Mittwoch, 30. September 2009

Sag mir, wo die Wähler sind ...: Warum sich die Sozialdemokraten im freien Fall befinden

  • NEWS: Was der Parteichef anders machen muss
  • Pelinka: "Faymann bestimmt schwer angeschlagen"

Der Satz charakterisiert die derzeitige Kluft zwischen dem Parteichef und seiner SPÖ: Wer sich von Werner Faymann am Tag nach der jüngsten der verheerenden Niederlagen die klare Ansage erhofft hatte, was ab sofort anders gemacht werde, wie die Sozialdemokratie endlich wieder auf die Siegerstraße finden könnte, der wurde einmal mehr enttäuscht: „Zu ändern ist nichts.“ Er will das Lenkrad nicht herumreißen. Also befand Werner Faymann nach der fünften Wahlschlappe in nur einem halben Jahr.

Der Satz trägt aber auch dazu bei, dass sich in der SPÖ die bisherige Resignation in Wut auswachsen könnte. Bisher hielten die Genossen geduldig still, während ihr Parteichef aus einer Niederlage nach der anderen keine Konsequenzen zog. Sie fanden, so kurz nach der brutalen Demontage des glücklosen Alfred Gusenbauer könne man seinem Nachfolger nicht gleich wieder das Leben schwer machen. Man entsann sich der alten Disziplin in der SPÖ. Doch diesmal könnte Faymann unterschätzt haben, was die SPÖ nun von ihm erwartet: nicht nur freundlich lächeln, freundliche Interviews geben und mit dem beinharten Koalitionspartner ÖVP freundlich umgehen. Sondern führen, einen politischen Weg vorgeben, eine Zukunftsvision entwickeln, die Diskussion über Weg und Ziel initiieren. Und: aus schweren Niederlagen Konsequenzen ziehen.

"Katastrophe auch für die Bundes-SPÖ"
Zu viele in der SPÖ haben schon begonnen, ihn offen zu kritisieren: Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hatte als Erste Klartext gesprochen und die jüngste Wahlniederlage eine „Katastrophe auch für die Bundes-SPÖ“ genannt. Der frühere rote Landeschef in Salzburg, Wolfgang Radlegger, kritisiert des Kanzlers „stereotypes Grinsen“ und eine „lethargische Funktionärsschicht“. Der steirische Landtagspräsident Kurt Flecker legte Faymann nahe, sich irgendwann „selber zu evaluieren“: Ein Kurswechsel der SPÖ sei absolut notwendig, und „wenn der Steuermann das Ruder nicht herumreißt, fährt der Kahn gegen den Felsen. Ich hoffe, dass das rechtzeitig erkannt wird.“

Vom Kurswechsel, den ihm die Genossen nahelegen, hält der Kanzler allerdings wenig. „Ich sage ganz klar Nein zu einer Änderung meiner Politik“, trotzt Faymann im NEWS-Interview seinen Kritikern. Die Parole, die die Parteizentrale spätestens seit der Wahlschlappe in Vorarlberg ausgegeben hat: Besser kommunizieren, wofür die SPÖ steht – dann werden die Wähler schon irgendwann merken, dass die Roten Recht haben. Wünsche von Parteifreunden nach einer neuen Umverteilungsdebatte oder gar einer Reichensteuer schmettert Faymann konsequent ab. Motto: Was liegt, das pickt.

"Ganz bestimmt schwer angeschlagen"
Dass er sich damit den Unmut des linken Flügels zuzieht, scheint ihn dabei nicht zu kümmern. „Faymann ist ganz bestimmt schwer angeschlagen“, sagt Politikwissenschaftler Anton Pelinka. „Das Einzige, was eine ihn betreffende Personaldebatte verhindert, das ist der Mangel an Alternativen.“ Dabei mache er gar nicht alles falsch: Richtig sei es, sich nicht auf Klein-Klein-Konflikte mit der ÖVP einzulassen. Falsch hingegen, dass er bestimmte Dinge nicht tut, meint Pelinka: „Zum Beispiel die Türen der Partei weit aufmachen und alle einladen, sich den Kopf über die Zukunft der Sozialdemokratie zu zerbrechen – und zwar auch solche, die nicht Parteimitglieder sind.“

(Tessa Prager/Hanna Simons)

