Freitag, 25. September 2009

Frank-Walter Steinmeier, der kühle Beamte:
Porträt des mächtigsten Mannes in der SPD

  • "Verlassen Sie sich drauf, die SPD wird vorne liegen"
  • "Damals ging es um Arbeit, heute geht es um Arbeit"

Für den Kanzlerkandidaten der deutschen Sozialdemokraten ist es eine Premiere. Erstmals muss Frank-Walter Steinmeier sich einer Wahl für ein politisches Amt stellen und dann will er gleich an die Spitze, als Chef der Regierung.

Das Amt des Außenministers hatte der Jurist 2005 noch der Gunst des scheidenden SPD-Kanzlers Gerhard Schröder zu verdanken, der ihn auf diesen Posten gelobt hatte. Schröder war über die Jahre hinweg sein Mentor und sein Chef gewesen. Anfangs verriet im Wahlkampf sogar der röhrende Tonfall Steinmeiers, wie eng die Beziehungen waren - der Kandidat wirkte wie eine Kopie des Ex-Kanzlers.

Doch der durch eine Krankheit früh ergraute 53-Jährige verfällt immer weniger in diese Stimmlage. Ohnehin ist Steinmeiers Stil ganz anders als der Schröders, unter dem er jahrelang wichtige Posten innehatte. Der Außenminister ist sehr viel bedächtiger, die "Basta"-Entscheidungen Schröders sind nicht seine Sache.

Aus Anfangsfehlern hat Steinmeier in diesem Wahlkampf gelernt. Er ist um Volksnähe bemüht und zeigt sich nicht nur auf den Wahlplakaten als aufmerksamer Zuhörer. Er weiß zugleich, dass er jetzt auf den Marktplätzen der Republik um Stimmen kämpfen muss.

"Die SPD wird vorne liegen"
Natürlich verbreitet Steinmeier Sieges-Zuversicht, selbst wenn die Wahl-Umfragen seit langer Zeit für ihn und seine SPD schlecht sind. "Verlassen Sie sich darauf: Die SPD wird am Wahlabend vorne liegen, und ich werde Kanzler", sagt er stets. Und in einer Fernsehsendung betonte er: "Ich möchte nicht Umfragekönig werden, sondern ich will Wahlen gewinnen."

Seinen Humor lasse er sich durch die Umfragen nicht verderben. Schon im Mai legte er in einer Talkshow als Schlagzeile für den Tag nach der Wahl fest: "Überraschung - SPD holt absolute Mehrheit."

Die Farblosigkeit abschütteln
Das wäre ein Wunder und für Steinmeier die Krönung einer ungewöhnlichen Laufbahn. Viele sehen in ihm eher einen Beamten als einen Politiker. Als er von 1999 bis 2005 unter Schröder Kanzleramts-Chef war, wurde er "seine Effizienz" genannt. Er galt als graue Eminenz, der wirksam alle Fäden in der Hand hatte. Das Farblose musste er erst einmal abschütteln, als er 2007 zusätzlich Vize-Kanzler wurde - ein gerade in der Großen Koalition wichtiges Amt.

Nach der Nominierung zum Kanzlerkandidaten vor einem Jahr war er immer wieder bestrebt, aus dem Vize-Kanzler einen Neben-Kanzler zu machen, um sich gegen Amtsinhaberin Angela Merkel zu profilieren. Er startete eigene Initiativen etwa zur Rettung von Opel.

Sich selbst und seiner Politik will Steinmeier dabei treu bleiben. So schwor er auf dem Wahl-Parteitag im Juni nicht der Reform-"Agenda 2010" ab, die er mit zu verantworten hatte und die in der SPD wegen der damit verbundenen sozialen Einschnitte nach wie vor ein Reizwort ist. "Damals ging es um Arbeit, heute geht es um Arbeit", argumentierte er. "Jede Zeit braucht ihre eigenen Antworten." Jetzt müsse es vor allem darum gehen, Arbeitsplätze in der Wirtschaftskrise zu sichern.

Frühstück ist Pflicht
Sein Privatleben versucht Steinmeier so weit wie möglich vor der Öffentlichkeit abzuschotten. Im Wahlkampf durften Reporter nur in den Garten seines Berliner Hauses, nicht in das Wohnzimmer. Seine Ehefrau Elke Büdenbender trat erst in diesem Monaten für die Öffentlichkeit sichtbar an seine Seite. Die Verwaltungsrichterin gibt ungern Auskünfte, räumt immerhin ein, dass ihr Mann morgens mit ihr und der 13-jährigen Tochter frühstücken müsse, egal wann er nach Hause kommt.

(apa/red)

25.9.2009 13:26