Schubhäftling nach Hungerstreik gestorben:
Inder in Gefängnis zusammengebrochen
- Der Amtsarzt hatte ihn noch am Vortag untersucht
- Obduktion soll nun genaue Todesursache feststellen

·Zwischenfälle in Schubhaft nicht selten
Hungerstreik, Selbstmord
und "Amtshandlungen"
·Hungerstreik als ein
Mittel des Widerstands
Ab drei bis vier Wochen
wird es wirklich gefährlich
·Leoben verweigert das Schubhaftzentrum
Man ist doch lieber eine
Einkaufs- & Wohlfühlstadt
·Schubhaft: Amnesty übt Kritik an Beratung
Patzelt: 'Das ist kein Weg
Richtung Menschenrechte'
Der 20-jährige indische Schubhäftling Gaganpreet Singh K. ist im Wiener Polizeianhaltezentrum Hernalser Gürtel nach mehr als einmonatigem Hungerstreik gestorben. Ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen Hungerstreik und Tod konnte nach "derzeitigen ärztlichen Erkenntnissen" nicht gefunden werden, so die Polizei. Eine Obduktion im Laufe dieser Woche soll Klärung bringen.
Am Montag um 7.15 Uhr hatten die Mithäftlinge Alarm geschlagen, dass der 20-Jährige zusammengebrochen war. Der Amtsarzt sei sofort erschienen, auch ein Notarzt wurde verständigt, so Golob. Reanimationsversuche blieben erfolglos. Um 6.15 Uhr war der Verstorbene laut Jochen Rausch, stellvertretender Chefarzt des Innenministerium, noch munter und ansprechbar.
Keine eindeutige Todesursache
"Anhand der eingesehenen und vorliegenden Krankenkartei und Befunde lässt sich vom derzeitigen medizinischen Standpunkt keine eindeutige Todesursache feststellen", sagte Oberst Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums. "Der Hungerstreik verlief an sich komplikationsfrei", betonte Jochen Rausch, stellvertretender Chefarzt des Innenministeriums. Gaganpreet Singh K. habe laut den medizinischen Akten nach mehreren Wochen Gewichtsreduktion über einige Tage hinweg insgesamt sogar drei Kilo zugenommen.
Der Fall löste zahlreiche Reaktionen aus. Innenministerin Fekter bedauerte den Tod des 20-Jährigen. Der Menschenrechtsbeirat sei bereits informiert. Zwangsernährung sei nicht angeordnet worden, da diese in Österreich nicht erlaubt sei, erläuterte die Ministerin. Heftige Kritik kam hingegen von den Grünen und NGOs. "Die Liste dieser Vorfälle wird immer länger", sagte die Grüne Menschenrechtssprecherin Alev Korun.
70 bis 80 Personen haben sich am Montagabend zu einer unangemeldeten Kundgebung rund um das Wiener Polizeianhaltezentrum Hernalser Gürtel versammelt. Von 18.20 bis 20.00 Uhr protestierte die Gruppe friedlich gegen den Todesfall, teilte die Polizei mit.
(apa/red)
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