Montag, 24. August 2009

Jetzt beginnt das große Abkassieren: Goldmedaillen werden kräftig versilbert

  • WM-Helden treffen sich zur Revanche in Zürich
  • Antrittsgage von Bolt angeblich bei 200.000 Dollar

Erst massieren, dann kassieren: Die Gold-Stars sind zwar müde, aber sie folgen der Geld-Spur nach Zürich. Sechs Tage nach seinem Titel-Hattrick bei der Leichtathletik-WM in Berlin ist Supersprinter Usain Bolt auch im Golden-League-Meeting im weltbekannten Letzigrund der absolute Renner. Klasse macht Kasse heißt es am (20.00 Uhr/Eurosport live) bei der großen WM-Revanche für weitere 22 Weltmeister und 16 Olympiasieger.

Meeting-Direktor Patrick K. Magyar hat einen Etat von neun Millionen Schweizer Franken (5,94 Mio. Euro) zur Verfügung, darunter als "Lockmittel" 2,7 Millionen Franken (1,78 Mio. Euro) für Antrittsgagen. Dazu kommen satte Prämien.

Der 46-jährige Schweizer lachte aber lauthals und schüttelte den Kopf, als er das "jüngste Gerücht" über Bolts Startgeld hörte. "300.000 Euro? Das könnte sich selbst Zürich nicht leisten, und wir sind das Meeting mit dem meisten Geld. Schon in diesem Jahr war Usain für alle Veranstalter der wichtigste Athlet. Er war auf einem Niveau, das ungefähr einem doppelten Carl Lewis entsprochen hat", sagte Magyar in einem Gespräch mit der dpa. "Die Antrittsgagen für Carl Lewis sind bekannt - das waren damals 100.000 Dollar."

Bolt bringt Geld für die Leichtathletik
Allein durch Doppelgold mit Weltrekord über 100 und 200 Meter hatte "Blitz-Bolt" im Olympiastadion 320.000 Dollar (223.308 Euro) verdient, dazu kommt ein nettes Taschengeld für den Staffelsieg. "Usain Bolt ist ein Phänomen, er ist eine unglaubliche Chance für diesen Sport. Er sorgt auch dafür, dass in die Leichtathletik wieder mehr Geld fließt", erklärte Magyar. Der schnellste Mann der Welt ist sein Geld wert - doch jeden Preis kann und will selbst der Zürich-Veranstalter nicht bezahlen.

"Sein Manager Ricky Simms hat für Usain Bolt Summen ausgehandelt, die eines Superstars der Leichtathletik auch würdig sind. Er hat etwas erreicht, was kein Michael Johnson und kein Carl Lewis auch nur annähernd erreicht haben", betonte Magyar, warnte aber die Manager davor, zu gierig zu werden. "Ein Meeting ist keine Geldmaschinerie. Wenn sie jetzt mehr nehmen, dann gehen sie an die Grundsubstanz der Veranstaltung. Und irgendwann kommt die Retourkutsche. Dann heißt es: Jungs, jetzt müsst ihr mal halblang machen!" Ein-Tages-Meetings sind keine Ein-Mann-Show: "Wenn Usain Bolt zu verpflichten heißt: Ich kann mir die anderen Athleten nicht mehr leisten - das wäre fatal für den Sport."

Selbst durch die WM-Gala ist Bolts Marktwert nach Meinung Magyars nicht über Nacht gestiegen, deshalb gibt es jetzt für die "Weltklasse in Zürich" auch nichts nachzuverhandeln. "Dass Usain Bolt, Jelena Isinbajewa und Kenenisa Bekele zu uns kommen, steht schon seit März fest", versicherte Magyar, seit Herbst 2006 Chef der weltweit teuersten Ein-Tages-Veranstaltung der olympischen Kernsportart.

Heuer kein Rekordlauf mehr
Die 50.000 US-Dollar (34.892 Euro) für einen weiteren Weltrekord kann sich Magyar wahrscheinlich sparen. "Es wird keinen Weltrekord mehr geben", hatte Bolt noch in Berlin gesagt. "Ich bin erschöpft, aber froh, dass es so zu Ende gegangen ist." Noch nicht ganz: In Zürich werden dem größten und schnellsten Burschen der Welt noch einmal 26.000 Zuschauer zujubeln. 16.000 Dollar (11.165 Euro) für den programmierten 100-Meter-Sieg kann Magyar schon mal lockermachen.

Auf der letzten Golden-League-Station in Brüssel (4. September) wird der Eine-Million-Dollar-Jackpot ausgeschüttet, und selbst dann ist die Geld-Hatz noch nicht vorbei: Beim Weltfinale am 12./13. September in Thessaloniki ist letzter Zahltag. In Griechenland schüttet der Weltverband noch einmal gut drei Millionen Dollar (2,09 Mio. Euro) aus.
(apa/red)

24.8.2009 13:45