Der Detektiv geht am Arbeitsplatz um: War
der ÖBB-Skandal nur Spitze des Eisbergs?
- Gewerkschaft meldet Häufung ähnlicher Beschwerden
- Unzulässige Gespräche nach langen Krankenständen

Wer in der nahenden Erkältungssaison erkrankt, sollte sich besser zweimal überlegen, ob er sich einen längeren Krankenstand "leisten" kann. Denn die Fälle von Bespitzelung und unzulässigen Befragungen am Arbeitsplatz nehmen laut Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) drastisch zu. Dubiose Methoden zur Reduzierung von Krankentagen, wie die "verpflichtende Krankenstandrückkehrgespräche", sind in vielen Betrieben längst an der Tagesordnung. Das lässt nicht nur bei der Gewerkschaft die Alarmglocken schrillen.
Immer öfter hätten sich zuletzt Betriebsräte mit solchen Problemen an die GPA gewandt, wie GPA-Datenrechtsexpertin Eva Angerler erläutert. Wirklich aktiv sei man geworden, nachdem sich herausgestellt habe, dass es mittlerweile vom Wifi-Schulungen für Krankenstandrückkehrgespräche gebe.
Aus Sicht der Gewerkschaft deute mittlerweile alles darauf hin, dass solche Gespräche nach längeren Krankenständen "nicht zulässig sind", sagte Angerler. Vor allem wenn solche Gespräche in Richtung Disziplinierung gingen oder Druck ausgeübt werde.
Atmosphäre der Angst
Grundsätzlich ist der Vorsatz, eine gutes betriebliches Gesundheitswesen zu etablieren, zu begrüßen, so die GPA. Ob solche Gespräche das geeignete Mittel sind, sei allerdings "mehr als zweifelhaft". Wie sich zeige, erzeugten die Gespräche eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens und seien daher arbeitsrechtlich zu hinterfragen.
In der Krankendaten-Affäre der ÖBB erklärte ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier im ORF-Mittagsjournal, dass der Bahn-Betriebsratsvorsitzende Wilhelm Haberzettl die Affäre um die Krankendaten im Aufsichtsrat ansprechen hätte müssen. Seinen Informationen nach habe er dies nicht getan. Auch er will - ebenso wie Infrastrukturministerin Bures - zuerst die Ergebnisse der in der vergangenen Woche eingesetzten Untersuchungskommission abwarten, bevor er sich zu notwendigen Konsequenzen im Vorstand äußern will.
(apa/red)