Die weiteren Probleme der SPÖ und Faymann im Interview finden Sie im NEWS 40/09

30.9.2009 20:28
Pollitix, 02. 10. '09 12:13
Der schwarze September 2009...
... inspirierte mich vor allem dazu: http://www.bilila.at/Polliticartoons-neu/Nelkenoffensive2013-farb.jpg
polarlicht, 01. 10. '09 06:48
mit permanenten Dauergrinsen...
gewinnen Herr Faymann und Frau Schmied keine Wahlen!
Es ist nicht immer alles lustig - das abgehobene Lächeln und auch die fürchterliche Bildungspolitik (nur EIN Beispiel) sind kein Garant für gute Wahlergebnisse!
Sensor, 30. 09. '09 21:58
Faymann ist völlig überfordert!
Langes herumdrücken nützt nichts mehr. Mit Faymann geht die SPÖ unter. Er soll sich ehestens von der Politik verabschieden!!!
interzona, 30. 09. '09 20:51
Jahrelanges Verstecken hinter rechtskonservativen Werten!
SOZIALdemokr. Partei Oesterreichs beinhaltet das Wort sozial und somit Sozialitaet. Nicht nur gegenueber Oesis;) sonder auch gegenueber Auslaendern. Was in den letzten Jahren fehlte war Integration;die oesterr. Bevoelkerung darauf vorzubereiten, dass sich in der Gesellschaft was geaendert und entwickelt hat. Statt den konserv. und nationalist. Ideen entgegenzutreten, haben sie sich immer mehr in das rechte Lager transferiert(nicht in allen Bundesl.)
Die Bev. hat das Gefuehl, dass die Auslaender an jeglichen Krisen schuld sind und "gehen" nach rechts. Aber wer meiner Meinung nach wirklich schuld ist, ist die Wirtschaft und Spekulanten auf der ganzen Welt, die einfach uebertrieben haben. Welche Partei die Wirtschaftspartei ist, wissen wir alle, aber das muessen wir erst einmal begreifen.
skorpion1100, 30. 09. '09 22:56
Re: Jahrelanges Verstecken hinter rechtskonservativen Werten!
II.Teil
Für die Sesselkleber ist es besser jemand anderer nur nicht sie muß für ihre Fehler gerade stehen. Wenn ich mich nicht IRRE leben wir in einer Demokratie, dann kann ich nicht verstehen das man schon seit einiger Zeit bei uns Ausgrenzt, irgendwie scheint dann aber zumindest eine Partei das Gefühl der Bev. zu verstehen und das zu sagen was schon viele Denken. Es ist auch eine Tatsache das genau die SPÖ zwei Resorts aus der Hand gegeben haben nur um sich des Kanzler Sessel sicher zu sein. Faymann darf für das gerade stehen was ein Gusenbauer und Konsorten des Präsidiums verbrochen haben. Leider sind diese Resorts in Hände gegeben worden die bei diesen nie sein dürften.
skorpion1100, 30. 09. '09 22:56
Re: Jahrelanges Verstecken hinter rechtskonservativen Werten!
III
Daran ist die SPÖ selber schuld, aus lauter MACHTGIER!!! Die SPÖ hat noch ein anderes Problem, die die immer SPÖ gewählt haben sterben aus und die Jugend kann mit Grünen und SPÖ Themen nicht wirklich was anfangen!!
founder, 30. 09. '09 20:14
Auch solche, die nicht Parteimitglieder sind.
Seit der EU Wahl veruchse ich einen Gesprächsgtermin mit Landeshauptfrau Burgstaller zustande zu bringen. Doch vergebens. Es geht um eine grundlegene Wende in der Politik.

Letzte Woche nach Voralberg dachte ich der Leidensdruck sei groß genug, diese Woche nach OÖ.

Nächtesmal werde ich wohl sagen "In Anbetracht der Lage muß es doch möglich sein einen Termin mit Erich Honecker vor dam 1 Jänner 1990 zu bekommen"
founder, 30. 09. '09 20:11
Mit Vollgas gegen die Wand
Wie wäre es endlich mal mit Ehrlichkeit? Mit einer dem Ernst der Situation angemessenen Politik anstatt weiter vollgas gegen die Wand zu rasen?

Wette mit den Wahlprogramm hätten die Sozialisten (oder jede andere Partei die es verwendet hätte)
http://politik.pege.org/2009-d/wahlprogramm.htm
DKNY2009, 30. 09. '09 19:31
Wen wunderts?
Ein ehemaliger Wohnbaustadtrat als Bundeskanzler ohne akad. Titel, ein Verteidigungsminister, der den Wehrdienst verweigerte, ......... ein Bundespräsident....... alle groß geworden durch die Partei, sonst niergends.
Vasant, 30. 09. '09 22:02
Re: Wen wunderts?
Das mit Darabos ist überhaupt so eine Sache ... wie kann
ein ehemaliger ZIVILDIENER denn bitte Oberbefehlshaber
vom Bundesheer werden;) Mit welchem Wissen und bitte
mit welcher Qualifikation? Der kennt ja die
Grundausbildung nur von Erzählungen;)

Also es sollten wirklich nur qualifizierte Menschen in
unserem Land für solche Positionen eingesetzt werden!
polarlicht, 01. 10. '09 06:50
Re: Wen wunderts?
... und eine Bankfrau als Unterrichtsministerin?
Taipei101, 30. 09. '09 18:18
Bitte an Herrn Dr. Androsch
Herr Dr. Androsch, bitte werden sie Bundeskanzler! Sie sind
der einzige, der mit scharfem Verstand die Situation dieser SPÖ erkannt hat.
maierhofer____, 30. 09. '09 15:53
Der Faymann
würde nicht einmal in unserer durch und durch roten Gemeinde ein drittel der stimmen bekommen... So schauts schon seit jeher um seine Beliebtheit aus...
IronEagle, 30. 09. '09 16:05
Re: Der Faymann
in wien sind dank faymann die gemeindebauten so mit nichtdeutschsprachigen bewohner überflutet worden, dass mich nichts mehr wundert. wofür steht er??