Klugar sitzt weiterhin fest im ÖBB-Sattel: Aufsichtsrat hält nichts von Schnellschüssen
- Pöchhacker will keinerlei "Vorverurteilung" Klugars
- AR-Chef räumt ein: Es wurden "Fehler begangen"
Kritik an Haberzettl wegen des Ganges an Medien
·ÖBB-Skandal: 'Alle haben alles gewusst'
Krankenstände-Debatte: Ein Insider packt aus
·Sind die ÖBB nur die
Spitze des Eisbergs?
Gewerkschaft meldet
Häufung von Spitzelfällen
·ÖBB-Skandal schlägt
immer höhere Wellen
NEWS: Spitzelaffäre drohte der Vertusch

Die ÖBB hält nichts von Schnellschüssen. Daher soll es auch beim Aufsichtsrat in Sachen Datenaffäre zu keinerlei personellen Konsequenzen kommen. Horst Pöchhacker, der dem Kontrollgremium vorsteht, will zunächst die Untersuchung der Verantwortlichen abwarten. will darauf bestehen, dass das Management "mit legalen Mitteln" verhindert, dass die Krankenstandstage wieder steigen. Er warf ÖBB-Betriebsratschef Wilhelm Haberzettl vor, die Angelegenheit aus personaltaktischen Gründen an die Öffentlichkeit gespielt zu haben.
Dem Aufsichtsrat werde die volle Sachlage am kommenden Dienstag nicht vorliegen, daher könnten in der Causa vorerst auch keine Entscheidungen getroffen werden, sagte Pöchhacker im "Journal zu Gast : "Sich einzelne herauszupicken und zu sagen, der ist schon vorverurteilt, das wird nicht passieren", antwortete Pöchhacker indirekt auf die Frage, ob ÖBB-Chef Peter Klugar gehen solle. Nach dem Abgang von Martin Huber habe man nach einem Fachmann gerufen und "Klugar ist ein exzellenter Fachmann", erinnerte er.
"Fehler begangen"
Mit den "diagnoseähnlichen Vermerken" auf den Personalbögen seien "Fehler begangen" und Recht gebrochen worden - die ÖBB hätten aber ein Problem mit den weit hohen Krankenständen gehabt, erinnerte der frühere Porr-Chef. Ein Drittel der ÖBBler seien praktisch nie krank gewesen, ein weiteres Drittel sei im ASVG-Durchschnitt gelegen, nur ein weiteres Drittel sei "30, 40, 50, bis zu 60 Tage krank gewesen". Es sei zu vermuten, dass mit Krankenständen Missbrauch betrieben worden sei, ein Missbrauch, den das Management mit "untauglichen Mitteln abstellen wollte".
Inzwischen ist der durchschnittliche Krankenstand von 27 auf 17 Tage pro Jahr gesunken. Der Aufsichtsrat erwarte vom Management, dass dieser Erfolg nicht gefährdet werde, das Management müsse aber "mit rechtskonformen Mitteln" vorgehen, sagte Pöchhacker. Die Datenaffären bei Lidl Deutschland und der Deutschen Bahn seien mit der ÖBB nicht vergleichbar. Im Aufsichtsrat ist laut Pöchhacker nur allgemein über das Thema "Reduktion der Krankenstandstage" diskutiert worden.
Kritik an Haberzettl
Kritik übte Pöchhacker an ÖBB-Betriebsratschef und Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl: Dieser hätte die Sache in die Gremien tragen sollen, statt sie "über die Medien auszurichten" - schließlich sitze Haberzettl im Aufsichtsrat. Pöchhacker äußerte die Vermutung, die Krankendaten-Sache sei nach außen getragen worden, weil Haberzettl den früheren Personalchef Franz Nigl als Chef der "Traktion" ("Lokomotivgesellschaft" der Bahn) verhindern habe wollen. Unter der Ägide Nigls als Personalchef hätten die ÖBB immerhin 6.000 Posten abgebaut.
(apa/red)

