Nach den Todesschüssen im Supermarkt:
Jugendliche stellten unangenehme Fragen
- Großes Unverständnis über Vorgehen der Exekutive
- Einigkeit: "Die Polizei kann die Probleme nicht lösen"

·Krems: Gutachten bis Ende September fertig
Subjektive Beurteilung der Lichtverhältnisse
·Streit um Sicht bei Kremser Schüssen
Wie gut hat der Polizist den Einbrecher gesehen?
Der tödliche Schuss auf einen 14-jährigen mutmaßlichen Einbrecher durch die Polizei in Krems sorgt auch nach über einem Monat noch für Diskussionen. Nach wie vor sind die genauen Umstände des Vorfalls unklar, der 17-jährige mutmaßliche Mittäter befindet sich weiterhin in U-Haft und die beiden Polizeibeamten versehen ihren Dienst - genug Stoff für kritische Fragen von Jugendlichen bei einer Podiumsdiskussion der Sozialistischen Jugend mit Anton Schmid von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien und Hermann Wally, Vorsitzendem der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG)-Polizei, in Wien.
Kritik an den Ermittlungen - u.a. dass der durch Oberschenkeldurchschüsse verletzte 17-jährige sich in U-Haft befindet und schon am Tag nach dem Vorfall vernommen wurde, während die Beamten tagelang als nicht vernehmungsfähig galten und mittlerweile wieder im Dienst stehen, wollte Wally nicht geltenlassen: "Die (Polizisten, Anm.) haben ja nix angestellt, außer dass dieser Vorfall passiert ist", meinte er und löste so bei den Zuhörern einige Verwunderung aus. Außerdem seien die Polizisten sehr wohl befragt worden, sonst hätte es schließlich keine Informationen und Zusammenhänge zum Geschehen gegeben.
Dem Vorschlag einiger junger Leute, Streifenpolizisten nicht mehr zu bewaffnen um solche Unfälle zu vermeiden, konnten aus Gründen der Sicherheit weder der Anwalt noch der Polizist etwas abgewinnen. Schüsse auf Einbrecher rechtfertigte Wally damit, dass Polizisten gesetzlich dazu verpflichtet seien, Eigentum zu schützen. An diesem Punkt widersprach ihm Schmid: Schießen nur wegen Eigentums sei nicht sinnvoll. Der Anwalt forderte daher, das Waffengebrauchsgesetz, das aus dem Jahr 1969 stammt, zu revidieren.
Nicht "für zwei Orangen" eingebrochen
Auch das Motiv der jugendlichen Einbrecher gab den Diskussionsteilnehmern Anlass zu Spekulation und Analyse. Ein Bursch machte die Herkunft der beiden Jugendlichen und daraus resultierende, nicht erfüllte Bedürfnisse, die es zu stillen galt, verantwortlich und stieß dabei auf einigen Widerspruch. "Die sind doch nicht in den Merkur eingestiegen, um zwei Orangen zu stehlen", entgegnete Schmid. Bei solchen Taten gehe es um Mut und Anerkennung.
Viele kriminelle Jugendliche würden ab einem Alter von 22 bis 25 Jahren keine Straftaten mehr verüben, betonte er. Auch dass die Jugendkriminalität steige, stimme nicht - es würden lediglich mehr Straftaten von jungen Leuten bekannt. Wie solche zu verhindern seien, blieb allerdings weiter ein Rätsel. "Fest steht, die Polizei kann die Probleme nicht lösen, das liegt an der Politik und der Gesellschaft", beschied Wally.
(apa/red)
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