Spitalsärzte und das Rote Kreuz schlagen
Alarm: Wir brauchen dringend mehr Blut!
- NEWS: Österreichische Blutbanken sind fast leer
- Pro Jahr werden 500.000 Blutkonserven benötigt

Es hätte ein zwanzigminütiger Routineeingriff sein sollen. Veronika Kickenweitz wurden mittels Laparoskopie Zysten an einem Eierstock entfernt. Doch mitten in der Operation war plötzlich am Computerbildschirm nichts mehr zu sehen weil alles voller Blut war. Sofort wurde ein Bauchschnitt gesetzt. Der Grund für die extremen Blutungen war rasch klar: Die rechte Beinvene war während des Eingriffs geplatzt. Eine unvorhersehbare Komplikation, die ohne lebensrettende Blutspenden fatale Folgen gehabt hätte. Um mich zu retten, wurden mir fünf Blutkonserven verabreicht. Ohne diese wäre ich heute nicht mehr am Leben, ich wäre verblutet. Neun Monate nach der Operation bin ich Oma geworden, und ich bin überglücklich, dass ich mit erleben kann, wie mein Enkelkind aufwächst, erzählt die sechzigjährige Wienerin. So wie Frau Kickenweitz werden täglich Menschen durch Blutspenden gerettet.
In Österreich werden rund 10.000 Konserven in nur einer Woche benötigt das sind 2.500 Liter Blut pro Woche. In einem Jahr wird in Österreichs Krankenhäusern die unfassbare Menge von 125.000 Liter Blut in Form von rund 500.000 Konserven eingesetzt. Allein das Wiener AKH ist jährlich auf etwa 30.000 Blutkonserven angewiesen.
Blut-Armut in Österreich
Das Rote Kreuz schlägt jetzt jedoch Alarm, denn es herrscht ein bedrohlicher Engpass an Blutkonserven. Der Lagerstand für die Belieferung von Ostösterreich hat eine sehr kritische Marke erreicht. Wir haben derzeit nur noch 1.500 Blutkonserven vorrätig, das reicht nur noch für zwei Tage. Normalerweise sollten wir mindestens 4.500 Konserven auf Lager haben, verdeutlicht Fredy Mayer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, den Ernst der Lage. Der Grund für die Ebbe im Blutlager: Bedingt durch die Reisezeit, sind viele fixe Blutspender ausgefallen. Außerdem führen Fernreisen in bestimmte Gebiete aufgrund von Krankheitsrisiken wie etwa Malaria zu einer Blutspende- Sperre von bis zu einem halben Jahr.
Die Wiener Blutspendezentrale
In der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes in der Wiedner Hauptstraße herrscht auf den ersten Blick Hochbetrieb. Im Blutabnahmeraum liegen Spender nebeneinander auf den Betten. Die Reihen mit Konserven in dem auf vier Grad gekühlten Lagerraum sind jedoch erschreckend leer. Derzeit ist von allen Blutgruppen viel zu wenig da. Die Konserven halten nur 42 Tage, und daher sind wir auf ständigen Nachschub angewiesen, betont Eva Menichetti, medizinische Leiterin der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Jedem Spender wird ein halber Liter Blut abgenommen.
Spenden können alle gesunden Menschen ab 18 Jahren, eine Altersobergrenze gibt es nicht mehr. Johann H. ist bereits zum 14. Mal in der Blutspendezentrale: Ich lasse mir alle acht Wochen Blut abnehmen, als Pensionist habe ich schließlich viel Zeit. Für mich und meine Frau ist das so was wie ein Ritual geworden. Es tut gar nicht weh und dauert keine fünf Minuten. Und nachher gibt es zur Belohnung immer Würstel. Erich K. liegt sogar schon zum 37. Mal am Blutabnahmebett. Ich möchte helfen, und ich finde es gut, dass mein Blut so regelmäßig kontrolliert wird, sagt der 50-jährige Wiener.
30 Blutkonserven pro OP
Wie viele Blutkonserven benötigt werden, ist je nach Operation unterschiedlich. Bei einem Gelenkseingriff werden etwa zwei Blutkonserven zu je einem Viertelliter eingesetzt, bei einem operativen Eingriff an der Leber bis zu vier Konserven. Für Gefäßoperationen werden im Schnitt zwei bis fünf Konserven benötigt. Bei Unfällen mit schweren inneren Verletzungen kann man aber mehr als dreißig Blutkonserven auf einmal brauchen, um den Blutverlust auszugleichen, erläutert Menichetti. Operationen machen jedoch nur die Hälfte des Bedarfs an Blutkonserven aus.
Barbara Binder
Alle Infos zur Blutspende und was der Präsident des Roten Kreuzes zum akuten Mangel an Blutkonserven sagt, lesen Sie im NEWS 37/09!
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