Mittwoch, 26. August 2009

NEWS trifft Bayern-Manager Uli Hoeneß:
Millionen-Euro-Mann im großen Interview

  • Warum er nach 30 Jahren den Manager-Job aufgab
  • Was der zukünftige Präsident an Real auszusetzen hat

Uli Hoeneß schrieb beim FC Bayern Fußballgeschichte.
Der frühere deutsche Nationalspieler hat den Managerjob neu erfunden. Aber mit 57 und nach 30 Jahren Knochenarbeit warf er nun das Handtuch. Nicht, weil es ihm reicht, sondern weil er mehr will. Im November wird er Franz Beckenbauer als Vereinspräsident beerben und versuchen, den deutschen Rekordmeister in Manchester-und Milan-Sphären zu führen– ohne den Klub in Schulden zu stürzen.
In seinem Büro im dritten Stock der Bayern-Zentrale in der Münchener Säbener Straße 51 ließ Hoeneß NEWS in seine sonst verdeckten Karten schauen. Und verriet, dass er an jedem Arbeitstag eine Million Euro in die Kasse schaufeln muss.

NEWS: Uli Hoeneß oben auf der Tribüne. Das hat nicht nur in Deutschland Aufsehen erregt. Ein schlichtes Foto dokumentiert das Ende Ihrer 30-jährigen Managerkarriere. Wie schaut ein Match von oben aus? Mehr Übersicht? Mehr Spaß?
Hoeneß: Zum einen finde ich es maßlos übertrieben, wenn übers Rundherum mehr berichtet wird als über ein Fußballspiel. Zum anderen: Von oben ist es ziemlich langweilig, weil man wenig mitkriegt. Leute, die immer behaupten, dass man von oben besser sieht, haben zwar Recht, aber man verfolgt alles aus der Vogelperspektive und nicht aus der Sicht der Fußballer.

NEWS: Haben Sie sich in sportliche Belange eingemischt – oder den Trainer immer arbeiten lassen, auch wenn es Ihnen schwer gefallen ist?
Hoeneß: Wir diskutieren mit unseren Trainern regelmäßig über gewisse Dinge. Unter einmischen verstehe ich, etwas anzuordnen.

NEWS: Gerade hab ich gelesen, Sie wollten Franck Ribery lieber zentral im Mittelfeld sehen statt links. Ist das vielleicht kein Einmischen?
Hoeneß: Immer dasselbe mit den Zeitungen. Ich habe nicht gesagt, dass er diese zentrale Rolle spielen soll, sondern kann. Dass er dann vielleicht ein noch größerer Spieler wird. Das ist nicht Einmischung, sondern persönliche Meinung. Wenn der Trainer ihn als linken Verteidiger aufstellt, dann wird Ribery linker Verteidiger spielen.

NEWS: Ernst Happel sagte immer: Wichtig ist der Präsident, und wichtig ist der Trainer. Sonst niemand. Wäre das heute noch denkbar?
Hoeneß: War eine andere Zeit. Es gab nur Zuschauer- und Fernseheinnahmen. Letztere waren damals zu vernachlässigen. Heute ist es unsere Aufgabe, an jedem Arbeitstag eine Million Euro einzunehmen. Deswegen wurde die Managerposition zwingender und dringender denn je.

NEWS: Wer wird künftig die Kassen füllen?
Hoeneß: Das machte 80 Prozent meiner Tätigkeit aus. Bis zu Jahresende mach ich’s noch, dann werden wir jemanden gefunden haben. Aber der FC Bayern hat auch ein sehr gutes mittleres Management. Einen Direktor Sponsoring, einen Direktor Medien, einen für Finanzen, einen für Öffentlichkeitsarbeit. Ein Riesenpotenzial an Menschen, 400 Mitarbeiter, davon allein 200 hier in der Säbener Straße. An Spieltagen beschäftigen wir 1.000 Mitarbeiter.

NEWS: Sie müssen ja ein Titan gewesen sein, um das alles gepackt zu haben ...
Hoeneß: Manchmal wundert’s mich selbst, wie das 30 Jahre gegangen ist. Als ich begann, hatten wir sechs Millionen Umsatz, jetzt sind es jährlich bis zu 300 Millionen.

NEWS: Warum gibt es den Manager Hoeneß nicht mehr? Sie sind erst 57. Weil 30 Jahre auf einem Pulverfass reichen?
Hoeneß: Ich bin total Herr meiner Sinne und voller Schaffenskraft. Ich habe den Verein von null aufgebaut. Hier in der Säbener Straße war nichts. Unser Reich ist ein Paradies, dazu kommt das neue Stadion. Jetzt geht es darum, den Verein in die Zukunft zu führen. Das will ich in den nächsten zehn Jahren tun. Das geht nur im Aufsichtsrat.

NEWS: Lässt sich dieser Job vergleichen mit dem des Managers eines Großbetriebs?
Hoeneß: Kaum ein anderer Beruf ist so personalintensiv. Man hat mit 20- bis 30-Jährigen zu tun, die mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen, aber in ihrer Entwicklung noch nicht fertig sind. Ich habe große Verantwortung.

NEWS: Als schwierigste Aufgabe sehe ich die Finanzierung des Fußballs. Immer der neidvolle Blick nach Spanien, England, zu den Wahnsinnsbudgets.
Hoeneß: Ich kenne das Wort Neid nicht. Wenn einer mit gleichen Waffen mehr schafft, erfolgreich ist wie Real Madrid mit 800 Millionen Schulden, dann respektiere ich es nicht. Mit Schulden Erfolg zu haben, das ist nicht schwer.

NEWS: Die Ligastatuten verbieten die Mehrheitsbeteiligung eines Finanziers.
Hoeneß: Von diesen Finanziers halte ich nichts. In Österreich ist es die einzige Möglichkeit, wettbewerbsfähig zu sein, siehe Salzburg. Investoren wie Mateschitz oder Stronach sind wichtig. Mit den Ressourcen, die Rapid Wien oder Austria Wien haben oder der FC Zürich in der Schweiz, kann man nicht in der Champions League spielen. Als Land mit sechs oder acht Millionen Einwohnern kannst du auf Dauer nicht mit den Großen mithalten.

NEWS: Im Herbst werden Sie Nachfolger Franz Beckenbauers als Bayern-Präsident. Wie wollen Sie dieses Amt anlegen – repräsentativ oder aktiv?
Hoeneß: Ich werde den Aufsichtsratsvorsitz und die Präsidentschaft aktiv führen, weil ich auch hier am Tegernsee wohne, der Franz ist ja in Österreich zuhause. Beckenbauer wird wohl Ehrenpräsident werden und immer den allerhöchsten Respekt genießen, weil er so ungeheuer viel für den Verein getan hat und immer noch tut. Es wird nie ein Problem zwischen uns geben, auch wenn manche es gerne sehen würden.

Interview: Michael Kuhn

Lesen Sie das komplette Interview mit Uli Hoeneß im aktuellen NEWS Nr. 35/09!

26.8.2009 13:06