Dienstag, 22. September 2009

ÖBB-Skandal schlägt immer höhere Wellen:
Spitzelaffäre drohte vertuscht zu werden

  • NEWS: Interne Mail rief zu Löschung der Daten auf
  • Grüner Karl Öllinger: „Das wird ja immer ärger“

Als NEWS in der Vorwoche aufdeckte, dass die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) Akten mit Krankengeschichten ihrer Mitarbeiter anlegen, stand die Bahn kurz vor der Entgleisung. Die Heizkessel der Verdächtigungen wurden sofort hochgefahren. Mitarbeiter, die – fälschlicherweise – als undichte Stelle eruiert wurden, sind unter Druck gesetzt worden.

Löschen und vernichten. Das wahre Ausmaß dieses Systems läuft aber Gefahr, vertuscht zu werden. Gleich einen Tag nachdem NEWS die ÖBB-Spitze um Stellungnahme zu den schweren Vorwürfen bat, folgte um acht Uhr in der Früh eine E-Mail des neuen Personalvorstands Emmerich Bachmayer an sämtliche Personalverantwortlichen wie auch an alle Vorstände der Holding, „allenfalls gespeicherte Daten oder Aufzeichnungen von Krankenstandsdiagnosen (…) zu löschen“.

Dieser Umstand klingt befremdlich, denn die ÖBB haben versprochen, eine interne Untersuchungskommission einzurichten. Was soll dann also noch kontrolliert werden, wenn die Daten gelöscht werden? Das Dementi des ÖBB-Sprechers Alfred Ruhaltinger: „Es wird nichts vertuscht, und diese Daten, so sie vorhanden sind, werden nicht gelöscht.“

Diagnosen im Hauptspeicher
Dennoch keimen Ungereimtheiten auf. Die Skandal-Kommission arbeitet schon eine Woche und hat noch keine Ergebnisse. Und vor Ende dieser Woche werde es auch keine geben, heißt es.

Dabei wäre doch alles ganz einfach. Denn eine Hilfskonstruktion, die die ÖBB bis zuletzt hartnäckig zu halten versuchte, stürzt nun komplett ein. Die Daten (und Diagnosen) wurden systematisch und automatisiert im SAP-Speicher der ÖBB gesichert. Eine Personalakte eines ÖBB-Mitarbeiters liegt exklusiv vor: Daraus ist klar ersichtlich, dass die Diagnosen in ein Excel-Sheet eingegeben werden. In einem weiteren Feld, wo die Krankenstandstage einzugeben sind, geht automatisch ein Fenster auf, das sogar darauf hinweist, dass die Diagnose verpflichtend anzuführen ist (bei 15 Tagen pro Jahr).

Das heißt im Klartext: Die Verantwortlichen bei den ÖBB würden mit einem Knopfdruck sämtliche Fälle parat haben. Und damit wäre auch das gesamte Ausmaß des ÖBB-Skandals geklärt. Grünen- Mann Öllinger: „Ich habe den dringenden Verdacht, dass hier Beweismittel vernichtet werden. Das wird ja immer ärger.“

David Hell

Lesen Sie im aktuellen NEWS, warum auch die Wiener Linien im Verdacht stehen, Mitarbeiter zu bespitzeln!

22.9.2009 19:02
galileo2, 18. 09. '09 18:28
auch im öffentlichen dienst
also das gibts doch überall, auch im öffentlichen dienst. wenn du zu lange im Krankenstand bist, selbst wenn du eine operation hast, gibts schon einen rüffel von der Personalstelle u eine vorrücken kannst dir aufzeichnen. ja ja der liebe Staat kümmert sich vorsorglich um seine Angestellten....

