Mittwoch, 16. September 2009

BMW & VW drohen der neuen Opel-Mutter:
Angst um eigenes technologisches Wissen

  • Magna: Mit Deal vom Zulieferer zum Konkurrenten
  • Daimler-Konzern hält hingegen an Kooperation fest

So hat sich Magna-CEO die Übernahme von Opel vermutlich nicht vorgestellt: Beinahe täglich tut sich eine neue Front für den österreichisch-kanadischen Autozulieferer auf. Nachdem mehrere Regierungen ihren Protest gegen Magnas Standort-Pläne bekundeten, gehen nun sogar Magnas Kunden auf die Barrikaden: Sowohl VW als auch BMW wollen ihre Zusammenarbeit überdenken.

Die beiden Autokonzerne drohen aus Angst vor dem Abfluss technologischen Wissens mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen mit Magna. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech brachte die Bedenken der Hersteller auf der IAA in Frankfurt auf den Punkt: "Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden."

 BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner wiederum sagte: "Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert." Eichiner fügte hinzu: "Insofern müssen wir schon darüber nachdenken, welche Technologie wollen wir in die Hände eines Konkurrenten geben. Das muss jetzt sicher überdacht werden." Entschieden sei aber noch nichts. Magna produziert für BMW derzeit unter anderem den kleinen Geländewagen X3 und Komponenten. Die Produktion des X3 in Graz läuft aber 2010 aus.

Daimler sieht keine Probleme
Hingegen hält der Daimler-Konzern an der Zusammenarbeit mit dem Zulieferer fest. Die Beziehung zu dem österreichisch-kanadischen Unternehmen werde nicht infrage gestellt, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche auf der IAA in Frankfurt. Er glaube, dass es auch nach der geplanten Übernahme von Opel eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Magna geben werde. Die beiden Unternehmen arbeiten bei der Mercedes-Benz G-Klasse zusammen.

Wolf zeigt sich gelassen
   Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte sich in der Debatte zuletzt gelassen gezeigt. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf die wettbewerbsfähigen Produkte verzichtet. "Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind." Außerdem werde Magna das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen. "Es wird keine organisatorischen oder personellen Überschneidungen geben", versprach Wolf.

(apa/red)

16.9.2009 10:25