Österreichs Gegenwartskünstler wird zum 80er mit einem Museum in Baden geehrt
- NEWS traf Arnulf Rainer zum bewegenden Interview

Am 8. Dezember wird Arnulf Rainer 80. Das Land Niederösterreich und die Stadt Baden widmen Arnulf Rainer ein außergewöhnliches und authentisches Künstlermuseum im Frauenbad in Baden bei Wien.
Arnulf Rainer zählt zu den international bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern. Seine Werke werden seit Anfang der fünfziger Jahre in zahlreichen Ausstellungen weltweit präsentiert. In wechselnden Ausstellungen bietet das Arnulf Rainer Museum spannende Einblicke in das umfassende und facettenreiche Oeuvre Rainers, das Malerei, Zeichnung, Skulptur, Druckgrafik und Fotografie umfasst.
Aller Anfang ist schwer Frühe Arbeiten 1949-1961
Die Schau dokumentiert auf 600 qm Ausstellungsfläche einen der aufregendsten Abschnitte der österreichischen Gegenwartskunst. Die Ausstellung vereint zahlreiche noch nie gezeigte Werke aus dem Atelier des Künstlers mit Leihgaben namhafter privater und öffentlicher Sammlungen. Mit seinem abwechslungsreichen Angebot an Führungen und Kreativ-Workshops, einer öffentlich zugänglichen Museumsbibliothek und zahlreichen ausstellungsbegleitenden Veranstaltungen versteht sich das Arnulf Rainer Museum als weltoffenes und lebendiges Kompetenzzentrum für zeitgenössische Kunst.
NEWS: Was ist das für ein Gefühl, wenn man ein eigenes Museum bekommt?
Rainer: Man fühlt sich wie jenseits des Grabes. Man blickt von einem entfernten Punkt auf seine Werke. Man fragt sich: Wie wird das denn?
NEWS: Das klingt nach Abschied. In ihren frühen Arbeiten haben Sie sich mit religiösen Themen und em Tod auseinandergesetzt. Haben Sie Angst vor dem Sterben?
Rainer: Sicher. Aber vor allem vor Siechtum und Schmerz. Früher beschäftigte ich mich aus Übermut mit dem Tod, aber nicht aus Depression. 1950 ließ ich mich als "Toter" auf dem Atelierfußboden fotografieren. Aber das war damals. Heutzutage drängt es mich nicht mehr dazu. Der ideale Tod wäre, wenn man plötzlich nicht mehr da ist, wenn einem in der Nacht der Herzschlag trifft.
NEWS: Stimmt es, dass Sie dem Museum in Baden Ihre Werke geschenkt haben?
Rainer: Die dachten dort, dass man die Werke eines großen Künstlers kaufen muss. Aber ich habe Ihnen gesagt, wenn sie ein Museum machen, dann können sie meine Bilder leihweise haben. Es gibt dafür einen Vertrag für 45 oder 50 Jahre. Pröll hat dann die finanzielle Hilfe für das Museum in Baden geleistet.
NEWS: Sind Sie stolz auf ihre Schüler? Eine ist die Wiener Künstlerin Elke Krystufek.
Rainer: Ich habe auf die Akademie so einen Zorn, dass ich nie mehr hingehe. Ich hatte dort in meinem Atelier meine Werke, die in New York ausgestellt waren, untergebracht. Ein oder mehrere Unbekannte haben sie zerstört. Ich glaube, dass es einer meiner ehemaligen Schüler war. Der war psychisch labil und ist ins rechte Lager abgedriftet. Er hat auch einen Hitlerspruch draufgeschmiert. Aber ich konnte nichts beweisen. Die Polizei war hilflos. Und ich bekam keine Solidaridät. Nicht von der Hochschülerschaft, nicht von meinen Studenten und nicht von der Akademie. Ich bin mir daher sicher, dass ich als Pädagoge gescheitert bin. Ich war damals so geschockt, dass ich einen Schlaganfall bekam.
NEWS: Sind Sie ein zufriedener Mensch?
Rainer: Zufrieden ist man nie. Man hat immer Angst, dass man versagt hat oder nicht alles aus sich rausgeholt hat. Aber das Gefühl des Ungenügens ist auch Antriebskraft und Motivation. Das hört auch mit achtzig nicht auf. Man resigniert nicht.
NEWS: Was ist Ihr größtes Glück?
Rainer: Meine Tochter Klara.
(Susanne Zobl)
Das ausführliche Interview lesen Sie im aktuellen NEWS 39/09
"Aller Anfang ist schwer" - Frühe Arbeiten 1949 1961
27. September 2009 März 2010
Arnulf Rainer Museum
Josefsplatz 5
2500 Baden
Öffnungszeiten:
Täglich außer Dienstag 10.00-18.00 Uhr
Mittwoch 10.00-20.00 Uhr
