Der Mann hinter der Bewerbung: Das irre Olympia-Protokoll von ÖOC-Berater Roth
- NEWS: Was er cashte, wen er kaufte, wie er tickt
- Von Schwindelzetteln für Gusi bis zu Karibik-Lobbying

Dynamisch durchmisst Erwin Roth die Hotellobby und checkt ein. Nicht, um sich kurz aufs Ohr zu hauen, sondern nur, um zwischendurch schnell zu duschen und 27 Minuten später im Trachtenjopperl erneut dem Lift zu entsteigen. Seit drei Tagen sei er nun schon nonstop auf den Beinen. Um zu regenerieren, schraube er lediglich den Ruhepuls auf 48 runter. Drängt die Zeit, ist Schlafen Verschwendung. Ich bin ein Multitasker, ein absoluter Crossboarder. Ich kann Kampagnen machen, alleine, mit nix, dass es nur so scheppert.
Und wie: Im Stakkato offene Briefe, welche die Mail-Verteiler der heimischen Redaktionsstuben überschwemmen, aktionistische Verteilung von Schokoschnecken samt aufgedruckten Rücktrittsaufforderungen mitten in der Salzburger City, Pressekonferenzen im Tagesrhythmus verbissen wie ein Don Quichotte des Medienzeitalters will Roth, der findige Unternehmer, den Erzfeind zur Aufgabe zwingen: Und der ist immerhin kein Geringerer als Heinz Schaden, sozialdemokratischer Bürgermeister von Salzburg! Roth, 55, über Schaden, das lokalpolitische Aushängeschild der Salzburger Olympiabewerbung: Er leidet an einem extremen Minderwertigkeitskomplex, ist völlig isoliert. Für den bin ich der Übermensch gleichen Alters, der tut und lässt, was er will. Schaden, 56, zuvor über Roth, der als Strategieberater im Hintergrund die Fäden zog: Er hat nur die Hand aufgehalten.
Olympischer Sumpf
Hand aufgehalten? Schnitt, Rückblende, der Skandal um Salzburgs gescheiterte Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2014 im Schnelldurchlauf: Das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) versinkt im Millionen-Sumpf! Rund um Präsident Leo Wallner, der
dieser Tage seinen Rücktritt ankündigte, und seinen Generalsekretär Heinz Jungwirth, der bereits abdankte, wurden dubiose Geldflüsse in der Höhe von mindestens 2,4 Millionen Euro ruchbar, die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt. Im Zentrum der Affäre, in der fast täglich neue Details an die Öffentlichkeit sickern: zum einen eine angegraute, völlig überforderte ÖOC-Funktionärsriege, mit der Sportminister Norbert Darabos (SP) in seinem NEWS-Gastkommentar (siehe Heft Nr. 38/09) jetzt gnadenlos abrechnet: Das jährlich mit zwei Millionen subventionierte ÖOC gefiel sich als exklusiver Olympia-Beschickungsverein, der Sport war reine Nebensache. Und zum anderen ein Mann wie Roth. Undurchsichtig, aber eloquent. Ex-Immobilienmakler, Ex-Landwirt, Ex-Mormonenbischof, als Pfadfinder-Scoutmaster derzeit Führer der Flachgauer Ameisen. Autoritär, aber gewinnend. VP-Parteigänger aus kleinbürgerlichem Hause, weltoffen, aber wertkonservativ. Ein Mann ohne spezifische Ausbildung, aber mit sehr spezifischem Gspür. Dafür, was sich unsere Herren der Ringe so sehnlich wünschten: nach drei (!) gescheiterten Versuchen und kurz vor der Pension endlich die Winterspiele, endlich dieses heiß ersehnte Bad in der Höhensonne der Weltöffentlichkeit.
Schalmeienklänge
Mitbewerber Sotschi mit Putin & Gazprom im Hintergrund? Pyeongchang mit Hyundai? Global-Economy- und Polit-Power? Peanuts! Roth versprach unbeeindruckt ein kleines, wendiges, flexibles Konzept mit besten Chancen. Und wurde folgerichtig zum Strategieberater für die Bewerbung gepusht. So intensiv, dass nun auch sein Honorar in den Fokus des Skandals rückt: 1,17 Millionen Euro total! 90.000 Euro pro Monat! Viermal so viel wie der Kanzler! Salzburgs Bürgermeister Schaden: Er hat uns null gebracht. Null gebracht? Da sieht Roth endgültig rot! Im Gespräch mit NEWS gibt der Mann, der für uns Olympia holen sollte, erstmals zu Protokoll, was hinter den Kulissen unserer glücklosen Bewerbung so abging. Wie viel er wirklich kassierte. Und vor allem wofür. Olympia, eine österreichische Realsatire
Weil ich Österreich ja kenne, hab ich gesagt: Machts euch nicht ins Hemd, ich mache ein Cap Agreement, eine Ausgabendeckelung. 90.000 Euro, da ist alles drinnen, und wenns billiger wird, lasse ich selbstverständlich nach, und wenns teurer wird, zahl ich selbst. Es ist unterm Strich um 300.000 weniger in Rechnung gestellt worden. Wer Umsatz und Ertrag nicht auseinanderhalten kann, muss seinen Computer zuklappen und die Klappe halten. Und weiter: Im Salzburg-Engagement verdiene ich sehr schlecht. Warum? Weil die 90.000 ja nicht mein Honorar waren, sondern ich hatte ja eine ganze Latte an Lieferungen und Leistungen.
Der Schaden-Erlass
Die da waren: International Relations, nix Lobbying. Ich habe zwar Small Talk beim Frühstück gemacht, weil die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees mich kennen, aber ich war ausdrücklich kein Contacter. Ich habe geplant, wer von der Lokal- und wer von der Bundespolitik bei welchen internationalen Kongressen anwesend sein soll, die Einsatzpläne gemacht. Letzter Punkt: Der Bürgermeister der Host City Salzburg darf nie alleine reisen. Na, das ist nicht lustig angekommen, aber das habe ich festgelegt, weil es der Sache entsprechend richtig war. Stellen Sie sich vor, jemand von der Opposition will ihn linken, wie soll er sich da verteidigen? Strategisch bedeutsam auch die Schwindelzettel, die Roth für Exkanzler Gusenbauer geschrieben hat: Bei der Schlusspräsentation war mein Auftrag, für ihn, der alle IOCMitglieder in eine offene Suite zu kurzen Einzelgesprächen eingeladen hat, kurze Gesprächsleitfäden auf kleinen Sprechkarten zu erstellen. Ich saß dann vor der Suite, um zuzuhören, damit nachher keiner sagen konnte, der Bundeskanzler hätte ihm ein Briefumschlagerl zugesteckt, da muss man aufpassen. Die Karten habe ich eigenhändig geschrieben, weil ich weiß: Der eine ist ein Anwalt, der andere hat Golfhandicap null. Diese Infos musst du haben, das ist Herrschaftswissen.
Lesen Sie die ganze Geschichte um die Olympia-Bewerbung plus das Statement von Sportminister Darabos dazu im aktuellen NEWS Nr. 38/09!
