Donnerstag, 17. September 2009

Wie soll die Zukunft des ORF aussehen? Parteien fordern ein starkes duales System

  • Uneinigkeit herrscht bei Frage nach der Finanzierung
  • Debatte im Nationalrat bringt wenig Neues zu Tage

Wenig Neues und vor allem keine konkreten Hinweise auf die geplanten Änderungen im ORF-Gesetz hat die Parlamentsenquete zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich geboten. Parteienvertreter, Medienveranstalter und Experten tauschten vor allem altbekannte Standpunkte aus, während vor dem Parlament ein Grüppchen der Initiative "Pro ORF" für "Qualität statt Proporz" demonstrierte. In ihren Ansagen zu Details des neuen ORF-Gesetzes, das bis Mitte Dezember stehen soll, blieben die Regierungsvertreter vage.

SPÖ-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer sprach sich einmal mehr für eine Refundierung der Gebührenbefreiungen aus und kam damit einem wiederholt geäußerten Wunsch der ORF-Geschäftsführung nach. Ostermayer will die Refundierung allerdings an die Forderung nach mehr österreichischem Content und Film im ORF koppeln. ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf plädierte für einen "starken, unabhängigen ORF" sowie "noch zu stärkende Privatsender". Aufhorchen ließ Kopf am Rande der Enquete mit dem Vorschlag, den ORF-Aufsichtsrat nach dem Vorbild der ÖIAG zu bestellen, was von der SPÖ prompt abgelehnt wurde.

Die FPÖ kritisierte den hohen Anteil an zugekauften internationalen Serien und wünschte sich mehr qualitativ wertvolles Programm. Das BZÖ wiederholte seine Forderung nach einer Privatisierung von ORF 1, und die Grünen lobten die redaktionelle Unabhängigkeit des ORF. Allen Parteien gemeinsam war die Forderung nach einem starken dualen System, in dem sowohl der ORF als auch die Privatsender genügend Platz finden. Bei der Frage nach der Finanzierung des ORF gingen die Meinungen dann schon wieder auseinander.

Klare Fronten
Klare Fronten gab es unter den anwesenden Medienveranstaltern. Die Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender machten sich für starke öffentlich-rechtliche Angebote und die Möglichkeit zur Ausbreitung auf allen Kanälen und Plattformen stark. Die Proponenten der Privatsender wünschten sich indes auf ihren Kernauftrag reduzierte öffentlich-rechtliche Anstalten - mit Beschränkungen im Werbe- und Online-Bereich.

So hält ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz den Erhalt des ORF in seiner aktuellen Größe und die entsprechende finanzielle Absicherung des öffentlich-rechtlichen Angebots für das oberste Gebot. "Das heimische Publikum erwartet eine starke, zuverlässige Stimme Österreichs in der digitalisierten Welt." Die Finanzierung aus Gebühren und Werbung gelte es aufrechtzuerhalten. Eine Beschränkung der ORF-Werbung würde lediglich zum Anstieg der Einkommen der deutschen Werbefenster führen. Freilich müsse der ORF "deutlichen Sparwillen zeigen und die Einsparungsbemühungen transparent machen", so Wrabetz. Zur Absicherung des ORF müsste aber auch das Problem der Refundierung der Gebührenbefreiungen gelöst werden.

Horst Pirker, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), betonte, dass das ORF-Programm komplementär zu bestehenden Angeboten sein müsse. Staatliche Beihilfen für "more of the same" einzusetzen, sei wettbewerbsverzerrend und ein klarer Missbrauch staatlicher Macht. Christian Stögmüller vom Verband österreichischer Privatsender warnte davor, dem ORF weitere Möglichkeiten einzuräumen. "Ein Supertanker, der voll ist, und versucht, weiter aufzuladen, droht zu sinken." Der ORF müsse einen klar definierten öffentlich-rechtlichen Auftrag auferlegt bekommen und werbefrei sein. "Eine werbefreie Prime Time ist auf Sicht europäische Realität", sagte Stögmüller.

(apa/red)

17.9.2009 15:55
hary1965, 17. 09. '09 09:35
Die Gebührenzahler sollen entscheiden
Der ORF ist in seiner Form ein Überbleibsten der Kommunisten Regime und eine Zwangsinstrument dass sich Politiker sogar in die EU gerettet haben. Hier können sie sich sich ihre Existenzen absichern und lassen es sich Zwangsbezahlen. Die Spitze, ORF nahe Leute argumentieren mit Umfragen und Ergebnisse und Fragen die sie interpredieren nach Gutdünken, dass die Menschen es so ja wollen. Eine Umfrage wollen sie Zwangsgebühren wenn sie so ein Kasterl haben? hätte wahrscheinlich ein anereres Ergebnis. Das Argument mit der Österreichischen Identität, ganz einfach wer dies unbedingt in einen gemeinsamen Europa braucht soll es selbst bezahlen, und jeder soll sich aussuchen dürfen welche Sender und Identität er bracht und haben will und nicht gezwungen ORF Privilegien zu finanzieren
Marc99, 17. 09. '09 07:36
Der Iststand ist die schlechteste Lösung
Der Idealzustand wäre ein absolut werbefreier ORF, eventuell auch mit höheren Gebühren, das Ganze aber nur mehr auf Basis eines verschlüsselten Pay-TV womit natürlich die Zwangsgebühren abgeschafft gehören. Wer dann den ORF will soll dafür bezahlen und nicht jeder, der einen Fernseher hat.
irgendwer01, 17. 09. '09 08:07
Re: Der Iststand ist die schlechteste Lösung
Richtig !

Abschaffung der GIS - oberstes Gebot !
Kann sich meiner meinung aber auch über Werbung finanzieren - egal.

Der ORF sollte außerdem wirtschaften lernen. Zu viele unnötige Ausgaben.

Für was bezahlt er Millionen für internationalen Fußball? Jetzt überträgt er trotzdem gar nix aus der Europa League.
Als wenn ein österreichischer Verein laufend in die CL einziehen würde.
Vasant, 18. 09. '09 09:19
Fakten zu GIS
Die Forderung ist nach Abschaffung oder Änderung der GIS
ist natürlich für alle interessant, aber es ist ein Irrglaube,
dass man diese Gebühren "nur" für den ORF zahlt!

GIS zahlst auch für z.B. deinen Autoradioempfang usw.

Fakt ist, dass die GIS im letzten Jahr 3.403.407 Teilnehmer
verzeichnete, wobei jeder davon pro Jahr € 182,16 Euro an
den ORF gezahlt hat! Macht in Summe: € 619.964.619,12
pro Jahr!!!

Und das sind ja nicht die einzigen Einnahmen die man mit
Fernsehen in Österreich macht, also wie kann ein ORF mit
solchen Summen nun so eine Fehlwirtschaft betreiben?

Und die super Idee den Ober-Proleten Heinzl nun als
Dumping Maßnahmen den Zusehern reinzudrücken ist
wohl auch eher eine Sparmaßnahme;)