Freitag, 4. September 2009

Leo Wallner tritt als ÖOC-Präsident zurück: Macht Weg für eine Neustrukturierung frei

  • Folge jüngsten Skandals um Ex-General Jungwirth
  • Kontrollmechanismen waren "nicht ausreichend"

Die Weichen für eine Neustrukturierung im Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) sind gestellt. Den nötigen Schritt dazu tat ÖOC-Präsident Leo Wallner selbst, er kündigte für die am 23. September angesetzte ÖOC-Vorstandssitzung die Einleitung des Rückzugs aus seinem Amt an. Wallners Ausscheiden als ÖOC-Präsident wird bei der Außerordentlichen Hauptversammlung erfolgen, die im Zuge der Vorstandssitzung terminisiert wird.

Wallner fungiert seit 12. Dezember 1990 als ÖOC-Chef und wird nach rund 19 Jahren als der am längsten dienende Präsident der 101-jährigen ÖOC-Geschichte abtreten. Die nicht ganz unerwartete Entwicklung steht eng im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen rund um die "Causa Jungwirth". Erst vor einigen Tagen sprach sich am Rande des Ministerrats auch Sportminister Norbert Darabos dafür aus, dass ein Generationenwechsel dem ÖOC insgesamt gut tun würde.

Wallner will den Neuanfang vor seinem Ausscheiden nun selbst einleiten. Dies soll auf der nächsten Stufe bei der auf den 23. September vorverlegten Vorstandssitzung erfolgen. "Die Geschehnisse haben deutlich gemacht", sagte Wallner in einer Aussendung, "dass die Strukturen und Kontrollmechanismen nicht ausreichend funktioniert haben. Deshalb haben wir eine breite Restrukturierung eingeleitet".

Diese könnte bei der Außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt werden. "Das ist auch der Termin, an dem ich dem Gremium, das mich gewählt hat, meinen Rückzug als ÖOC-Präsident bekanntgeben werde", präzisierte Wallner. "Ich möchte sicherstellen, dass ich nach beinahe 20-jähriger, ehrenamtlicher Tätigkeit das ÖOC in dieser Krisensituation nicht im Stich lasse und werde ihm auch mit all meiner Kraft in dieser schwierigen Phase weiter zur Verfügung stehen."

Anzeige gegen Jungwirth
Der ÖOC-Vorstand hatte zuvor in einer Sitzung beschlossen, gegen seinen ehemaligen Generalsekretär Heinz Jungwirth Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einzubringen. Jungwirth war im Februar nach über 25 Jahren in der ÖOC-Führung zurückgetreten, nachdem Gerüchte über finanzielle Ungereimtheiten während seiner Amtszeit und fragwürdige Geldströme rund um die gescheiterte Salzburger Olympia-Bewerbung für 2014 bekanntgeworden waren.

Im Zuge dessen geriet auch Wallner immer mehr in die Schusslinie. Schon zuvor gab der 73-Jährige im Gespräch mit der APA an, über die Rücktrittsmöglichkeit nachzudenken. Als seinen Nachfolger würde er demnach jemand mit Erfahrung und den nötigen internationalen Kontakten sehen wollen. "Der gewählte Zeitplan gewährleistet, dass eine ordentliche Übergabe in neue Hände erfolgen kann, was für das ÖOC und den österreichischen Sport wichtig ist."

Zu den konkreten Anschuldigungen gegen Jungwirth wollte Wallner keine weitere Stellungnahme abgeben. Er selbst habe bei Bekanntwerden der ersten Verdachtsmomente unverzüglich alle Schritte für eine lückenlose Aufklärung eingeleitet. Das ÖOC und er seien an einer detaillierten Aufklärung der Vorkommnisse interessiert und möchten laut Wallner die Ermittlungen in keiner Weise mit öffentlichen Stellungnahmen beeinflussen. Wallner: "Jetzt sind die Gerichte am Zug."

Wallners ÖOC-Präsidentschaft hängt mit seiner Mitgliedschaft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht zusammen. Sinngemäß meinte er daher auch, dass er diese seit Februar 1998 ausübende Funktion weiter bekleiden werde. Erst im heurigen Februar war Wallner einstimmig für weitere vier Jahre als ÖOC-Präsident bestätigt worden. Die Ablöse bei der Hauptversammlung kann nun frühestens einen Monat nach der Vorstandssitzung erfolgen.

(apa/red)

4.9.2009 17:10