ÖBB-Skandal zieht weite Kreise: Insider völlig überzeugt - 'Alle haben alles gewusst'
- Vorstandschef Klugar sieht keinen Grund für Rücktritt
- Rund 3.000 ÖBB-Mitarbeiter könnten betroffen sein
Ministerin Bures will Klärung durch Staatsanwaltschaft
·Sind die ÖBB nur die
Spitze des Eisbergs?
Gewerkschaft meldet
Häufung von Spitzelfällen
·ÖBB-Skandal schlägt
immer höhere Wellen
NEWS: Spitzelaffäre drohte der Vertusch

Nach ersten Erkenntnissen der neu eingesetzten Untersuchungskommission waren in der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG unter den rund 11.000 Mitarbeitern rund 1.000 Fälle entdeckt worden, in denen in Beförderungsbögen auch Angaben zu Krankenständen und Diagnosen enthalten waren. Im gesamten Konzern rechnete der neue Personalchef der ÖBB-Holding, Emmerich Bachmayer, mit etwa 3.000 Fällen. Seit wann der ÖBB-Vorstandsvorsitzende Klugar über die dubiosen Praktiken bei der Aufzeichnung von Krankendaten Bescheid wusste, wollte er nicht genau beantworten. Ein intimer Kenner der ÖBB sieht es im APA-Gespräch etwas klarer: "Alle haben alles gewusst".
Der ÖBB-Insider erzählt weiter: "Alle haben gewusst, dass es ein Graubereich ist". Das System zur Reduktion der zum Teil enormen Krankenstände sei gemeinsam erarbeitet, dann aber zum "Selbstläufer" geworden und dem Vorstand entglitten. Einige Manager der zweiten und dritten Ebenen hätten die Fehlzeitenthematik als "Machtinstrument" gesehen" und genützt.
Änderung im EDV-System
Die Affäre um illegal gesammelte Krankendaten wird in den ÖBB zu einer Änderung der EDV und neuen Dienstanweisungen führen. Weitergehende Konsequenzen zeichnen sich vorerst nicht ab. ÖBB-Vorstandsvorsitzender Peter Klugar gestand mittlerweile zwar Fehler "bei der Umsetzung von Personalmaßnahmen" ein. Gründe, um dem Holding-Aufsichtsrat nächste Woche seine Rücktritt anzubieten, sieht er aber nicht.
Infrastrukturministerin Doris Bures forderte indes ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Pöchhacker auf, zur Aufklärung der "rechtswidrigen Erfassung von Krankendaten in den ÖBB" die Staatsanwaltschaft einzuschalten, personelle Konsequenzen forderte sie nicht.
(apa/red)

