Mittwoch, 2. September 2009

"Vorstand muss als Ganzes zurücktreten":
Seisenbacher fordert Totalreform im ÖOC

  • "Mangelnde Kontrolle, Willkür & Freunderlwirtschaft"
  • NEWS: Olympiasieger & Ex-Sporthilfe-Chef im Talk

Horrende Beraterhonorare, verschwundene Millionen bei der Bewerbung für die Winterspiele 2014 - aber keiner will etwas gewusst haben. Das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) steckt tief im Korruptionssumpf. Für Peter Seisenbacher, Doppel-Olympiasieger und ehemaliger Sporthilfe-Chef, keine Überraschung. Er fordert daher im Interview mit NEWS eine Totalreform an Haupt und Gliedern.

NEWS: Österreichs Olympisches Comité steckt offensichtlich tief in einem Finanzskandal. Überrascht?

Peter Seisenbacher: Ganz im Gegenteil. Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im ÖOC gibt es seit vielen Jahren. Mangelnde Kontrolle, Willkür und Freunderlwirtschaft waren dort immer schon ein Thema, nur hat sich halt niemand getraut, diese Materie anzupacken. Das Fass zum Überlaufen hat wohl die Salzburger Olympiabewerbung gebracht, die offensichtlich von einigen Funktionären als Chance gesehen wurde, zusätzlich Geld zu lukrieren. Aber dass diese Nehmerqualitäten nicht schon vorher ausgeprägt waren, wage ich zu bezweifeln. Das war im österreichischen Sportsystem über Jahrzehnte hinweg gang und gäbe. Jetzt haben wir aber zum Glück einen Sportminister, der sich da endlich einmal drübertraut, ohne Rücksicht auf die alten Seilschaften.

NEWS: Warum hat dieses System so viele Jahre funktionieren
können?

Seisenbacher: Ich glaube nicht an die Einzeltätertheorie. Es gilt natürlich auch in einem solchen Verein das Vieraugenprinzip; das bedeutet, dass immer zumindest zwei Leute beteiligt waren. Darüber hinaus hatten alle ÖOC-Mitglieder die Chance, bei den Generalversammlungen Fragen zu stellen. Ausreden wie "Ich habe davon nichts gewusst" lasse ich daher nicht gelten. Von der Verantwortung darf man kein einziges Vorstandsmitglied entbinden.

NEWS: Bisher ist aber nur der Generalsekretär zurückgetreten?

Seisenbacher: Ich kann dem ÖOC-Vorstand nur dringend raten, geschlossen zurückzutreten. Das bedeutet ja nicht, dass sie ein für allemal von einer Mitarbeit ausgeschlossen sind – aber erst, wenn alle Vorwürfe aufgeklärt sind, auch von den Gerichten. Der Rücktritt des gesamten ÖOC-Vorstands wäre momentan für mich die einzig saubere Lösung.

NEWS: Ist dieser Skandal nur die Spitze eines Eisbergs?

Seisenbacher: Absolut. Was da nach und nach an die Öffentlichkeit dringt, ist an sich schon gigantisch. Aber das sind mit Sicherheit erst höchstens zehn Prozent von dem, was im österreichischen Sport in den letzten Jahrzehnten tatsächlich vorgefallen ist. Das ÖOC ist ja nicht isoliert zu betrachten, sondern agiert in einem Netzwerk von Multifunktionären, die sich in allen Gremien bis hin zur Sportförderung breitgemacht haben.

Tino Teller

Wie Peter Seisenbacher die Chancen auf einen Neubeginn sieht und mehr Facts zum ÖOC-Skandal lesen Sie im NEWS 36/2009!

2.9.2009 16:56
peter1722, 03. 09. '09 17:06
Die Ratten kommen aus allen Löchern
Jeder Hinz und Kunz wusste es ja schon immer,aber warum hat keiner was unternommen.Als Sporthilfe-"Chef" hätte er genug unternehmen können,aber da ist er kläglich gescheitert.
Wenn der IQ nicht mitspielt sollte man einfach mal die Schnauze halten
Wobei ein politisches Ränkespiel zu kommentieren sowieso mü?ig ist.