Der Herausforderer, der links überholen will: Haider will Pühringer vomThron stoßen
- Erklärtes Wahlziel der SPÖ: Stimmenstärkste Partei
- Kurzporträt: Das Leben des roten Spitzenkandidaten

Der oberösterreichische SP-Vorsitzende Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider ist bei der Landtagswahl in der Herausforderer-Rolle. Seine SPÖ soll die ÖVP überholen und stimmenstärkste Partei werden, dann will er auch den Anspruch auf den Landeshauptmann-Sessel erheben. Das ist das erklärte Wahlziel von Haider, der als überzeugter Sozialdemokrat das Überholmanöver über links versucht.
Der SP-Chef in Oberösterreich hat ein Gespür für Themen, die die Menschen bewegen. "Sozial, sicher, gerecht" ist sein Motto. Die Schwarz-Blaue- und später Schwarz-Orange-Koalition war ihm ein guter Reibebaum. So trat er als vehementer Kritiker der voestalpine-Privatisierung und des "Ausverkaufs" von anderen Staatsbetrieben, sowie einer "Zusperrwelle" bei Bezirksgerichten, Postämtern, Gendarmerieposten und Krankenhäusern auf und initiierte ein Volksbegehren gegen die Pensionsreform, die er "Pensionsraub" nannte. Das brachte der SPÖ in Oberösterreich wieder in die politische Gewinnzone, bei der Landtagswahl 2003 schaffte er einen Stimmenzuwachs im zweistelligen Prozentpunktebereich.
Damals 2003
Dennoch ging er bei den anschließenden Parteienverhandlungen leer aus. Die ÖVP und die Grünen schlossen eine in Österreich bis dahin einmalige Vereinbarung über eine Zusammenarbeit im Landtag und in der Landesregierung. Haider wird nicht müde, ihr Versagen und Stillstand im Lande vorzuwerfen. Seine politischen Manöver werden von den Mitbewerbern als populistische Politik kritisiert. Sie legen ihm immer wieder eine Vergiftung des Klimas in Oberösterreich zur Last.
Auch auf Bundesebene nicht zimperlich
Aber auch bei der eigenen Partei ist er nicht zimperlich. Im Bundesparteivorstand stimmte er gegen die Bildung der Rot-Schwarzen Koalition mit Gusenbauer und Molterer an der Spitze. Er beharrte auf der Einhaltung von Wahlversprechen, beispielsweise Ausstieg aus dem Eurofightervertrag, Abschaffung der Studiengebühren sowie Steuerreform und forderte als erster SP-Spitzenpolitiker eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag. Bei der Neuauflage der Koalition unter Faymann und Pröll wurde er schon als Minister gehandelt, lehnte aber ab. Er wolle lieber Politik für die Oberösterreicher machen, lautet seine Begründung für diese Entscheidung.
Sein Leben
Seine politische Laufbahn startete Haider 1977 als Organisationsreferent der SPÖ Oberösterreich. 1983 wurde er SPÖ-Bezirksparteisekretär in Linz und zwei Jahre später Gemeinderat. Im Herbst 1993 wurde Haider in den Linzer Stadtsenat gewählt, wo er unter anderem für den Umweltschutz zuständig war. Im Februar 1997 wurde Haider als Mitglied der oberösterreichischen Landesregierung angelobt, er trat an den Platz von Barbara Prammer, die damals die Funktion der Frauenministerin übernahm.
Im Juni 1998 folgte er Fritz Hochmair als SPÖ-Chef in Oberösterreich nach, am 11. Mai 2000 auch als Landeshauptmann-Stellvertreter. Unter anderem ist Haider jetzt zuständig für Verkehr, Naturschutz und Arbeitnehmerförderung. Seit April des selben Jahres ist er stellvertretender Bundesparteivorsitzender der SPÖ.
Haider, als Sohn eines Bauarbeiters am 13. Jänner 1957 in Ried in der Riedmark im Bezirk Perg geboren, durfte als einziges der Kinder das Gymnasium in Linz besuchen. Danach absolvierte Haider ein Informatikstudium an der Kepler Universität. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Zu seinen Hobbys zählen Radfahren, Fußball, Tischtennis und Schwimmen. Er schwört auf Hausmannskost.
(apa/red)
