Der Sieger bleibt allein

ISBN: 978-3257067194, Paulo Coelho, Diogenes-Verlag
Dass Geld, Macht und Ruhm allein nicht unbedingt glücklich machen, ist fast schon eine Binsenweisheit. Weshalb aber setzen wir dann alles daran, so zu sein und zu leben wie die Schönen, Reichen und Berühmten? Weshalb gieren wir nach einer Welt des Glamour und des Scheins, die für den Durchschnittsbürger ohnehin unerreichbar bleibt, und geben dafür unsere Träume und Ideale auf? Diesen Fragen geht Paulo Coelho (Gesamtauflage: 100 Millionen) in seinem neuen Roman Der Sieger bleibt allein (Diogenes) nach. Das an einem Tag und in einer Nacht spielende und vordergründig als Krimi noir gehaltene Buch zählt zum Besten, das der brasilianische Kultautor je vorgelegt hat, und wird die Bestsellerlisten stürmen, wie alles von ihm. Eine Serie von mysteriösen Morden erschüttert da die Filmfestspiele von Cannes, und die Stadt, die außer einmal im Jahr nicht viel zu bieten hat, fürchtet den finanziellen und glamourösen Ruin auf Jahre hinaus.
Und das sind die Protagonisten des 500-Seiten-Opus: Hamid, ein international gefeierter Stardesigner. Gabriela, eine Schauspielerin, die bisher vergebens auf ihre große Chance gewartet hat und für schnellen Ruhm (fast) alles geben würde. Und schließlich Igor, ein ehemaliger Afghanistan-Veteran, der nach dem Zusammenbruch des Ostblocks durch unsaubere Geschäfte Millionär und über den schnellen Aufstieg und der Kriegsvergangenheit verrückt geworden ist. Er hat den Sinn für die Realität verloren und geht über Leichen, um seine ehemalige Frau zurück zu gewinnen. Das erste seiner (Zufalls-)Opfer ist allerdings nicht aus der Filmbranche, und wird ihn als (Alb-)Traumgespinst nie mehr verlassen. Einzige Lichtfigur in dem Panoptikum durch Botox und plastische Chirurgie stramm gehaltener Körper und dabei längst verlorener Seelen: Die gebürtige Holländerin Jasmine alias Cristina, eine junge Schwarze auf dem bestem Weg zum Supermodel. Wird auch sie den Versuchungen der Glamourwelt erliegen? Wir verraten das überraschende Ende des wohl suggestivsten und packendsten Coelho-Plots bisher im Sinne unserer Leser
nicht. D. K.
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