Mittwoch, 26. August 2009

Schon wieder Trauerfall in der Kennedy- Familie: US-Senator Edward Kennedy tot

  • "Ted" erlag Krebsleiden auf dem Familienanwesen
  • Obama tief bewegt: Historisches Kapitel ist vorüber

Der prominente US-Senator Edward ("Ted") Kennedy ist nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren gestorben. Er erlag in seinem Haus in Hyannis Port einem Krebsleiden, wie seine Familie mitteilte. Zahlreiche Politiker würdigten die Verdienste des jüngsten Bruders des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy.

"Wir haben das unersetzliche Zentrum unserer Familie und das strahlende Licht in unserem Leben verloren, aber die Inspiration durch seinen Glauben, seinen Optimismus und seine Ausdauer wird in unseren Herzen ewig weiter leben", hieß es in der Erklärung der Familie. Der demokratische Senator von Massachusetts hinterlässt seine Ehefrau Vicki und drei Kinder.

Die Beisetzung von Kennedy soll nach Angaben seiner Familie am Samstag stattfinden. Der Trauergottesdienst finde am Morgen in der US-Ostküstenstadt Boston im Bundesstaat Massachusetts statt, am Nachmittag dann werde der Verstorbene auf dem Arlington-Nationalfriedhof bei Washington beigesetzt, teilten die Angehörigen mit.

Edward Kennedy war der jüngste Spross des einflussreichen Ostküsten-Clans von Joseph und Rosa Kennedy. Seine drei Brüder starben eines gewaltsamen Todes: Joseph junior fiel im Krieg, John Fitzgerald, der 1961 Präsident geworden war, wurde 1963 erschossen, Robert fiel 1968 im Präsidentschaftswahlkampf einem Attentat zum Opfer. Nach Roberts Tod übernahm Edward die Rolle des Patriarchen im Kennedy-Clan.

Obama tief bewegt
US-Präsident Barack Obama zeigte sich tief bewegt über den Tod seines "lieben Freundes". "Ein wichtiges Kapitel unserer Geschichte ist vorüber", erklärte Obama an seinem Sommersitz in Martha's Vineyard, nicht weit vom Haus der Kennedys entfernt. "Unser Land hat einen großen Führer verloren, der die Fackel von seinen gefallenen Brüdern übernahm und einer der großartigsten Senatoren der Vereinigten Staaten unserer Zeit wurde."

Der mit einer Nichte Edward Kennedys verheiratete Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, sprach von einem "Mann von starkem Glauben und Charakter".

Weltweite Bestürzung
Die Nachricht vom Tod des Senators löste weltweit Bestürzung und Trauer aus. Kennedy werde in der ganzen Welt als "Senator der Senatoren" in Erinnerung bleiben, sagte der britische Premierminister Gordon Brown in London. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nannte Kennedy bei seinem Besuch in London "einen großen Freund Israels". Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Kennedy sei "eine der herausragenden Persönlichkeiten der amerikanischen Politik" gewesen.

Der frühere britische Premier Tony Blair würdigte Kennedy für seinen "leidenschaftlichen Beitrag" im Friedensprozess in Nordirland. In Irland werde sein Tod wegen seiner Zuneigung zu dem Land mit großer Trauer aufgenommen, sagte die irische Präsidentin Mary McAleese.

Urgestein der Demokraten
Edward "Teddy" Kennedy galt als Urgestein der Demokratischen Partei. Er hatte 1962 den Senatorensitz von seinem älteren Bruder John übernommen und gehörte der Kammer dann so lange an wie nur zwei andere Mitglieder vor ihm. Der Demokrat setzte Maßstäbe bei der Verteidigung der Bürgerrechte, kämpfte für eine staatliche Unterstützung von Studenten und die Einschränkung der Verbreitung von Nuklearwaffen. Immer wieder gelang es ihm, Gesetzesvorhaben über die Parteigrenzen hinweg voranzubringen.

Ende der 60er Jahre galt er als aussichtsreicher Kandidat der Demokraten für das Präsidentenamt. Seine Ambitionen wurden aber durch einen von ihm verursachten Autounfall auf der Halbinsel Chappaquiddick (Massachusetts) erschüttert, bei dem seine Beifahrerin ertrank. Einen letzten Versuch, das Amt zu erobern, unternahm er zur Präsidentenwahl 1980, wo er aber im innerparteilichen Rennen um die Kandidatur Amtsinhaber Jimmy Carter unterlag. In seinem Heimatstaat Massachusetts wurde er dennoch sieben Mal für den Senat wiedergewählt.

Unheilbarer Gehirntumor
Im Mai 2008 stellten Ärzte bei Kennedy einen unheilbaren Gehirntumor fest. Bei der Amtseinführung Obamas im Jänner erlitt er einen Krampfanfall und wurde ins Krankenhaus gebracht. In den vergangenen Wochen hatte er sich darum bemüht, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass gleich nach seinem Tod ein Ersatzmann seinen Platz im Senat einnimmt. Nach dem in Massachusetts geltenden Gesetz wird erst in 145 bis 160 Tagen ein Nachfolger gewählt.

(apa/red)

26.8.2009 21:45