Freitag, 18. September 2009

Rapid lässt sich Hamburger auf der Zunge zergehen: Ein Sieg macht Appetit auf mehr

  • Pacult nach Erfolg über HSV: "Eine Riesensache"
  • Rapid-Trainer tritt dennoch auf die Euphoriebremse

In der Stunde eines seiner größten Triumphe als Trainer hat Peter Pacult auf großen öffentlichen Jubel verzichtet. Während Spieler und Betreuerstab nach dem 3:0 gegen den Hamburger SV noch minutenlang ihre Ehrenrunden im Happel-Stadion drehten, verdrückte sich der Coach wie schon nach dem Aufstieg gegen Aston Villa auf schnellstem Weg in Richtung Kabine.

Auch in der Pressekonferenz verzichtete Pacult nach dem Auftaktspiel der Europa-League-Gruppenphase auf allzu pathetische Wortmeldungen und wies lieber darauf hin, dass seine Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht hatte. Über einen möglichen Aufstieg wollte sich der Wiener zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht den Kopf zerbrechen. "Wir haben nie vom Aufstieg gesprochen. Wir wollen einfach nur so viele Punkte wie möglich sammeln und dann schauen wir, wo wir stehen. Immerhin haben wir jetzt schon drei Punkte mehr als vor vier Jahren in der Gruppenphase der Champions League."

Die Genugtuung über den Prestigeerfolg gegen den deutschen Tabellenführer, der seine erste Saisonniederlage kassierte, konnte Pacult dennoch nicht verbergen. "Der Sieg geht in dieser Höhe in Ordnung und ist für uns eine Riesensache. Vorher hat man gesagt, die Österreicher können nur Ski fahren, aber heute haben wir das Gegenteil bewiesen", erklärte der 49-Jährige.

Pauschallob von Pacult
Das 3:0 hat für den Meistermacher des Vorjahres dennoch nicht den gleichen Stellenwert wie der vorangegangene Auftritt in Birmingham. "Der Aufstieg gegen Aston Villa steht für mich noch eine Stufe höher, weil wir in die Gruppenphase eingezogen sind. Wir wären damals die einzigen Österreicher gewesen, die ausgeschieden gewesen wären, und heute hätte keiner mehr gefragt, gegen welchen Gegner", meinte Pacult und ergänzte schmunzelnd: "Außerdem ist es ja nicht so schwierig, gegen den HSV zu gewinnen."

Seiner Truppe sprach der Betreuer ein Pauschallob aus, verwehrte sich allerdings dagegen, die Youngsters zu sehr in den Himmel zu heben. "Wir haben junge Spieler, die Talent haben, aber wir sollten nicht immer von den Jungen reden. Aufgefangen werden sie von den Älteren. Bei uns gibt es eine gute Mischung. Die Routiniers führen und die Jungen machen das, was von ihnen verlangt wird."

In der Auslage
Dass sich durch die Gala im Wiener Prater einige Spieler wie etwa Yasin Pehlivan in die Notizblöcke ausländischer Clubs gespielt haben könnten, ist wohl auch Pacult bewusst. Der Coach musste schon vor einem Jahr Ümit Korkmaz ziehen lassen und verlor in diesem Sommer seinen Paradesturm Erwin Hoffer/Stefan Maierhofer. "Aber jetzt wird keiner mehr verkauft", forderte der Wiener.

Bisher hat Rapid die Abgänge praktisch problemlos kompensiert, auch die Ausfälle gegen den HSV wurden weggesteckt. Stefan Kulovits agierte als Ersatz für den gesperrten Andreas Dober auf der rechten Abwehrseite ebenso solide wie Hannes Eder, Vertreter von Jürgen Patocka, in der Innenverteidigung. Außerdem machte die Flügelzange Veli Kavlak/Branko Boskovic in Rapids neuem 4-2-3-1-Paradesystem eine genauso starke Figur wie Christopher Trimmel/Christopher Drazan in Birmingham.

Trimmel fehlte verletzungsbedingt, Drazan, Torschütze zum 3:0, musste vorläufig auf der Bank Platz nehmen. "Er war in den letzten beiden Spielen nicht so gut und nicht so frisch, auch wegen seiner im Nationalteam erlittenen Knöchelverletzung. Bei Boskovic hat man im Training gesehen, dass er wieder gut in Schuss ist", sagte Pacult, der Kavlak gegenüber Thonhofer den Vorzug gegeben hatte. "Veli ist ein Spieler, der Vertrauen braucht und sich wieder zurückgearbeitet hat."

(apa/red)

18.9.2009 14:17