Süchtig nach Risiko:
Heinz Sichrovsky über Hartmanns Beginn
- Hartmann ist Künstler und kein Event-Broker
- Kommentar: IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Bei Anbruch ihrer vierten Nacht hatte die amtierende Burgtheater- Direktion Sensationen hinter sich, die anderen Intendanten in Jahren nicht glücken respektive unterlaufen: im großen Haus ein Doppelfaust, dessen Präsenz im öffentlichen Wahrnehmungsgegacker nicht einmal durch ein sieben Stunden langes öffentlich-rechtliches Brom-Bombardement unterbunden werden konnte; im Akademietheater eine verzaubernde Uraufführung und ein patscherter Antifa-Comic für Jugendliche; im Kasino die nächste Uraufführung, von welcher zur Pause nicht einmal die Zuständigen wussten, ob sie nun genial oder schwachsinnig wäre; drei junge Schauspielerinnen (Katharina Lorenz, Yohanna Schwerdtfeger, Sarah Viktoria Frick), die mit überwältigendem Ergebnis voroder nach vorn gestellt wurden. So geht das, wenn wieder ein Künstler das Haus leitet, hochfahrend, maßlos, ein Spieler im Doppelsinn, also: süchtig nach dem Risiko bis zur Selbstbeschädigung. Selbst Peymann sicherte sich zu Beginn durch den Import seiner Referenzproduktionen ab und verschob seine erste genuine Burgtheater-Inszenierung um vier Monate. Hartmann exponierte sich mit Faust wider alle Vernunft. Und was immer er nach dieser knappen Woche ist: Er ist kein gesichtsloser Event- Broker, der vom Büro aus die Theater heute-Portfolios ordert und abstößt.
