Team-Ehren für Patocka: "Er spielt genau das, was er kann und das macht er gut"
- Macho, Prödl, Pogatetz, Stranzl und Junuzovic fehlen
- Scharner soll keine Elfer und Freistöße mehr schießen

Andreas Ivanschitz muss auf sein Comeback im ÖFB-Dress noch warten, ein anderer EM-Spieler hat den Sprung in den Kreis des rot-weiß-roten Aufgebots schon am Dienstag geschafft. Jürgen Patocka scheint erstmals seit der EURO 2008 im eigenen Land im Kader auf. "Er spielt genau das, was er kann und das macht er gut", lobte Teamchef Didi Constantini im Wiener Hotel Intercontinental den Rapidler, den er gegen Aston Villa und zuletzt gegen den LASK unter die Lupe genommen hatte.
Der Niederösterreicher ist neben Aleksandar Dragovic und Franz Schiemer einer von drei Kandidaten für die Innenverteidigung, nachdem mit Sebastian Prödl, Martin Stranzl und Emuanuel Pogatetz gleich drei Mann wegen Verletzung oder Rekonvaleszenz für die WM-Quali-Spiele in Graz gegen Färöer und in Bukarest gegen Rumänien ausfallen. Paul Scharner, der gegen Kamerun (0:2) beim Stande von 0:0 einen Elfer verjuxt hat, ist für die Viererkette nicht vorgesehen.
"Für mich ist er eher ein defensiver Mittelfeld- als ein Abwehrspieler", sagte Constantini über den gegen die Färinger gesperrten Wigan-Legionär, der gegen die Afrikaner kurz vor der Pause vom Feld geholt worden war. "Aber nicht weil, er den Elfer verschossen hatte, sondern weil er nirgends präsent war", begründete der Teamchef, der dem Spieler erklärte, was er von ihm verlangt und was er nicht zu tun hat.
Scharner darf nicht zaubern
"Er hat es kapiert. Er ist ein Spieler, der vom Kampfgeist lebt und zu dessen Geschäft es nicht zählt, Freistöße über die Mauer zu zirkeln oder Elfmeter zu verwandeln." Weil Scharner, der gegen Kamerun auch als Kapitän fungierte, Pogatetz und Stranzl wegen Blessuren ebenfalls ausfallen und Jürgen Macho nicht berücksichtigt wurde, muss Constantini einen neuen Mann bestimmen. Dass Scharner nach seinem Austausch die Schleife Macho übergab, war ganz und gar nicht im Sinn des Teamchefs gewesen.
Stichwort Macho. Wie mit Ivanschitz, Ibertsberger und Scharner hat Constantini auch mit dem vereinslosen Torhüter ein Gespräch geführt. Der Spieler habe ihm dabei mitgeteilt, dass man in einem Quali-Länderspiel nur dann zum Zug kommen solle, wenn man auch im Verein spiele. "Jürgen stellt sich aber jederzeit zur Verfügung, wenn Notstand auf dieser Position herrscht", erzählte der Teamchef. Es schaut derzeit ganz danach aus, als würde Helge Payer gegen Färöer und Rumänien die Nummer eins sein.
Im aktuellen Kader stehen noch die Torleute Christian Gratzei (Sturm Graz) sowie Andreas Schranz (Austria Kärnten). Neu gegenüber dem Kamerun-Länderspiel sind neben Patocka und Gratzei auch noch Julian Baumgartliner (Austria Wien), Daniel Beichler (Sturm Graz) und Andreas Ulmer (FC Salzburg). Rubin Okotie (Austria Wien), der gegen die Afrikaner in letzter Minute ausgefallen war und durch Roman Wallner (LASK Linz) ersetzt wurde, ist wieder im Kader. In diesem scheinen Wallner, Macho, Ibertsberger und Junuzovic (Austria Wien) diesmal nicht auf, auch Marko Arnautovic (Inter Mailand) ist noch nicht fit.
Maierhofer hat seine Qualitäten
Noch kein A-Länderspiel bestritten haben der Rapidler Christopher Drazan, der zuletzt schon im Kamerun-Kader stand, der defensive Mittelfelspieler Baumgartlinger und Gratzei. Zu den vier Stürmern im Aufgebot, die alle zuletzt keine optimale Spielpraxis hatten, zählt Stefan Maierhofer, obwohl dieser mit Rapid-Trainer Peter Pacult im Clinch liegt. Auf die Frage, ob der Angreifer als Stimmungsmacher einberufen worden sei, antwortete der Teamchef: "Wenn ich gute Stimmung brauche, hole ich mir einen Clown. Aber im Ernst: Der Lange hat in der vorigen Saison 26 Tore gemacht und seine Qualitäten."
Die meisten Spieler des 23-Mann-Kaders (Durchschnitt 24,1 Jahre) stellt Rapid mit sechs Spielern (Austria Wien, Salzburg und Sturm Graz je vier). Constantini hat sich von der Form der Hütteldorfer angetan gezeigt. "Sie haben gegen Aston Villa so angefangen, wie es jeder gerne hätte und danach taktisch perfekt gespielt."
Was sich der 54-Jährige nach der "Niederlage gegen ein Top-Team, die wir selbst eingleitet haben", wünscht, bringt er so auf den Punkt: "90 Minuten erfolgreich Fußball spielen und drei Punkte machen. Der größte Fehler wäre, wenn wir als Österreicher den kommenden Gegner unterschätzen." Im "Hinspiel" hat es gegen Färöer nur zu einem 1:1 gereicht.
(apa/red)
