Mittwoch, 2. September 2009

Köhlmeier´s neues Werk erscheint am 7.9.
In NEWS spricht er über die FPÖ-Nazi-Affäre

  • "Bald wird man auf der Straße ,Sieg, Heil' rufen"

Michael Köhlmeier über seinen Erzählband und die FPÖ-Nazi-Affäre im heimatlichen Vorarlberg.

Ein Unterton, ein hässliches Nebengeräusch, mehr spürbar als definierbar, weckt den Widerstand einer sensiblen Teilnehmerin an der Bürgerversammlung: Im Gasthaus Schiffle zu Hohenems wird die Einrichtung eines jüdischen Museums diskutiert … War da nicht etwas? Hat da nicht soeben ein Vorarlberger FPÖ-Landesrat namens Dieter Egger dem Direktor des jüdischen Mu­seums in Hohenems als „Exiljuden“ die Teilnahmeberechtigung an der politischen Debatte abgesprochen? Die Erzählung mit dem Titel „Der Silberlöffel“ entstand vor einem Jahr. Damals war Egger überregional noch niemandem bekannt. Und die üble Plakatserie, an der sich die Debatte entzündete, war noch nicht einmal erdacht.

Mitten auf der Strasse
Jetzt erscheint das Werk, wie gerufen, im Erzählband „Mitten auf der Straße“ (ab 7. 9. bei Deuticke, 26,70 Euro). „Das ist schon komisch“, sagt Köhlmeier, der am 15. Oktober sechzig wird. „Aber man sollte keine falschen Schlüsse ziehen. Ich habe in Hohenems niemals antisemitische Äußerungen gehört, nie, außer vielleicht von dem einen oder anderen skurrilen Außenseiter. Aber was Egger gesagt hat, ist purer Anti­semitismus. Und eine gezielt eingesetzte Lüge dazu. Es darf nicht so weit kommen, dass die Antisemiten definieren, was Anti­semitismus ist.“

Egger habe bis ­dahin immer vorgegeben, die Arbeit des Museumsdirektors Hanno Loewy zu schätzen, erzählt Köhlmeier. Die beiden seien miteinander persönlich bekannt, man verkehre im vertrauten Du. „Dann hat er ihm das ‚Hakl‘, also ‚Hakenkreuz‘, in den Rücken gehauen“, sagt Köhlmeier. Dass Egger seine Rede selbst formuliert hat, glaubt Köhlmeier nicht. „Der hat ein schlichtes Gemüt. Ich möchte ihn keinesfalls in Schutz nehmen, aber ich glaube, dass Strache mit ihm einen Versuchs­ballon losgelassen hat. Wenn man mit ­dieser antisemitischen Karte in der Provinz scheitert, dann ist das kein allzu großer Verlust. Wenn man aber Erfolg hat, dann kann man in die Richtung weitermarschieren.“

Graf sofort abwählen
Anders die Reaktion von Landeshauptmann Sausgruber, der die Koalition mit Eggers FPÖ nach den Landtagswahlen am 20. September aufkündigen wird. „Ich wünsche mir, dass die Bundesführung der ÖVP ähnlich konsequent reagiert. Sehr wohl sollten sich die Parlamentsparteien ein Beispiel an Sausgruber nehmen und Graf abwählen, sofort!“ Genau das aber tut bis zur Stunde niemand. Sind da Strache als Bürgermeister nicht einige Türen geöffnet? Köhlmeier: „Wien ist eine wunderbar funktionierende Großstadt. Jeder, der andere europäische Großstädte kennt, weiß das. Mir graut vor dem Gedanken, Strache könnte hier Bürgermeister werden. Der würde diese Stadt international in Verruf bringen, und die FPÖ würde sie herunterwirtschaften.

Ist ein Rechtsruck in Österreich zu befürchten?
„Der ist schon spürbar. Und dadurch werden die Rechten immer mutiger. Sie werden auf der Straße stehen und ‚Sieg Heil!‘ rufen und dann sagen: ‚Sieg? Sieg ist doch nichts Schlechtes. Und Heil? Heil ist sogar etwas Gutes.‘ Aber irgendwann wird es zu viel sein. In Deutschland gibt es bereits einen deutlichen Ruck in die andere Richtung. Das gibt mir Hoffnung. Ich bin immer links gestanden. In Österreich tritt mit einiger Verzögerung das ein, was in Deutschland geschieht.“

Wünsche zum Wiegenfest?
„Dass ich mich nicht länger mit ewiggestrigen Rassisten herumstreiten muss und endlich in Ruhe meine Romane schreiben kann. Ich möchte, dass endlich eine rationale Politik gemacht wird. Aber dann hat man keine Show. Dann würden sich viele langweilen. Ich nicht. Ich habe Show genug im Kopf.“ Was aber tun, wenn die Zuständigen nicht einmal Show im Kopf haben – vom anderen ganz zu schweigen?

Susanne Zobl

Die ganze Story lesen Sie jetzt im aktuellen NEWS 36/09

2.9.2009 20:22

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

Regie: Barry Sonnenfeld

Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

mehr Info zum Film