Regierungssitz mit Ach und Krach gehalten: Anschober erneut in Koalition mit der ÖVP?
- Ein Vorzeigebeispiel grüner Regierungsbeteiligung
- Selbstbeschreibung: "Beherrsche Eigenvermarktung"

Rudi Anschober musste um seinen grünen Sessel in der oberösterreichischen Landesregierung kurzzeitig zittern, doch mit 9,18 Prozent wurde der grüne Landesregierungssitz in Oberösterreich nach der Landtagswahl schließlich doch, wenn auch mit Ach und Krach, gehalten. Ob der Grüne-Spitzenkandidat beim Wiedereinzug in die Regierung auch in einer Koalition mit der ÖVP weiterarbeiten wird, ist noch offen. Landeshauptmann Josef Pühringer wollte sich nicht festlegen.
Die Grünen zeigen gerne auf den 48-Jährigen als Vorzeigebeispiel für Regierungsbeteiligung und hoffen, dass die Koalition mit grüner Beteiligung in Oberösterreich auch in anderen Ländern Schule machen würde. Anschober scheint sich in der Zusammenarbeit mit der ÖVP auch gut eingelebt zu haben.
Vor der Wahl 2003 warb Anschober mit einem grünen Sessel - er sollte symbolisieren, dass die Grünen so stark werden wollen, dass ihnen ein Landesrats-Sessel in der Proporz-Landesregierung zusteht. Das gelang, die Grünen überholten zudem die FPÖ. Der Wahl folgten schwierige Regierungsverhandlungen, die mit dem österreichweit einmaligen Experiment einer schwarz-grünen Zusammenarbeit endeten.
Verlust des dritten Platzes
Bisher konnte Anschober in Oberösterreich einen Aufwärtstrend für die Grünen vorweisen. Das jetzige Ergebnis bedeutet zwar eine weitere Steigerung - allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Außerdem musste die Ökopartei den dritten Platz wieder an die FPÖ abgeben.
Das mag vielleicht an der allgemeinen Stagnation der Grünen liegen, Anschober ist aber auch kein Mann der Masse. Als volksnahe kann er nicht bezeichnet werden, ihm wird eher eine gewisse Eitelkeit attestiert. Aber auch Wehleidigkeit sagt man ihm nach. Über sich selbst sagte er: "Eigenvermarktung beherrsche ich, weil ich gelernter Journalist bin." Als kleines Kind wollte er Indianer werden und später Profifußballer. Bei Wahlgängen pflanzt der Hobby-Gärtner, der mit seiner Partnerin zusammenlebt, das Paar hat keine Kinder, Bäume in seinem Garten. Die Lieblingsspeisen des gelernten Volksschullehrers sind "Selbstgekochtes aus Bio-Zutaten".
In die Politik kam Anschober über sein Anti-Temelin-Engagement. 1986 wurde der am 21. November 1960 geborene Welser Sprecher der Grünen Alternative Oberösterreich. 1990 wechselte er nach Wien in den Nationalrat, wo er sich als Umwelt- und Anti-Atom-Kämpfer profilierte. Nach der Wahl 1997 ging er zurück nach Oberösterreich, wo er seit 1997 Landtagsabgeordneter und Klubobmann war - und 2003 Umweltlandesrat wurde.
(apa/red)
