Mittwoch, 9. September 2009

Afghanistan-Wahl sorgt weiter für Unmut: Absolute Mehrheit Karzais 'unglaubwürdig'

  • Beschwerdekommission lässt Stimmen neu auszählen
  • Amtsinhaber liegt derzeit deutlich vor Mitbewerbern

Bei der zunehmend umstrittenen Präsidentschaftswahl in Afghanistan kommt Amtsinhaber Karzai nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen erstmals auf eine absolute Mehrheit. Allerdings ist es nach Angaben der Unabhängigen Beschwerdekommission (ECC) zu Wahlbetrug gekommen.

Knapp drei Wochen nach der Wahl wies die von den Vereinten Nationen unterstützte Beschwerdekommission die afghanische Wahlkommission (IEC) an, Stimmen aus betroffenen Wahllokalen zu überprüfen und erneut auszuzählen. Bevor die Vorwürfe nicht geklärt sind, darf kein amtliches Endergebnis verkündet werden. Damit steht bis dahin auch kein Gewinner fest.

Auch der Leiter der EU-Wahlbeobachtermission in Afghanistan, Philippe Morillon, hat die Teilergebnisse der Präsidentschaftswahl angezweifelt. "Diese Resultate sind unglaubwürdig", sagte Morillon der Tageszeitung "Die Welt". "Es gibt sehr fundierte Hinweise auf eine Vielzahl gefälschter Stimmen.

Karzai derzeit bei 54,1 Prozent
Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) teilte mit, Präsident Karzai habe nach derzeitigem Stand 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein wichtigster Herausforderer Abdullah folge mit 28,3 Prozent. Auf den dritten Platz kam der unabhängige Kandidat Bashardost mit rund 9,2 Prozent der Stimmen, gefolgt von dem ehemaligen Finanzminister Ghani, der 2,7 Prozent der Stimmen erhielt. Die Stimmen aus 91,6 Prozent der Wahllokale seien inzwischen ausgezählt.

Die Auszählung werde trotz der Anordnung der ECC bis zu einem vorläufigen Ergebnis fortgesetzt. Danach würden die von der ECC bemängelten Wahllokale überprüft. Die Beschwerdekommission teilte mit, bei ihren Untersuchungen in drei Provinzen habe es "klare und überzeugende Beweise für Betrug" gegeben. In weiteren Provinzen plane die ECC Ermittlungen wegen Beschwerden über Wahlbetrug.

(apa/red)

9.9.2009 07:21