Mittwoch, 9. September 2009

Blutige Befreiung von US-Journalist in Afghanistan: Fünf Menschen wurden getötet

  • Dolmetscher, Soldat und drei Geiselnehmer starben
  • Verschleppter Reporter: "Ich bin raus, ich bin frei"

Fünf Tage nach dem umstrittenen Luftangriff bei Kunduz hat ein britischer Militäreinsatz in Nordafghanistan mindestens fünf Menschen das Leben gekostet. Die Soldaten befreiten einen Reporter der "New York Times", der nach dem Angriff auf die Tanklastwagen von Taliban-Kämpfern entführt wurde. Bei dem Einsatz wurden ein britischer Soldat und der afghanische Dolmetscher des Journalisten getötet.

Aufseiten der Geiselnehmer kamen nach Angaben der örtlichen Behörden drei Menschen ums Leben. Der Reporter Stephen Farrell war zusammen mit seinem Dolmetscher Sultan Munadi von Taliban-Kämpfern überfallen worden, als er über die Folgen des NATO-Luftangriffs auf zwei entführte Tanklastwagen berichten wollte. Bei dem von der deutschen Bundeswehr angeforderten Luftangriff kamen mindestens 72 Menschen ums Leben. Die "New York Times" berichtete, der Journalist habe sich bei seiner Zentrale mit den Worten gemeldet: "Ich bin raus, ich bin frei."

Entführung geheim gehalten
Die "New York Times" hatte nach der Entführung die Medien gebeten, mit Rücksicht auf die Sicherheit ihres Mitarbeiters nicht darüber zu berichten. Der 46-jährige Farrell hat die britische und irische Staatsbürgerschaft. Er berichtet seit 2007 für die "New York Times" aus dem Irak und aus Afghanistan. Sein Übersetzer Sultan Munadi war bereits seit 2002 für die "New York Times" tätig, verließ dann aber Afghanistan, um in Deutschland zu studieren. Erst im August kehrte er in seine Heimat zurück, um seine Familie zu besuchen. Dabei fand er sich bereit, Farrell nach Kunduz zu begleiten.

In Deutschland waren unterdessen Demonstrationen für den Abzug der deutschen Soldaten in Afghanistan geplant. In Hamburg und München riefen die Linkspartei und andere Organisationen zu Protesten auf. In Berlin hatten schon rund 150 Menschen an einer Antikriegskundgebung der Linken aus Anlass des Afghanistankrieges teilgenommen.
(apa/red)

9.9.2009 15:54