George Orwell lässt grüßen.....big brother is watching you
Örnichen, 18. 09. '09 13:20
Nochmals ÖBB-Krankenstände
Jede Firma legt von seinen Mitarbeitern eine Krankendatei an. Aus dieser ist die Anzahl der Krankenstände und -tage ersichtlich. Ebenso liegen diese Daten - diesmal mit der Diagnose - bei den zuständigen Krankenversicherungsträgern auf. Der Arbeitgeber, der normal von der Diagnose nichts wissen dürfte, könnte diese Informationene von der Krankenkasse erfragen. Ob dies die ÖBB getan haben entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist jedenfalls ungesetzlich sich diese Daten zu erschleichen.
Aika1, 17. 09. '09 19:53
Krankenstände
Die Überwachung wurde noch schlimmer, weil die Vorgesetzen für jeden eingesparten Tag Krankenstand eine Prämie bekommen haben (sprich sogenannte Mitarbeiterbelohnung). Diese Belohnung ist natürlich auf die Kosten der Kollegen gegangen, denn die Beförderung zur nächsten Gehaltsgruppe war natürlich nicht mehr gegeben. Ist das Gerecht?
Ibikus, 17. 09. '09 01:17
Ach wie schön...
sollte man glauben. Und noch immer KEIN Komentar der Staatsanwaltschaft da hier mehrere Straftatsbestände vorliegen. Aber es handelt sich wohl um honorige Herren die zwar kräftig abgesahnt haben - daher auch das Defizit der Bahn - aber noch immer ihre Freunde in der Justiz sitzen haben da ja selbst Jurist. Aber diese KZ Methoden sind ja in "Ö" nichts neues, wird sicher noch einiges folgen. Die Ausstellung über die Justiz des 3ten Reiches birgt sicher noch mehr an Hintergrund für die Vorgangsweise in "Ö". Und das bei angeblicher Demokratie seit über 50Jahren....................., schlimm und hoffnungslos!!!!!!!
Gscheitel, 16. 09. '09 19:54
Krankenstände !
Ich kenne keine größere Firma wo man nicht auf Kopfdruck sofort die Anzahl der Krankenstände auf jeweilige Mitarbeiter per Knopfdruck abrufen kann.
Vasant, 16. 09. '09 21:36
Re: Krankenstände !
Es geht auch nicht um die Anzahl der Krankenstände,
sondern um die Tatsache, dass eigentlich die ärztliche
Schweigepflicht ausgeschaltet wurde!

Es geht KEINEN Arbeitgeber etwas an, was für eine
Krankheit der Arbeitnehmer hat!

Das ist eine absolute Sauerei! Der ÖBB Vorstand
gehört fristlos gekündigt und da soll sich nun der
Betriebsrat Unterstützung holen!
Hansaustirol, 17. 09. '09 10:27
Re: Krankenstände !
ich kenne auch keine größere Firma in der soviel Mißbrauch mit Krankenständen getrieben wird, wie bei den ÖBB. Ich kenne jemanden aus dem Tiroler Mittelgebirge, der über 1 Jahr im Krankenstand war und im Krankenstand "schwarz" einen Hausmeister gemacht hat und dies ist kein Einzelfall. Alles auf Kosten der Steuerzahler!
Örnichen, 16. 09. '09 17:56
ÖBB - Krankenstände und Haberzettel
Der oberste Betriebssratschef der ÖBB Willi Haberzettel soll nicht so scheinheilig tun, als ob er jetzt die ÖBB Welt verändern will. Haberzettel weiß diese Mißstände schon seit geraumer Zeit meldet sich aber erst jetzt zu Wort, nachdem diese Sache in News erst aufgegriffen wurde. Ich würde gerne einmal als Gastkommentator tätig sein, das Schreiben von Leserbriefen genügt nicht mehr!
sidestep, 16. 09. '09 19:52
Re: ÖBB - Krankenstände und Haberzettel
Wenn man sowenig arbeitet wie ein ÖBBler und so früh in Pension geht, verstehe ich überhaupt nicht, wie man da krank werden kann!
antikapitalist, 16. 09. '09 19:59
Re: ÖBB - Krankenstände und Haberzettel
ABER DAS MÜSSTEST DOCH GERADE DU,LIEBER SIDESTEP,AM BESTEN VERSTEHEN!
Marc99, 17. 09. '09 06:50
@sidestep
Eine absolut berechtigte Anmerkung. In der Privatwirtschaft werden Krankenstände jenseits von 55 zu einem Thema, mit diesem Alter haben die meisten ÖBBler schon mehrere Pensionsjahre hinter sich.
Greedi, 17. 09. '09 09:50
Re: ÖBB - Krankenstände und Haberzettel
Und warum ist dem so?
Weil die Geschäftsführung "unkündbare" Mitarbeiter abzubauen -> Frühpension.
Für die KV Bediensteten der ÖBB ist es auch nicht mehr so rosig wie es mancher gerne darstellt.

Aber jeder darf sich seine Meinung selber bilden :)
Greedi, 17. 09. '09 09:51
Re: ÖBB - Krankenstände und Haberzettel
"abzubauen versucht" natürlich ;)

bitte vielmals um Entschuldigung