Freitag, 4. September 2009

"Es geht GM überhaupt nicht gut": Opel- Gewerkschaft will weg vom Mutterkonzern

  • "General Motors bietet kein tragfähiges Konzept"
  • Politiker fordern nun endlich rasche Entscheidung

Mit Millionenforderungen an die US-Muttergesellschaft General Motors (GM) wollen die Gewerkschaften einen Verbleib des deutschen Autobauers Opel unter dem Dach des US-Autokonzerns verhindern. "Es gibt aus unserer Sicht keine Perspektive für eine Rettung von Opel, wenn die Entscheidungen weiterhin in Detroit und von Leuten getroffen werden, die für die größte Autopleite aller Zeiten verantwortlich sind", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild der "Berliner Zeitung".

Schild warf dem GM-Management vor, die Verkaufsentscheidung seit Monaten hinauszögern. Angesichts der unklaren Verhältnisse sei die Opel-Belegschaft nicht mehr zu finanziellen Zugeständnissen bereit. "Wir haben GM aufgefordert, die festgehaltenen Tariferhöhungen auszuzahlen. Wir wollen das Geld jetzt sehen", sagte Schild.

Belegschaft verärgert
Wenn GM sich tatsächlich gegen einen Verkauf entscheide und damit einen Vertragsbruch begehe, würden die Arbeitnehmer auch die geforderten Beiträge nicht erbringen. Allein bei den nicht ausgezahlten Urlaubsgeldern handle es sich um 40 bis 50 Mio. Euro. Hinzu kämen mehr als 300 Mio. Euro an festgehaltenen Tariferhöhungen. Zudem sei die Belegschaft nicht mehr bereit, den im Falle einer Übernahme durch den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna geplanten Sanierungsbeitrag von 1,2 Mrd. Euro zu leisten.

Nach Schilds Worten ist GM keineswegs gestärkt aus dem Insolvenzverfahren hervorgegangen. "Es geht GM überhaupt nicht gut. Das Unternehmen hat kein einziges seiner Probleme gelöst durch die Insolvenz, außer, dass eine vollkommene Überschuldung zulasten der Gläubiger und Arbeitnehmer abgebaut wurde." Wer Opel übernehmen wolle, müsse aber ein tragfähiges Konzept bieten. Und das koste mindestens 6 Mrd. Euro.

Geschäftsschädigendes Verhalten
Zudem warf Schild der Konzernmutter GM geschäftsschädigendes Verhalten vor: In zwei Wochen solle auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt der neuen Astra vorgestellt werden. "Die GM-Manager, die seit Monaten die Verkaufsentscheidungen hinauszögern, wissen sehr genau, welche Bedeutung dieses Brot- und Butter-Auto für die Zukunft von New Opel hat." Dass sich die Entscheidungen bis zu diesem Zeitpunkt hinziehen, lasse zumindest unterstellen, dass es sich um eine bewusste Beschädigung von Opel handelt.

Guttenberg erwartet Grundentscheidung
Der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erwartet in der kommenden Woche eine Grundentscheidung des GM-Verwaltungsrates über die Zukunft des Autobauers Opel. "Wir haben als Bundesregierung die Hausaufgaben gemacht, unterschriftsreife Verträge liegen vor und jetzt muss General Motors einlenken", sagte der CSU-Politiker im ARD-"Morgenmagazin". Die Bundesregierung verhandle in Richtung Investorenlösung, also "eine Lösung, die als Industriekonzept dann auch über den Tag hinaus trägt".

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat den Opel-Mutterkonzern General Motors aufgefordert, schnell über die Zukunft von Opel zu entscheiden. "Die Spekulationen um einen Strategiewechsel verunsichern die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Opel. So geht man nicht mit den Menschen und der wichtigsten Ressource um, die Opel für seine eigene Zukunft dringend braucht", sagte der CDU-Politiker dem "Handelsblatt".

(apa/red)

4.9.2009 10:00