne, zumindest einen Punkt holen zu können. Und seine Mannschaft setzte die Vorgaben des 43-jährigen Deutschen sehr gut in die Tat um. "Wir haben verdient Unentschieden gespielt, was sehr schön ist. Ich bin stolz auf die Mannschaft, die 90 Minuten toll gespielt hat", sprach Foda seiner Truppe ein Pauschallob aus.

Vor allem vor der Pause war die taktische Ordnung des österreichischen Tabellendritten hervorragend, die zum Teil etwas überheblich wirkenden Gastgeber kamen kaum zur Geltung und erhöhten ihre Schlagzahl erst nach dem Seitenwechsel. "Nach dem 1:1 war es ein offener Schlagabtausch, beide Mannschaften hatten großartige Tormöglichkeiten", analysierte der Sturm-Coach. Dem vergebenen Sieg, der in der Schlussphase genauso allerdings wie eine Niederlage möglich gewesen wäre, trauerte man im Lager der "Blackies" nicht nach. "Wir können jetzt nicht unverschämt sein", sagte Daniel Beichler, der seine Mannschaft in der Nachspielzeit der ersten Hälfte in Führung geschossen hatte.

Wichtige Spieler fehlten
Besonders hoch einzuschätzen ist die Leistung der Grazer, da mit Mittelfeldspieler Andreas Hölzl und Innenverteidiger Ferdinand Feldhofer zwei Mannschaftsstützen kurz vor der Partie jeweils wegen einer Knöchelverletzung neben den langzeitverletzten Kienzl, Haas und Lamotte passen mussten. Der im Vorjahr noch in der Ersten Liga bei Gratkorn kickende Martin Ehrenreich rechts in der Viererkette und Nachwuchs-Teamspieler Haris Bukva im Mittelfeld machten ihre Sache ganz gut. "In der zweiten Hälfte hat man gesehen, dass einige Spieler zuletzt angeschlagen waren. Haris hat das erste Mal wieder von Anfang an gespielt, Martin hat vor drei Monaten noch in der ADEG-Liga gespielt, aber trotzdem haben alle bis am Schluss alles gegeben", war Foda zufrieden.

Für den Chefcoach der Grazer ist der Punkt auch höher einzuschätzen als jener am 7. November 2000, mit dem sich Sturm als Gruppensieger den Aufstieg in die damalige Zwischenrunde der Champions League gesichert und einen Meilenstein im österreichischen Fußball gesetzt hatte. "Ich glaube, dass es höher zu bewerten ist als damals, denn damals hatten wir eine erfahrene, routinierte Mannschaft. Diesmal haben die jungen Spieler in dieser Höhle ein Zeichen gesetzt", sagte ein stolzer Foda.

Die Grazer liegen nach dem 1:0-Auswärtssieg von Panathinaikos im Parallelspiel nach der zweiten Runde in der Gruppe F mit einem Punkt hinter Galatasaray (4), Panathinaikos und Bukarest (je 3) am Tabellenende, doch das soll nur eine Momentaufnahme sein. "Galatasaray wird, denke ich, sicher den ersten Platz belegen, dahinter ist alles offen", hofft Foda auf ein offenes Rennen. "Wir müssen international in jedem Spiel an die Grenzen gehen, dann ist alles möglich. Aber wichtiger ist trotzdem die Meisterschaft", blickte der Coach bereits in Richtung Steirer-Derby zu Hause gegen den KSV am Sonntag. "Es ist noch nichts entschieden, wir dürfen nicht auf die anderen Spiele, sondern müssen auf uns selbst schauen", fügte Gratzei hinzu.

(apa/red)

2.10.2009 10:12