ÖBB-Skandal schlägt immer höhere Wellen:
Spitzelaffäre drohte vertuscht zu werden
- NEWS: Interne Mail rief zu Löschung der Daten auf
- Grüner Karl Öllinger: Das wird ja immer ärger

Als NEWS in der Vorwoche aufdeckte, dass die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) Akten mit Krankengeschichten ihrer Mitarbeiter anlegen, stand die Bahn kurz vor der Entgleisung. Die Heizkessel der Verdächtigungen wurden sofort hochgefahren. Mitarbeiter, die fälschlicherweise als undichte Stelle eruiert wurden, sind unter Druck gesetzt worden.
Löschen und vernichten. Das wahre Ausmaß dieses Systems läuft aber Gefahr, vertuscht zu werden. Gleich einen Tag nachdem NEWS die ÖBB-Spitze um Stellungnahme zu den schweren Vorwürfen bat, folgte um acht Uhr in der Früh eine E-Mail des neuen Personalvorstands Emmerich Bachmayer an sämtliche Personalverantwortlichen wie auch an alle Vorstände der Holding, allenfalls gespeicherte Daten oder Aufzeichnungen von Krankenstandsdiagnosen (
) zu löschen.
Dieser Umstand klingt befremdlich, denn die ÖBB haben versprochen, eine interne Untersuchungskommission einzurichten. Was soll dann also noch kontrolliert werden, wenn die Daten gelöscht werden? Das Dementi des ÖBB-Sprechers Alfred Ruhaltinger: Es wird nichts vertuscht, und diese Daten, so sie vorhanden sind, werden nicht gelöscht.
Diagnosen im Hauptspeicher
Dennoch keimen Ungereimtheiten auf. Die Skandal-Kommission arbeitet schon eine Woche und hat noch keine Ergebnisse. Und vor Ende dieser Woche werde es auch keine geben, heißt es.
Dabei wäre doch alles ganz einfach. Denn eine Hilfskonstruktion, die die ÖBB bis zuletzt hartnäckig zu halten versuchte, stürzt nun komplett ein. Die Daten (und Diagnosen) wurden systematisch und automatisiert im SAP-Speicher der ÖBB gesichert. Eine Personalakte eines ÖBB-Mitarbeiters liegt exklusiv vor: Daraus ist klar ersichtlich, dass die Diagnosen in ein Excel-Sheet eingegeben werden. In einem weiteren Feld, wo die Krankenstandstage einzugeben sind, geht automatisch ein Fenster auf, das sogar darauf hinweist, dass die Diagnose verpflichtend anzuführen ist (bei 15 Tagen pro Jahr).
Das heißt im Klartext: Die Verantwortlichen bei den ÖBB würden mit einem Knopfdruck sämtliche Fälle parat haben. Und damit wäre auch das gesamte Ausmaß des ÖBB-Skandals geklärt. Grünen- Mann Öllinger: Ich habe den dringenden Verdacht, dass hier Beweismittel vernichtet werden. Das wird ja immer ärger.
David Hell
Lesen Sie im aktuellen NEWS, warum auch die Wiener Linien im Verdacht stehen, Mitarbeiter zu bespitzeln!

