Wehrmachts-Deserteure oftmals Mörder?
'Strache stellt sich in Tradition von Altnazis'
- Studie widerspricht Aussage des freiheitlichen Chefs
- Prammer zu Strache: 'Habe nichts anderes erwartet'
Grüne fordern von Bundesregierung schnell Klarheit

Waren Wehrmachtsdeserteure oftmals Mörder? Die Aussage von FPÖ-Obmann Strache scheint keineswegs fundiert zu sein. Laut einer Studie von Walter Manoschek waren bei gerade fünf von 1.300 untersuchten Fällen von Desertion Gewaltanwendung im Spiel. "Strache stellt sich mit seiner Argumentation in die Tradition von Altnazis", stellte der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser dazu fest.
Manoschek, Professor am Wiener Institut für Staatswissenschaft, erstellte im Auftrag des Wissenschaftsministeriums im Jahr 2003 die Studie "Opfer der NS-Militärjustiz". Das Ergebnis: Von rund 1.300 Fällen der Desertion konnten in genau fünf Fällen Gewaltanwendung festgestellt werden. Das entspricht einem Anteil von 0,4 Prozent.
Steinhauser wirft in diesem Zusammenhang dem freiheitlichen Chef vor, entweder wenig informiert zu sein betreffend historischen Tatsachen oder Fakten einfach zu ignorieren. In der Wehrmachts-Debatte fordert er von den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, "schnell Klarheit" zu schaffen.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer antwortete am Sonntag auf Straches Aussagen, sie habe sich von ihm "nichts anderes erwartet". In den nächsten Tagen will sie Gespräche mit der ÖVP und den Grünen über die Rehabilitierung von Wehrmachts-Deserteuren führen.
(red)
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