Die Ungesetzte, die in New York alle
fürchten: Kim Clijsters am Weg zurück
- Nach vier Jahren wieder bei US-Open am Start
Sie hat sich binnen kürzester Zeit wieder ihren alten Ruf verschafft. Keine der Top-Spielerinnen möchte in den frühen Runden auf sie treffen: Kim Clijsters. Die 26-jährige Belgierin ist vor weniger als einem Monat nach zwei Jahren Absenz und der Geburt von Tochter Jada auf die Tour zurückgekehrt und hat dabei mehr als überzeugt. Die frühere Weltranglisten-Erste ist vier Jahre nach ihrem ersten und bisher einzigen Grand-Slam-Titel wieder in Flushing Meadows am Start.
Nicht weniger als vier Top-20-Spielerinnen, darunter French-Open-Siegerin Swetlana Kusnezowa, hat Clijsters in ihren ersten beiden Turnieren nach der Pause in Cincinnati und Toronto geschlagen. Manche Buchmacher führen sie schon an sechster Stelle im Favoritenkreis für den Titelgewinn.
"Ich bin glücklich über das Niveau, das ich in Toronto gezeigt habe, wo ich eine weitere Top-10-Spielerin und mit Victoria Asarenka einen der Jungstars geschlagen habe, ehe ich knapp gegen die Weltranglisten-Vierte Jelena Jankovic verloren habe", meinte Clijsters. Sie sei von ihrem besten Tennis nicht weit entfernt. "Sie hat sicher schon wieder das Niveau einer Top-Ten-Spielerin", bestätigte auch Sybille Bammer, die der einstigen Nummer 1 in Cincinnati auf die Beine geschaut hatte.
Clijsters wird wohl bald für einige Zeit Bammers Rolle als "bestplatzierte Mami auf der WTA-Tour" übernehmen. Aufgrund der Aussagen der Belgierin bei der Pressekonferenz in New York wird die 18 Monate alte Tochter Jada, freilich auch von einer Nanny versorgt, ihre Mama aber nicht allzu lange vermissen müssen. "Ich werde das sicher nicht die nächsten fünf oder zehn Jahre tun. Vielleicht so lange, bis wir versuchen, ein zweites Kind zu bekommen", sagte Clijsters.
"Bin hier sicher nicht auf Urlaub"
Bis dahin will sie aber alles geben. "Ich bin hier sicher nicht auf Urlaub. Wenn man mal ganz oben war, dann will man da auch wieder hin." Die Entscheidung zum Neustart ist Anfang des Jahres nicht zuletzt aufgrund einer Einladung gefallen. Clijsters wurde zur exklusiven Eröffnung des Dachs über dem Center Court in Wimbledon gebeten. "Als man mir gesagt hat, dass ich Doppel mit Tim Henman gegen Steffi (Graf) und Andre (Agassi) spielen soll, dann dachte ich mir 'puh - dafür muss ich in Form kommen." Innerhalb der darauffolgenden zwei, drei Wochen sei dann der Wunsch zum Comeback immer größer geworden. Indirekt dürfen sich die Tennisfans also bei den Organisatoren in Wimbledon bedanken, dass Clijsters wieder auf der Tour spielt.
Tipps, wie sie mit einem Baby im Profizirkus umgehen soll, hat sie sich nicht von Bammer, sondern von Lindsay Davenport geholt. Bammer dazu: "Wir kennen uns nicht so gut. Aber Tina und Jada haben schon ein bisserl miteinander gespielt in der Players Lounge, Tina findet sie so süß."
Auf dem Platz beeindruckt aber Clijsters die Konkurrenz. "Ich muss sagen, ich war ein bisschen schockiert. Ich habe zwar erwartet, dass sie gut spielen wird, aber es sieht ja so aus, als wäre sie nur eine Woche weg gewesen", sagte Titelverteidigerin Serena Williams. "Es macht mich glücklich und es spornt mich an, selbst noch härter zu arbeiten", ergänzte sie.
Möglicherweise bleibt es nicht bei dieser einen Rückkehr einer großen Sportlerin. In New York machen unbestätigte Gerüchte die Runde, dass auch Clijsters Landsfrau, Justin Henin, über einen Neustart nachdenken soll. "Als ich das gehört habe, war ich etwas überrascht", meinte Clijsters. "Aber ich weiß nicht, ob es wirklich wahr ist, daher kommentiere ich das lieber erst, wenn es sicher ist."
(apa/red)

