Obama wirbt für Olympia in Chicago:
Chancen auf Spiele 2016 sind gesunken
- Rio, Madrid und Tokio machen sich neue Hoffnungen
- US-Präsident verspricht: "Wir wollen diese Spiele"

Es gibt zwei Wirklichkeiten um Chicago und die Chancen der Stadt, 2016 Olympische Spiele auszurichten. Die eine spielte im Weißen Haus, als Barack Obama verbal in die Vollen ging. "Chicago ist bereit. Das amerikanische Volk ist bereit. Wir wollen diese Spiele", sagte der US-Präsident vor Vertretern des Bewerbungskomitees, Athleten und Politikern.
"Wenn Chicago gewählt wird, verspreche ich, Chicago wird Amerika stolz machen. Und Amerika wird die Welt stolz machen." Die andere Wirklichkeit ist: Chicagos Chancen stehen derart auf der Kippe, dass Obama eine Art Notbremse gezogen hat: Keine Reise, wie ursprünglich geplant, nach Kopenhagen, wo am 2. Oktober rund 100 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Spiele 2016 an Rio de Janeiro, Madrid, Tokio oder Chicago vergeben.
Dabei standen die Aktien von Obamas Heimatstadt vor Monaten noch hoch im Kurs: Chicago der Favorit, weil er dem olympischen Sport am meisten Geld bringt und weil er mit Obama in Kopenhagen einen Stimmenfänger ohnegleichen aufbieten kann. Sollte die Stadt gewinnen, würden die US-amerikanischen TV-Riesen bereit sein, auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten mehr als jene 1,2 Milliarden Dollar (818 Mio. Euro) zu zahlen, die NBC dem IOC für die Spiele 2012 in London überweisen wird.
Obama kommt nicht zur Entscheidung
Doch dieses Szenario ist Geschichte, die Mitbewerber aus Brasilien, Japan und Spanien schöpfen neue Hoffnungen. Denn ausgerechnet Hoffnungsträger Obama hat den olympischen Börsenkurs Chicagos nach unten gedrückt. Seine Absage an IOC-Präsident Jacques Rogge, nicht nach Kopenhagen kommen zu können, wirkt für die "windy city" als Niederlage.
Der Präsident habe Rogge mitgeteilt, sein Einsatz für die Reform des Gesundheitswesens habe höchste Priorität, deshalb sei er unabkömmlich, ließ das Weiße Haus verlauten. Dies ist eine Erklärung, die nach Einschätzung von führenden IOC-Vertretern die volle Wahrheit nur andeutet. Sollte Obama in Kopenhagen mit Chicago verlieren, würde ihm das von der republikanischen Opposition als persönliche Niederlage angerechnet werden.
(apa/red)
