Versäumnisse: Über Gedenktage,
die an Österreich spurlos vorbeigingen
- Kommentar von Hubert Wachter
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Berlin ist, höflich ausgedrückt, irritiert. Darüber, dass am 19. August beim 20-Jahr-Jubiläum der Grenzöffnung bei Sopron (Paneuropäisches Picknick, bei dem 1989 Hunderte Ostdeutsche via Ungarn nach Österreich gelangten) die extra angereiste deutsche Kanzlerin Angela Merkel zwar auf Ungarns Ministerpräsidenten Gordon Bajnai traf, aber nicht auf die österreichische Staats- und Regierungsspitze. Protokollarisch war, bei aller deutscher Wertschätzung, Außenminister Michael Spindelegger nicht der auf Augenhöhe befindliche Level für Merkel. Aber abgesehen davon: Österreich, wo die EU als solche ohnehin in Diskussion ist, versäumte eine hervorragende Gelegenheit, das europäische Friedensprojekt gerade in Zeiten der Krise an einem handfesten Beispiel der kritischen Bevölkerung einmal mehr in nachdrücklicher Form nahezubringen. Ein erbärmliches Politmarketing!
Ähnliches bahnt sich diese Woche an: Die UNO-City Wien feiert ihr 30-jähriges Bestandsjubiläum; UNGeneral Ban Ki-moon fliegt ein, Bundespräsident Heinz Fischer ist auch dabei, aber von raumgreifendem Politmarketing für die weltweit dritte UNOHauptstadt nach New York und Genf bei der übrigen Bevölkerung ist nicht viel zu merken. Dabei sitzt das offizielle Österreich ab November sogar im UNSicherheitsrat, hätte also jeden Grund, sich ordentlich ins Rampenlicht zu stellen. Obs daran liegt, dass die 1979 eröffnete UNO-City der Zusammenarbeit Bruno Kreiskys mit Kurt Waldheim, dem damaligen UN-General, zu verdanken ist? Ein Indiz dafür: Die Witwe Waldheims stand bis zuletzt nicht auf der Einladungsliste zum Jubiläum.
Wie auch immer: Sowohl Sopron als auch UNO-City wären Topgelegenheiten gewesen, Österreichs Reputation, für alle sichtbar, einigermaßen aufzupolieren. Ja, das war/ist ein Sommer der versäumten Gelegenheiten. Das war auch am 4. Juni schon so, als die Polen 30 Jahre Solidarnosc feierten. Nichts davon in Österreich. Obwohl gerade die Alpenrepublik viel dazu beitrug, gemeinsam mit Papst Johannes Paul II., ab 1979 die Solidarnosc möglich zu machen.
