Ritsch bleibt trotz rotem Wahldesaster:
"Gegenwind aus Wien" schuld am Debakel?
- Soll weiterhin Chef der "SPÖ-"Ländle"-Partei bleiben
- Freiheitliche hoffen auf eine Regierungsbeteiligung
·Kräuter: "Im Ländle ticken Uhren anders"
SP-Geschäftsführer über Wahldebakel der Roten
·Vorarlbergs Politiker geben ihre Stimme ab
BILDER: Sausgruber, Egger & Co. an den Urnen
·Ritsch: Der neue Minusmann der SPÖ
Vier Jahre zuvor galt
er als Hoffnungsträger

Am Tag nach der Wahl ist in Vorarlberg bereits die erste der beiden nach dem Urnengang offenen relevanten Fragen beantwortet worden: Michael Ritsch bleibt trotz des Desasters am Wahlsonntag Landesparteivorsitzender der Ländle-Sozialdemokraten. Ritsch wurde im Parteivorstand weiter das Vertrauen ausgesprochen. Die Frage nach der Regierungszusammensetzung wird noch einige Tage unbeantwortet bleiben.
Ritsch machte die Bundespartei als Hauptschuldige an der Wahlschlappe aus. Rückenwind aus Wien gebe es laut Ritsch nicht, ganz im Gegenteil. Man müsse sich nur die Ergebnisse bei den letzten Landtagswahlen und bei der EU-Wahl ansehen. Der Vorarlberger Landesparteivorsitzende bemängelte weiters, dass man in der Ausländerfrage keine klare Linie vorgegeben habe. Dies werde sich künftig ändern, versicherte Ritsch. Einen Schritt nach rechts werde es dabei aber "sicher nicht" geben.
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Kräuter hatte für die Aussagen seiner Vorarlberger Kollegen allerdings kein Verständnis. Er konnte zwar "Frustration und Enttäuschung" nachvollziehen, die Vorarlberger sollten aber in ihrer Analyse Fehler auch im eigenen Bereich suchen und keine vorschnellen Schlüsse ziehen, empfahl er.
Ritsch stellte die Frage in den Raum, "ob der Kuschelkurs mit der ÖVP das Richtige ist." Man müsse dem Phänomen entgegnen, dass die Volkspartei mit ihrem Nein-Sagen auch noch erfolgreich sei.
Freiheitliche hoffen auf Regierungsbeteiligung
In Sachen Vorarlberger Landesregierung machen sich die Freiheitlichen trotz der Absage von Landeshauptmann Sausgruber weiter Hoffnungen auf eine Koalition mit der ÖVP, realistisch scheint dies nach allgemeiner Beobachter-Meinung aber nicht. Infrage kommende Möglichkeiten sind eine Alleinregierung der ÖVP oder ein schwarz-grünes Bündnis.
Das endgültige amtliche Endergebnis wird zwar erst nächsten Montag nach der Auszählung der Briefwahlkarten feststehen, an der Mandatsverteilung - ÖVP 20, FPÖ 9, Grüne 4, SPÖ 3 - dürfte sich aber nichts mehr ändern. Bereits fix ist, dass durch den Ausgang der Vorarlberger Landtagswahl die ÖVP stärkste Kraft im Bundesrat ist.
(apa/red)
