Donnerstag, 17. September 2009

Streit um Sicht bei tödlichen Schüssen: Wie gut konnten die Polizisten wirklich sehen?

  • "Keine Angriffs- oder Notwehrsituation gegeben"
  • Darstellungen der Anwaltsschaften widersprüchlich

Der tödliche Schuss auf einen 14-jährigen mutmaßlichen Einbrecher im Kremser Merkur-Markt soll bei guter Sicht und ohne vorliegende Angriffs- oder Notwehrsituation gefallen sein. Diese Darstellung der beiden Anwältinnen Eva Plaz und Nadja Lorenz weist der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl, aber zurück.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Wegen der nach der Tatrekonstruktion vonseiten der Verteidigung und vom Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg abgegebenen Erklärungen teilen wir mit, dass die Tatrekonstruktion ergeben hat, dass der tödliche Schuss in den Rücken bei guten Sichtverhältnissen ohne Vorliegen einer Angriffs- oder Notwehrsituation abgegeben wurde".

"Kein guten Sichtverhältnisse"
Köhl wurde vom ORF mit den Worten zitiert: "Wir wissen, dass sich der Vorfall zunächst in einem finsteren Lagerraum abgespielt und dann in den nachtbeleuchteten Verkaufsraum verlagert hat. Die tödlichen Schüsse wurden daher nicht im Stockfinsteren abgeben, es waren aber keine guten Sichtverhältnisse." Köhl sieht einen subjektiven Eindruck der Anwältinnen Plaz und Lorenz.

Bedrohliche Situation
Auch Hans-Rainer Rienmüller, der Anwalt der beiden Polizisten, hat nach der Tatrekonstruktion betont, dass es in einem dunklen, schlecht beleuchteten Raum zu der Begegnung zwischen den mutmaßlichen Einbrechern und den Uniformierten gekommen sei. Dabei hätte sich aus Sicht der Polizisten eine gefährliche Situation ergeben, die vermummten und daher nicht als Jugendliche erkennbaren Verdächtigen hätten sich ihnen mit einem Schraubenzieher bzw. einer Gartenharke in den Weg gestellt.

Am 5. August hatten zwei Polizeibeamte - ein Mann und eine Frau - nach Auslösung des stillen Alarms im Merkur-Markt in Krems-Lerchenfeld auf zwei mutmaßliche Einbrecher geschossen. Der 14-jährige Florian P. wurde dabei tödlich in den Rücken getroffen, ein mittlerweile 17-Jähriger erlitt Oberschenkeldurchschüsse. Die beiden Polizeibeamten, gegen die wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ermittelt wird, stehen wieder im Dienst. Der 17-jährige mutmaßliche Komplize von Florian P. bleibt vorerst bis Ende September in U-Haft.

(apa/red)

17.9.2009 14:28