Angela Merkel, die kühle Analytikerin ...:
Porträt der mächtigsten Frau in Deutschland
- "Viele Entscheidungen nicht Hundert zu Null gefasst"
- "Ein schönes Gefühl: Entscheidendes zu bewegen"

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in diesem Punkt Physikerin geblieben: Sie gibt Impulse, sie greift andere Anstöße auf, sie beobachtet, was daraus wird, sie fasst zusammen, und sie entscheidet. Die 55-Jährige sagte kürzlich selbst: "Es gibt ja viele politische Entscheidungen, die sind nicht Hundert zu Null gefasst." Da müsse sie abwägen, damit sie nicht am nächsten Tag aufwache und ihr einfalle, es könne doch anders besser sein. "Und damit quäle ich mich, deshalb versuche ich, mir auch die anderen Wege vorzustellen", gestand Merkel einem Fernseh-Reporter ein. Wenn sie aber entschieden habe, gebe es "nur noch das".
Die Ostdeutsche hat auf ihrem Weg an die Spitze der Volkspartei CDU und in das Kanzleramt viel gelernt. Sie hatte dafür nur begrenzte Zeit zur Verfügung. Erst mit der Wende in der DDR und dem Fall der Mauer 1989 konnte ihr politisches Engagement beginnen.
Rasch galt sie als "Kohls Mädchen". Der damalige CDU-Kanzler Helmut Kohl hatte sie unter seine Fittiche genommen. Ihm hatte sie zunächst den Posten als Frauen- und Jugend-Ministerin, später den der Umweltministerin zu verdanken. Doch in der Spenden-Affäre Kohls Ende 1999 löste sie sich entschlossen von dem Patriarchen. Im April 2000 wurde sie erstmals zur Vorsitzenden der CDU gewählt und ließ damit alle hinter sich, die über die "Ochsentour" den Aufstieg von der Parteibasis in die Führung geschafft hatten.
Merkel als erste Ostdeutsche und als erste Frau Parteichefin der Christdemokraten seit 2005 im Amt des deutschen Bundeskanzlers - das machte damals Schlagzeilen, ist aber inzwischen selbstverständlich. Merkel hat ihre Chancen immer genutzt. Innerparteiliche Konkurrenten um die Spitzenämter muss sie nicht mehr fürchten.
Zum Schminken überredet
Merkel hat sich in den Politik-Jahren verändert, wie die Fotos dokumentieren. Anfangs weigerte sie sich lange, dem Druck der Öffentlichkeit nachzugeben und sich beispielsweise besonders zu schminken. Als Kanzlerin hat sie eine Visagistin und eine Schneiderin für die Kleidung.
"Doch ich pflege weiterhin einen sehr pragmatischen Stil", versicherte sie der Frauenzeitschrift "Emma". Die Frisur müsse zwölf Stunden und mehr halten, sie könne sich nicht alle zwei Stunden die Nase pudern lassen. "Der Zeitaufwand für diese Dinge muss sich in Grenzen halten", meint sie.
In der Männer-Welt, in der sie sich meist bewegt, trägt die Kanzlerin stets einen Hosenanzug - meist mit buntem Blazer. Der Pfarrerstochter ist es nach eigenen Worten wichtig, dass die Macht vielleicht ihren äußeren Stil, nicht aber ihre Persönlichkeit ändert. Insbesondere ihr zweiter Ehemann, der Chemie-Professor Joachim Sauer, sorge dafür, dass sie "Zugang zum Leben" habe. Sauer hält sich vom Politik-Geschäft fern.
"Schönes Gefühl: Entscheidendes zu bewegen"
Merkel macht keinen Hehl daraus, dass sie gerne Kanzlerin ist und bleiben will. "Das ist ein schönes Gefühl: Entscheidendes zu bewegen", sagte sie in einem der vielen Interviews während des Wahlkampfes. "Es ist ein schönes, zum Teil auch sehr ernstes Amt, weil man schwierige Entscheidungen treffen muss. Aber es ist ausfüllend und spannend."
Merkel wird in der Partei und in der CDU/CSU-Fraktion gerne "Mutti" genannt. Sie scheint nichts dagegen zu haben. Eigene Kinder hat sie nicht.
Könnten die Deutschen sie direkt wählen, hätte ihr SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier keine Chance. Als sie sich 2005 nach einem heftigen Wahlkampf gegen den sozialdemokratischen Kanzler Gerhard Schröder durchsetzte, hatten ihr viele zunächst das Amt nicht zugetraut.
(apa/red)
