"Aktenzeichen"-Star Zimmermann ist tot:
Moderator verstarb 80-jährig in München
- Brachte das reale Verbrechen live in die Wohnzimmer
- 1997 gab der Deutsche die Sendungs-Moderation ab

Eduard Zimmermann, Vater des Fernseh-Klassikers "Aktenzeichen XY... ungelöst", ist tot. Er starb am Samstag in einer Münchner Seniorenresidenz im Alter von 80 Jahren. "XY" brachte das reale Verbrechen live in die Wohnzimmer und lockte ein Millionen-Publikum vor die Bildschirme. "Mein Vater hat immer selbstbestimmt gelebt und in den letzten Stunden deutlich gezeigt, dass es jetzt gut und der richtige Zeitpunkt gekommen ist", sagte Eduard Zimmermanns Tochter Sabine.
Der letzte öffentliche Auftritt von Zimmermann, der seit Bestehen seiner Sendung immer "Ganoven-Ede" genannt wurde und auch lange durch das Magazin "Vorsicht Falle" führte, war am 10. Mai 2007 bei einem Fest rund um die 400. Ausgabe seines Kriminalmagazins. Danach zog er von seinem Wohnsitz in der Schweiz nach München. Seitdem wurde er zusehends dement und schwächer. Die Beerdigung soll im engsten Familienkreis stattfinden.
"Pionier des Realitätsfernsehens"
ZDF-Intendant Markus Schächter würdigte Zimmermann als einen Pionier des Realitätsfernsehens in Deutschland. Zimmermann habe die Möglichkeiten des Fernsehens für die Verbrechensbekämpfung früh erkannt und konsequent eingesetzt. "Dabei hat er seine Werteorientierung zum Maßstab seiner Arbeit gemacht", sagte Schächter. Mit Bedauern reagierte auch ORF-Pressesprecher Pius Strobl, der Eduard Zimmermann als "großen Pionier des deutschsprachigen Fernsehens" bezeichnete.
Vor mehr als 40 Jahren, 1967, ging mit "XY" erstmals via Fernsehen auf Gangsterjagd und schuf damit den Vorläufer späterer Reality-Shows. Ein Millionen-Publikum saß vor den Bildschirmen, wenn er mit den Worten "Guten Abend, verehrte Zuschauer" die Fernseh-Fahndung eröffnete. Ab 1968 entstand die Sendung in Zusammenarbeit mit dem ORF und dem Schweizer Fernsehen. Als Zimmermann 1997 die Moderation abgab, übernahm der Hamburger Anwalt Butz Peters die Sendung, 2002 folgte Sportreporter Rudi Cerne. Bis heute wurden rund 3.900 Fälle behandelt und mehr als 1.600 aufgeklärt - eine Erfolgsquote von mehr als 40 Prozent.
Seine Journalistenkarriere begann der am 4. Februar 1929 in München geborene Zimmermann in den Nachkriegsjahren in Schweden. Bei einer Recherche-Reise wurde er 1949 in der Sowjetzone verhaftet und wegen Spionage zu 25 Jahre Zwangsarbeit in Bautzen verurteilt. Seine vorzeitige Entlassung aus der Haft 1954 habe er als "zweiten Geburtstag" gefeiert, sagte er später. Zimmermann ging nach Hamburg und arbeitete für den NDR und das ZDF.
Zahlreiche Auszeichnungen
Neben "XY" berichtete Zimmermann mehr als 30 Jahre lang in "Vorsicht Falle" über "Nepper, Schlepper, Bauernfänger". Die Reihe "Verbrechen, die Geschichte machten" konnte in den 1990er Jahren bei Sat.1 allerdings keine vergleichbaren Erfolge verbuchen. Seit Mitte der 70er setzte Zimmermann seine Popularität auch ein, um mit dem von ihm gegründeten Weißen Ring Verbrechensopfern zu helfen. "Ich werte es als großen Erfolg, dass sich heute wesentlich mehr um Verbrechensopfer gekümmert wird", sagte Zimmermann, der zahlreiche Preise und Auszeichnungen vom "Bundesverdienstkreuz I. Klasse" über den "Bayerischen Verdienstorden" und die "Goldene Kamera" bis zum "Adolf-Grimme-Preis" erhielt, zu seinem 70. Geburtstag.
(apa/red)
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