Mittwoch, 9. September 2009

Ein Überflieger mit viel Charme und Witz:
Lufthansa-Boss Mayrhuber im NEWS-Porträt

  • Topmanager erntet lobende Worte von allen Seiten
  • "Grader Michl" konnte sich im Ausland durchsetzen

Es klingt wie eine im Nachhinein zusammengebastelte rührselige Sage: Wolfgang Mayrhuber hat angeblich bereits als Kind mit seinem Cousin Paul im familieneigenen Wirtshaus Mayrhuber mit Papierfliegern gespielt und dabei den Traum vom Piloten geträumt. Dass er bei den Austrian Airlines (AUA) abgewiesen wurde, hat ihn nur noch ehrgeiziger gemacht. Schließlich setzte er in Deutschland zur Landung an, wo er es zum Chefpiloten der Lufthansa brachte. Und als solcher hat er nun die AUA übernommen. Mit dieser Übernahme sind die Deutschen zur größten Airline Europas geworden. Besser könnte der Lufthansa-Boss aus Oberösterreich sein Lebenswerk nicht krönen.

Für den amtierenden AUA-Vorstand Andreas Bierwirth, der aus dem Lufthansa-Konzern stammt, ist Mayrhuber „der Beweis dafür, dass österreichischer Charme sehr durchschlagskräftig sein kann.“

Heimat bist du großer Söhne. Dass Mayrhuber trotz seines steilen Aufstieges nie abgehoben agiert, liegt wohl zum Teil an seiner Herkunft. Hineingeboren wurde Wolfgang Mayrhuber, jetzt 62 Jahre alt und einen Meter und knapp 90 Zentimeter groß, in ein von unzähligen Feldern umgebenes Dörfchen namens Waizenkirchen in Oberösterreich.

Alle Stationen
Sein erster Job: Triebwerksinstandhaltung in Hamburg. Dann durchlief er beinahe alle Führungsebenen sämtlicher Geschäftsbereiche der Technik. 1992 wurde er Chef der Technischen Direktion. Kurz darauf leitete er das Lufthansa- Sanierungsteam. Da er diese Aufgaben mit Bravour erledigte, wurde er im Oktober 1994 Chef der Lufthansa Technik AG. Letztlich wurde er am 1. Januar 2001 zum Vorstand ernannt, und am 18. Juni 2003 trat er sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG an. Der deutsche Luftfahrtsriese steckte gerade in einer tiefen Krise. Aus dieser manövrierte aber Mayrhuber den Kranich (das Markenzeichen der Lufthansa) souverän heraus. Er zimmerte eine vorbildlich geführte und Gewinn bringende Company.

Größte Airline Europas
Mit der nunmehrigen Ehe zwischen AUA und Lufthansa stieg der germanische Carrier zu Europas größter Fluggesellschaft auf. Nun hoffen alle auf eine rasche AUA-Sanierung, wie es etwa bei der Swiss gelang. Insgesamt beschäftigt der Konzern 113.000 Mitarbeiter. Der Umsatz beträgt 28 Milliarden Euro. Und im Vorjahr wurden rund 100 Millionen Menschen mit Flugzeugen des Lufthansa-Konzerns bewegt.

Trotz des Gigantismus hat Mayrhuber, der all dies verantwortet, beim Überflug nicht an Bodenhaftung verloren. Niki „nazionale“ Lauda, bald Neo-Papa von Zwillingen, kennt Mayrhuber schon seit über zehn Jahren. „Er ist ein absolut grader Michl. Er sagt, was ihm passt und was ihm nicht passt. Er ist freundlich, und er kann vor allem sehr viel. Sein Zahlengedächtnis ist phänomenal. Er hat alle Zahlen, die er braucht, in der Sekunde parat.“

Ein Nicht-Jedermann
Und fest steht, dass Mayrhuber danach aus Deutschland wieder nach Österreich zieht. Hier wird er zwischen Salzburg, wo er bereits eine Wohnung mit Blick auf die Festung gekauft hat, und Vorderstoder, wo er mitten im Skigebiet ein kleines Bauernhaus sein Eigen nennt, pendeln. In der Heimat kann er auch wieder seinen breiten oberösterreichischen Dialekt hervorholen, der ihn noch sympathischer macht. Und da ist sie auch wieder: die Sage, die unglaubwürdig klingt. Sind nicht irgendwie alle Manager von Profitgier gesteuert? Braucht es nicht harte Ellbogentechnik, um in diesen lichten Höhen zu überstehen? Hier scheint einer das Gegenteil zu leben.

Lesen Sie im NEWS 37/09, warum Mayrhuber mit der Lufthansa verheiratet ist!

9.9.2009 15:06