Bereits 0,5 Promille verdoppeln das Risiko:
100 Alko-Lenker werden pro Tag erwischt
- 2008 gab es 2.646 Alkoholunfälle im Straßenverkehr
- Strengere Strafen schrecken nur wenig Alkolenker ab

·GRAFIK: Unfälle unter Alkoholeinfluss
Niederösterreich führt
knapp vor Oberösterreich
·UMFRAGE: Strafen für Alkolenker erhöhen?
Ist das gut oder nur eine sinnlose Maßnahme?
Zwei Tote, zahlreiche Verletzte: Das ist die Bilanz einer Serie von Unfällen, bei denen Alkohol im Spiel war. "Man muss die Leute so weit bringen, Alkoholkonsum und Autofahren grundsätzlich voneinander zu trennen", sagte dazu Rainer Kastner, Verkehrspsychologe des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), im Gespräch mit der APA. Schließlich steige das Unfallrisiko bereits bei der Höchstgrenze von 0,5 Promille um das Doppelte, bei 1,6 Promille gar um das 36-Fache.
Laut den Daten der Statistik Austria gab es im Vorjahr 2.646 Alkoholunfälle, bei denen 3.653 Personen verletzt und 53 Menschen getötet wurden. 6,8 Prozent betrug der Anteil der Alkohol-Unglücke am Gesamt-Unfallgeschehen 2008 - um 0,2 Prozentpunkte mehr als 2007. Die meisten Alk-Unfalltoten gab es mit 15 in Niederösterreich vor Tirol mit neun und der Steiermark mit acht Opfern. Bei der Zahl der Unglücke, bei denen zumindest ein Beteiligter alkoholisiert war, lag das Land unter der Enns mit 499 aber nur ganz knapp vor seinem Nachbarn Oberösterreich mit 496 Fällen. Sieht man sich nur die Pkw-Unfälle an, so gab es nach den Zahlen des KfV 1.811 Unglücke österreichweit mit 2.682 Verletzten und 41 Getöteten.
Nachschulungen minimieren Rückfallrisiko
Laut Kastner sind die seit 1997 eingeführten Nachschulungen für Alko-Lenker, die zumindest 1,2 Promille intus hatten, und alkoholisierte Probeführerscheinbesitzer eine gute Möglichkeit, das Unfallrisiko zu senken. "Das Rückfallrisiko wurde durch die Nachschulungen um 50 Prozent minimiert." Entsprechend dieser Regelungen ist die Zusammensetzung in den Kursen sehr vielfältig: "Es sitzen sehr junge Personen, die mit drei Bier erwischt worden sind, genauso da wie Hardliner sozusagen, die eine Kiste Bier getrunken haben. Der höchste Promillegehalt, den ich in einem meiner Kurse erlebt habe, waren 3,5", schilderte Kastner.
Die Situation am Anfang eines Kurses sei oft sehr getrübt: "Schließlich geht keiner freiwillig hin. Jeder hat ein Verkehrsdelikt begangen", sagte der Verkehrspsychologe. Aber man muss kommen, weil man einen Bescheid benötigt, dass die Nachschulung positiv absolviert wurde. Zum Bestehen gehört auch ein Alko-Test. "Es kommt schon vor, dass Leute alkoholisiert im Kurs erscheinen." Diese werden ausgeschlossen, und der Bescheid fällt negativ aus. Für die anderen werden individuelle Strategien ausgearbeitet, "damit jeder einzelne sagt: 'Das passiert mir nicht mehr'". Wichtig sei nicht zuletzt, dass über Alkoholmissbrauch, seine Wirkung und Auswirkungen informiert wird.
Netz zieht sich immer mehr zu
Doch nicht immer zeigt die Nachschulung Erfolg. "Es kommt vor, dass Personen wiederholt die Kurse besuchen müssen", sagte Kastner. Bei besonders schweren Alkoholisierungen ab 1,6 Promille wird der Fall aber ohnehin auch an die Gesundheitsabteilungen weitergewiesen, die medizinische Indikationen für eine Fahruntüchtigkeit abzuklären haben.
Kastner zufolge ist die Testdichte in Österreich sehr stark gestiegen. "Das Netz für Alko-Lenker wird immer enger." Dem stimmte auch Othmar Bruckner vom Verkehrsdienst des Innenministeriums zu. Möglich machten das die Vortestgeräte, die innerhalb von 30 Sekunden ein sehr zuverlässiges Ergebnis liefern und damit den Behörden helfen, nur diejenigen zum eigentlichen Alko-Test zu schicken, die ein positives Ergebnis lieferten. "2006, hatten wir 270.000 Vortests, 2007 waren es 460.000 und im Vorjahr 586.000 Vortests", sagte er der APA.
Am Wochenende geht es rund
Aber eine lückenlose Kontrolle sei nicht möglich: "Wir ziehen pro Tag mehr als 100 Alkoholisierte aus dem Verkehr, registrieren dennoch acht bis neun Alko-Unfälle pro Tag", so Bruckner. Und es sei die Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen: "Von 100 Getesteten haben 98 nichts getrunken." Statistisch signifikant sind übrigens der Zeitraum Freitagabend bis Sonntag früh: Das impliziert gleichzeitig, dass vor allem Jugendliche in Gebieten mit schwach ausgebautem öffentlichen Verkehrsnetz gefährdet seien.
Einer Verschärfung der Gesetze standen beide Experten skeptisch gegenüber: "Man sieht es ja: Strafverschärfungen oder Führerscheinabnahmen schrecken einen bestimmten Prozentsatz nicht ab", sagte Bruckner. "So wie es ist, ist es gut so", meinte Kastner, denn: "Sehr oft legen Personen ein Trinkverhalten an den Tag, das Ergebnisse weit über 0,0 oder 0,5 Promille bringt." Man müsse die Leute so weit bringen, dass sie danach agieren, dass sich Alkoholkonsum und Autofahren gar nicht vertragen.
(apa/red)
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