Durch Leichtfertigkeit "verbockt?": Über kaum erklärbare Hofburg-Krämpfe der ÖVP
- Kommentar von Hubert Wachter
- Plus: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Steiermarks ÖVP-Landeschef Hermann Schützenhöfer drückt es markig aus: Angesichts der anhaltenden innerparteilichen Differenzen, ob man überhaupt einen Hofburg-Kandidaten nominieren soll, und wenn ja, ob das Pröll sen., der Onkel, sein könnte oder doch nur ein Zählkandidat, habe die Partei den Bundespräsidentschaftswahlgang eigentlich ohnehin schon verbockt. Eine saftig- steirische Gnackwatschen für Bundesparteichef Pröll jun., den Neffen. Abgesehen davon, dass die Hofburg-Diskussion erneut angefacht ist.
Wortbruch oder Feigheit? Dabei hatte es, wie man hört, genau vor Jahresfrist, im Sommer 2008, als die Ära Gusenbauer in der SPÖ so abrupt zu Ende ging, ganz anders ausgesehen. Ein roter Spitzen-Handschlag, heißt es, habe damals dem Senior der Pröll-Boys signalisiert, dass für ihn tatsächlich die Hofburg offen stünde, und jawohl: mit Zustimmung eben der SPÖ!, wenn er nur wolle. Zudem ist es auch Tatsache, dass es wenig später, im Dezember 2008, in einem Radlbrunner Weinkeller zum Spitzentreffen der beiden Prölls mit dem designierten neuen Kanzler Werner Faymann kam. Selbes Thema, selbe Einigung (nur noch ergänzt um die mittlerweile fast wieder entschlafene ORF-Generalreparatur samt dortigem neuem Spitzenpersonal). Fazit: Die so unglaublich klingende öffentliche Depesche von Krone-Chef Hans Dichand zuletzt, doch beide Prölls an der Staatsspitze sehen zu wollen, war also keineswegs nur eine seltsam-schrullige Idee
Neuer Glanz fürs Amt. Stärkste Triebfeder von Pröll sen., vielleicht um die Hofburg zu kämpfen, ist die Absicht, die Bundespräsidentschaft aufzupolieren. Sie abzustauben von Fadesse, monarchistischem Firlefanz (samt Jagdschloss Mürzsteg), von parteipolitisch angehauchter Interventionsfreudigkeit. Ein Bürgerpräsident zu sein ist die Vorstellung. Gerade in Krisenzeiten müsse die Staatsspitze der Bevölkerung Orientierung geben, der jeweiligen Regierung vis-à-vis am Wiener Ballhausplatz auf die Finger schauen. Jede Wette, Pröll sen. ließe Letztere beinahe wöchentlich zum Rapport antreten.
