Donnerstag, 27. August 2009

'Der Brenner und der liebe Gott': Wolf Haas feiert Comeback mit seinem Kultermittler

  • 7. "Brenner"-Roman: "Herr Simon" ist jetzt Chauffeur
  • Wie eine Tafel Schokolade zu sieben Morden führt

Wolf Haas ist zurück, und mit ihm der von vielen totgeglaubte Ex-Polizist, Ex-Detektiv und Ex-Rettungsfahrer Brenner. Der hat mit Ermittlungsarbeit aber so gar nichts mehr am Hut. Denn, ganz untypisch: Als "Herr Simon" führt Haas' Romanheld ein glückliches Leben als Chauffeur, bis ihn mit einer Kindesentführung sein Alter Ego doch wieder einholt.

So schön hätte es sein können: Der Herr Simon führt ein gemütliches Dasein zwischen Wien, München und Kitzbühel und kutschiert die kleine Helena zwischen der Mutter, einer Abtreibungsärtzin, und dem Vater, einem Baulöwen, hin und her. So oft, dass die ersten drei Worte der kleinen Helena ausgerechnet "Mama", "Papa" und "Fara" sind. Dem Brenner geht das Herzerl auf. Und das ist das Problem.

Ausgerechnet als sich der Herr Simon auf der Tankstelle nicht für eine Tafel Schokolade für das Mädchen entscheiden kann, wird die kleine Helena entführt und der Schlamassel geht los. Der Brenner ist zurück und macht sich selbst auf die Suche nach seinem Schützling, weil "bei der Polizei dauert es drei Wochen, bis sich überhaupt ein Zuständiger findet, der gerade im Krankenstand ist und danach sagt: Jetzt ist es zu spät, das Verbrechen ist verjährt."

Romanheld Brenner schlittert in rasante Ermittlungen zwischen Prater-Szene, Abtreibungsgegnern und Baulöwen an dessen Ende er selber in einer Jauchegrube eine Begegnung mit dem lieben Gott hat und sieben Mal die Kirchturmglocken zum Begräbnis läuten.

Das Ende des "Ding"
Wolf Haas' letzter Brenner-Roman "Das ewige Leben" endete mit einem "Ding"-Stakkato, nach dem viele Krimi-Fans den Privatdetektiv Brenner für tot hielten, dabei hat Haas "nur" seinen Erzähler erschossen. Sechs Jahre danach feiert nicht nur der Brenner, sondern auch die ganz spezielle Haas'sche Sprache in "Der Brenner und der liebe Gott" ein gelungenes Comeback, wenn auch ohne ein einziges "Ding". Vielleicht nicht der beste Brenner-Roman aller Zeiten, aber was heißt das schon, beim Popstar der österreichischen Literatur? "Der Brenner und der liebe Gott" ist erstklassige Unterhaltung auf hohem Niveau und ein Muss für alle Haas-ionistas!

(Agnes Sagmeister)

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott (Hoffmann und Campe)

27.8.2009 12:21