Neues Siegergesicht erklimmt Tennisthron:
Argentinier Del Potro besiegt Roger Federer
- Schweizer verpasst sechsten US Open-Titel in Folge
- Packendes Finale ging über 5 Sätze und 4 Stunden

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Mit knapp 21 Jahren hat der Argentinier Juan Martin del Potro erstmals seinen Namen in die Siegertafel eines Grand-Slam-Turniers gehämmert. Vor den Fähigkeiten des Tennisprofis mit den unglaublich wuchtigen Grundlinienschlägen musste im Endspiel in Flushing Meadows auch der Schweizer Seriensieger Roger Federer kapitulieren, der zahlreiche Chancen ausließ. Del Potro, zuvor Bezwinger der ÖTV-Spieler Jürgen Melzer und Daniel Köllerer, sprach nach dem 3:6,7:6(5),4:6,7:6(4),6:2 vom "schönsten Gefühl meines Lebens".
Mit dem Kitzbühel-Sieger des Vorjahres jubelten auch Guillermo Vilas, der zuvor einzige argentinische Gewinner der US Open, im vollbesetzten Arthur-Ashe-Stadion sowie tausende Fans in Del Potros Heimatstadt Tandil. Als er nach dem vierstündigen Match den silbernen Pokal in Händen hielt, vermochte Del Potro die Tränen nicht zurückzuhalten. "Es ist unglaublich, mir fehlen die Worte, ich will jetzt diesen Moment nur genießen."
Del Potro erhielt für seinen dritten Saisonsieg einen Scheck über 1,6 Millionen Dollar, zusätzlich 250.000 Dollar für Platz drei in der US-Turnierserie und ein Luxusauto des Sponsors. Doch der 1,98-m-Hüne, der nach einem Winner mit den Zuschauern abklatschte, blieb auf dem Boden. Auf die Frage, was er sich nun kaufen werde, meinte Del Potro: "Vielleicht eine Topfentorte zu meinem Geburtstag am Mittwoch nächster Woche."
Enttäuschter Federer
Federer war enttäuscht über den verpassten 16. Grand-Slam-Titel, doch im schönsten Jahr seines bisherigen Lebens gab er sich gelassen. "Es war ein sagenhaftes Jahr mit der Heirat und der Geburt unserer wunderbaren Töchter. Ich stand in vier Grand-Slam-Finals, habe in Roland Garros und Wimbledon gewonnen. Was will ich mehr?", sagte der entthronte Champion der vergangenen fünf Jahre.
Doch er wusste, dass er auch diesmal hätte gewinnen können. "Im zweiten Satz habe ich gedacht: Okay, ich habe ihn unter Kontrolle. Das war wohl mein Problem", erkannte der Weltranglisten-Erste, der bei 6:3,5:4 und 30:0 auf den zweiten Satz serviert hatte. Doch Del Potro rettete sich ins Tiebreak, das er so wie auch im vierten Set für sich entschied. Zuvor hatten Federer bei 5:4,30:15 und Aufschlag Del Potro nur noch zwei Punkte zum Sieg gefehlt. Doch der Davis-Cup-Finalist von 2008 konterte und ließ seinem Gegner im Entscheidungssatz so wenig Chancen wie dem Spanier Rafael Nadal im Halbfinale.
Die Zahlen legten die Mängel Federers offen. Der 28-Jährige hatte 22 Breakbälle, nützte aber nur fünf, beging 62 unerzwungene Fehler (sein Gegner allerdings auch 60) und schaffte nur eine 50-Prozent-Quote bei den ersten Aufschlägen (11 Doppelfehler). "Ich habe alles versucht, aber viele Chancen ausgelassen", resümierte der Grand-Slam-Rekordsieger, den auch im Vorjahr im Wimbledon-Finale gegen Rafael Nadal nur wenige Punkte vom Sieg getrennt hatten.
Del Potro präsentierte sich hingegen in seinem ersten Grand-Slam-Finale erstaunlich abgeklärt, obwohl er in der Nacht zuvor kaum geschlafen hatte und beim Frühstück nichts essen konnte. Er ging im siebenten Duell mit dem Schweizer erstmals als Sieger vom Platz. Der Unterlegene zog den Hut. "Juan Martin hat den Sieg verdient, er hat ein großes Match gezeigt und war am Ende der Bessere."
(apa/red)
