Mittwoch, 2. September 2009

Neue Strategie für Afghanistan gefordert:
Rasmussen verlangt mehr Anstrengungen

  • NATO-Generalsekretär: Mehr Ausbildner gebraucht
  • Will politische Führer an getätigte Zusagen erinnern

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat die 28 Bündnisstaaten zu mehr militärischen Anstrengungen in Afghanistan aufgefordert. Vor allem müssen mehr Ausbilder für die afghanischen Streitkräfte bereitgestellt werden, sagte er vor Journalisten in Brüssel. Dies sei dringend nötig, um die derzeit 64.500 Soldaten zählende Afghanistan-Schutztruppe ISAF wieder abziehen zu können. Ob auch die Zahl der Kampftruppen verstärkt werden müsse, stehe noch nicht fest.

"Wir müssen mehr für die Ausbildung und die Ausrüstung der afghanischen Kräfte tun, damit sie selbst die Führung übernehmen könne", sagte Rasmussen. "Alle Verbündeten und Partner müssen mehr tun, damit wir schließlich damit beginnen können, weniger zu tun." In Afghanistan werden nach Angaben von NATO-Militärs derzeit 67 Ausbildungsteams benötigt, deren Stärke zwischen zehn und 20 Soldaten liegt. Vorhanden seien jedoch nur 57. Zum Jahresende würden 75 Ausbildungsteams gebraucht, jedoch seien nur 64 absehbar. Die Übernahme eines Teils der Polizeiausbildung durch die NATO bedeute zudem, dass bis Jahresende zusätzlich noch "mindestens zwei Dutzend" Trainingsteams benötigt würden.

Steigerung der Kapazitäten
"Ich möchte nicht ausschließen, dass wir vielleicht sogar mehr Ausbilder brauchen als bisher geplant", sagte Rasmussen lediglich. "Wir brauchen eine erhebliche Steigerung der Kapazitäten der afghanischen Sicherheitskräfte, wenn wir das Ziel erreichen wollen, dass diese selbst für die Sicherheit Afghanistans sorgen." Rasmussen fügte hinzu: "Ich werden nicht zögern, die politischen Führer des Bündnisses an die Verpflichtungen zu erinnern, die sie im April beim Gipfel in Straßburg eingegangen sind." Damals hatten sie eine deutliche Ausweitung vor allem der Ausbildungsanstrengungen angekündigt.

Schätzung der benötigten Kampftruppen
Die USA werden bis Jahresende wesentlich dazu beitragen, dass die Gesamtzahl der ISAF-Soldaten sich der Grenze von 100.000 nähert. Rasmussen sagte, die NATO berate jetzt über eine kritische Lage-Einschätzung des Oberkommandeurs der Truppen in Afghanistan, des US-Generals Stanley McChrystal. "Danach können wir auch die Zahl der benötigten Kampftruppen genauer abschätzen", sagte Rasmussen. Es sei derzeit "verfrüht, über die Zahl der nötigen Kampftruppen eine Aussage zu machen". Rasmussen sagte, es sei auch möglich, dass die afghanischen Streitkräfte - derzeit 90.000 Soldaten - nicht nur wie bisher geplant auf 134.000, sondern sogar stärker wachsen müssten.

(apa/red)

2.9.2009 21:46