Pohl-Position von Walter Pohl
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Glühlampen-Aus. Nicht alles, was die EU verordnet, ist schlecht. Man muss sich halt nur daran gewöhnen.
Vor einigen Monaten stand hier an dieser Stelle ein Kommentar zum Thema Lampenverordnung. Er endete mit der Empfehlung, gegen das Diktat der EU passiven Widerstand zu leisten und sich mit einem Vorrat an Glühfadenbirnen einzudecken, wenn man schon der Meinung sei, es gäbe Licht aus fürs Abendland.
Nun ist genau diese Situation eingetreten, und die letzten Kontingente in den Regalen der Baumärkte werden geplündert. Am im doppelten Wortsinn gewohnten Licht hängt die Volksseele, der grelle Schein der Energiesparlampen setzt jede Ratio außer Kraft.
Aber es nützt nix: Die 100er-Birne ist weg, wer jetzt noch warmen Schein haben will, muss sich halt mit einer 60er begnügen. Und kann in das fröhliche EU-Bashing einstimmen, das den Damen und Herren in Brüssel vorwirft, nun sogar unsere private Erleuchtung zu regulieren. So weit, so vorhersehbar.
Die Gesetzeserbrecher im EU-Parlament ziehen sich auf den Umweltstandpunkt zurück, wonach die neuen Leuchtkörper sparsamer, weniger umweltschädlich und länger haltbar sind. Nur halt ein bissl ordentlich teurer, was aber rückgerechnet auf die Verwendungsdauer wieder ausgeglichen wird. Aber niemand von denen scheint zu verstehen, dass es die Menschen nicht mögen, wenn ihnen bis ins Schlafzimmer hinein die Lichtstärken und -typen verordnet werden.
Genau deswegen emotionalisiert dieses Thema so sehr, obwohl die Zeitläufte zeigen, dass jede Veränderung von tradierten Werten einmal als das akzeptiert wird, was es ist: nämlich Fortschritt.
Zuerst gabs das Feuer, dann die Öllampe, später das Gaslicht, gefolgt von der Glühwendel und zuletzt der Neonröhre. Und in zwanzig Jahren werden wir unseren Kindern erzählen, wie das war, damals, als sich Mutter und Vater im matten Schein einer brennenden Lampe den ersten Kuss gegeben haben.
Und im Übrigen gilt auch für dieses regulative Machtwort aus den Zimmern der EU-Gesetzeserbrecher Folgendes: Seien wir froh, dass den zuständigen Verordnern nicht noch ein wenig mehr eingefallen ist. Wirklich böse wäre ja gewesen, wenn man gleichzeitig mit dem Aus für die Glühlampe gleich auch eine Lampenfassungsveränderungsordnung erfunden hätte, damit die alten Dinger erst gar nicht mehr eingeschraubt werden können.
