Mittwoch, 26. August 2009

Schlecht beraten in Österreichs Apotheken: Im Ernstfall lieber gleich zum Arzt gehen

  • Holen kaum Infos über Krankheitsvorgeschichte ein
  • Produkte zum Abnehmen extrem stark angepriesen

Husten, Schnupfen, Fieber oder einfach nur ein paar Kilo zu viel - alles Gründe, um der nächstliegenden Apotheke einen kleinen Besuch abzustatten. Ob wir dort aber auch richtig beraten werden und das, was wir dann über den Ladentisch gereicht bekommen, der optimalen Medikation entspricht, ist eine andere Frage.

Der Verein für Konsumenteninformation hat getestet: Testkäufer suchten insgesamt 31 öffentliche Apotheken in sieben österreichischen Bundesländern auf. Sie gaben an, zu Hause ein zweijähriges Kind mit Fieber etc. zu haben bzw. möglichst schnell Gewicht verlieren zu wollen. Im ersten Fall gab die Testkäuferin an, das Kind leide unter Fieber, Schnupfen, dickem Hals mit angeschwollenen Lymphknoten und Halsweh (auf Anfrage: 39 Grad Fieber). Das Kind hätte im Winter eine Angina gehabt, die wegen später Antibiotikagabe schwer verlaufen sei. Die Frau fragte um ein fiebersenkendes Mittel, einen Nasenspray und ein Antibiotikum an.

Beratungsqualität mit starken Mängeln
Die Apotheker stellten kaum Fragen zur Vorgeschichte der Erkrankung des Kindes. Diese wäre aber zur Verordnung des richtigen Medikaments äußerst wichtig. Über die Hälfte verkaufte rezeptfreie Nasentropfen. Kein einziger Apotheker erkundigte sich, welches Präparat bisher angewendet worden war. 26 Mal wurde der Testperson zusätzlich mindestens ein fiebersenkendes Medikament ausgehändigt. Da der kleine Patient, für den die Arzneien angeblich gekauft wurden, noch nicht drei Jahre alt ist, wäre für alle verkauften Präparate ein ärztliches Rezept notwendig gewesen. Immerhin wurden trotz Nachfrage keine Antibiotika verkauft. Alles in allem empfiehlt es sich, besser gleich zum Arzt zu gehen.

Abnehm-Präparate fast "nachgeschmissen"
Beim möglichst schnellen Abnehmen wurde eine 64-jährige Testperson mit einer Größe von 1,55 Meter und einem Gewicht von 79 Kilogramm (BMI: 32,9) in die Apotheke geschickt. 29 Mal verließ die Testerin die Apotheke mit größtenteils zweifelhaften Produkten. Nur in einer Grazer Apotheke wurde nichts abgegeben, sondern auf die Weight Watchers hingewiesen. Auffällig oft wurde das Schlankheitsmittel "alli". Das Präparat mit dem Wirkstoff Orlistat ist seit heuer auf dem Markt und wird als Neuheit stark beworben. So stark, dass sich die Testerin nahezu wie bei einer Verkaufsveranstaltung fühlte. (APA/red)

26.8.2009 11:28