Donnerstag, 17. September 2009

Harter Kampf um Verbleib in Weltgruppe:
Melzer und Co. müssen gegen Chilenen ran

  • ÖTV geht als leichter Favorit ins Davis-Cup-Play-off
  • Abstieg wurde zuletzt sechs Mal en suite verhindert

Österreichs Davis-Cup-Team will von heute bis Sonntag in Rancagua eine stolze Serie aufrechterhalten: Seit 2003 ist es Jürgen Melzer und Co. jedes Jahr gelungen, im Weltgruppen-Play-off den Abstieg in die Europa-Afrika-Zone I zu verhindern. Nach Belgien (3:2), Großbritannien (3:2), Ecuador (4:1), Mexiko (5:0), Brasilien (4:1/alle daheim) und vergangenes Jahr in Wimbledon neuerlich Großbritannien (3:2) soll es nun auch gegen Chile klappen.

Sechs Siege en suite also, insgesamt feierte Österreich in diesen Duellen um den Verbleib oder Aufstieg in die Weltgruppe seit 1988 zehn Siege bei nur vier Niederlagen. Der Team-Älteste Stefan Koubek hofft, dass sich dieser Trend fortsetzt und auch der siebente Streich gelingt. "Wir sind hier zum Siegen hergekommen, offensichtlich haben wir einige Play-off-Matches gewonnen und ich glaube, das Team ist stark genug, auch das siebente Play-off-Match zu gewinnen", meinte der 32-jährige Kärntner.

Chiles Nr. 1 nicht mit dabei
Die Tatsache, dass Chiles Nummer 1, Fernando Gonzalez, nicht antritt, sollte der ÖTV-Equipe freilich weiterhelfen. "Es gibt uns einen Boost und es ist nett für uns, zu wissen, dass wir jetzt gegen Capdeville und Massu spielen. Es wird trotzdem ein harter Länderkampf mit dem Publikum in Chile gegen dich. Ich habe gehört, es ist nicht lustig, hier zu spielen", sagte Österreichs Nummer 1, Jürgen Melzer. Er schätzt die Ausgangslage wie auch Kapitän Gilbert Schaller mit 50:50 ein.

Grundsätzlich ist Melzer in beiden Einzeln Favorit, und auch das zuletzt in New Haven siegreiche Doppel Melzer/Julian Knowle ist doch deutlich über die Fähigkeiten von Nicolas Massu und Paul Capdeville zu stellen. Und Letzterer spielt erstmals für sein Land als Nummer 1, hat also den Druck am ersten Tag den unbedingt nötigen Punkt vor eigenem Publikum zu holen. Andererseits hat Chile, das 1976 sogar einmal im Endspiel des Davis Cup gestanden war, von den vergangenen 13 Heim-Länderkämpfen 12 gewonnen.

Vor allem Massu gilt als Kämpfer und einer, der sich mit der Aufgabe und Stimmung auch steigern kann. "Er hat immer mehr als 100 Prozent gegeben, das erwarte ich auch hier", so Melzer, der schon am ersten Tag auf die Nummer 2 der Gastgeber trifft.

Koubeks Form fraglich
Ein Fragezeichen steht freilich hinter der Form von Stefan Koubek, der nach seiner Rückenoperation vor einem Jahr heuer ein bisher durchwachsenes Jahr hatte. Nach der Ausbootung von Daniel Köllerer, der rein sportlich gesehen derzeit die Nummer 2 Österreichs ist, werden gerade ihm wohl viele auf die Beine schauen. "Ich habe viel trainiert, fühle mich okay. Davis Cup ist immer anders, weil man nur für ein, maximal zwei Matches bereit sein muss."

Grundsätzlich sei er "ready", und er beruft sich auf seine Erfahrung. "Gegen Schüttler in Garmisch habe ich echt eine Super-Partie gespielt. Ich hoffe, dass ich das auf Sand in Chile auch auf den Platz bringen kann. Mal schauen, was ich in meinen alten Tagen noch schaffen kann."

Kalte Partie
Ungewöhnlich und bemerkenswert ist freilich die Ansetzung des Länderkampfes im südamerikanischen Spätwinter im Freien und noch dazu in den Abendstunden. Bei Temperaturen um die 8 Grad Celsius Davis Cup zu spielen ist zwar erlaubt - der internationale Tennisverband ITF hat diesbezüglich (auch für Hitze) kein Regulativ - aber zumindest sehr ungewöhnlich. Gutes Aufwärmen wird da freilich besonders gefragt sein.

(apa/red)

17.9.2009 11:09