Wird Fisichella noch einmal aufblühen?
Italiener hofft im Ferrari auf 2. Frühling
- 36-Jähriger besitzt mit 224 Rennen große Erfahrung
- Massa spendet dem Ersatzmann aufmunternde Worte

·"Sieg in Monza wäre Lebenshöhepunkt"
Italiener Fisichella fiebert Ferrari-Debüt entgegen
·Liuzzi erbt "Fisicos" Force-India-Cockpit
28-jähriger Italiener geht in Monza an den Start
·Fisichella darf im
roten Ferrari düsen
Italiener hat die Freigabe von Force India erhalten
Unverhofft kommt also doch oft - auch in der Formel 1. Giancarlo Fisichella wird am Wochenende erstmals für Ferrari im Cockpit sitzen. Und das ausgerechnet beim Heimrennen im königlichen Park von Monza. 224 Grand Prix hat Fisichella bisher bestritten, drei davon gewonnen. Nummer 225 wird aber etwas ganz Besonderes für den Römer, der in seiner Karriere fast alles gefahren ist, was es in der Formel 1 zu fahren gibt - nur keinen Ferrari.
36 Jahre musste Fisichella alt werden, um dort zu landen, wo er immer landen wollte. "Das ist wie ein Traum, der für mich in Erfüllung geht", erklärte der Routinier. "Ich habe nie einen WM-Titel gewonnen, aber ich bin stolz auf das, was ich in 14 Jahren in der Formel 1 erreicht habe." 1996 hatte Fisichella für Minardi in der Königsklasse debütiert, seine erfolgreichste Zeit erlebte er von 2005 bis 2007 bei Renault, als er an der Seite von Fernando Alonso unter anderem zwei Konstrukteurs-WM-Titel holte.
Zuletzt hatte sich Fisichella zwei Jahre bei Force India abmühen müssen, ehe er dem Nachzüglerteam vor zehn Tagen in Belgien sensationell die erste Pole Position und mit Platz zwei im Rennen auch die ersten WM-Punkte bescherte. "Dass mich Ferrari ausgewählt hat, beweist, dass ich etwas kann", meinte Fisichella. Hohe Erwartungen werden in den Italiener gesetzt, der seinen überforderten Landsmann Luca Badoer auch in der kommenden Saison als Ferrari-Ersatzfahrer ablösen wird.
Italiener glauben an Chance auf Sieg
Laut einer Umfrage der "Gazzetta dello Sport" glauben 11,3 Prozent der Leser sogar, dass Fisichella bereits in Monza um den Sieg mitfahren kann. "Ein Sieg in Monza wäre das Größte in meinem Leben", gestand der sonst so zurückhaltende Italiener. "Das will ich mir aber gar nicht anmaßen. Ich behalte die Füße am Boden. Ziel ist es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um das Team in der Konstrukteurs-WM auf Platz drei zu halten."
Im Gegensatz zu Badoer, der in zwei Rennen als Ersatzmann für den verletzten Felipe Massa zweimal Letzter geworden war, trauen die Italiener das Fisichella auch zu. 49 Prozent glaubten in der "Gazzetta" daran, dass der Römer im Ferrari auf Anhieb um Punkte fahren kann. 23 Prozent trauen ihm sogar einen Platz auf dem Podest zu, hatte doch sein Teamkollege Kimi Räikkönen mit seinem ersten Saisonsieg in Spa zuletzt die Konkurrenzfähigkeit der Scuderia unter Beweis gestellt. Lediglich 8,7 Prozent rechnen mit einem Platz außerhalb der Punkte, weitere acht mit einem Ausfall.
Fisichella setzt auf Erfahrung
Fisichella glaubt an seine Chance - auch, weil der Vollgas-Kurs in Monza nicht ungünstig sei, um sich an den F60 zu gewöhnen. "Ich bin sehr oft hier gefahren", erinnerte Fisichella, der 2005 als Dritter auf dem Podest gestanden war. Seine drei Rennsiege hatte der zweifache Vater 2003 in Brasilien sowie 2005 in Australien und 2006 in Malaysia jeweils für Renault gefeiert.
Dass er mit 36 Jahren doch noch in einen Ferrari steigen darf, bedurfte aber gleich mehrerer schicksalshafter Fügungen. Nach Massas schwerem Unfall Ende Juli in Ungarn hätte eigentlich Rekordweltmeister Michael Schumacher als Ersatzmann fungieren sollen, der Ferrari-Berater musste aber wegen Nackenproblemen absagen. Die eiserne Reserve Badoer erwies sich daraufhin als Flop. "Ferrari wird nicht gerne Letzter, das ist klar", erklärte Teamchef Stefano Domenicali, der viel von Fisichella hält.
Massa spendet aufmunternde Worte
Besonders wichtig ist dem neuen Ferrari-Mann die Unterstützung seiner Kollegen. Schumacher habe sich für seine Verpflichtung ausgesprochen, von Räikkönen habe er dagegen noch nichts gehört. Mit Massa habe er telefoniert. "Er hat mir gratuliert und gemeint, ich sei der richtige Mann", erklärte Fisichella. "Wenn er zurück will, kann er aber gerne zurück. Es ist sein Auto, das ist klar."
Massa will nach seiner Operation noch in diesem Jahr - beim Saisonfinale in Abu Dhabi - sein Comeback geben. "Bis dahin werde ich alles versuchen", versprach Fisichella, der schon bei seiner Präsentation als Ferrari-Fahrer gestrahlt hatte wie ein Kleinkind. "Mit 36 habe ich die Hoffnung schon verloren gehabt. Aber offensichtlich gilt doch: Sag niemals nie."
(apa/red)
