Dienstag, 18. August 2009

Weltmeisterland startet mit der Krisenliga:
Inter Favorit im Land der maroden Vereine

  • Top-Mannschaften mussten einige der Stars abtreten
  • Vereine sehnen neuen lukrativen TV-Vertrag herbei

Im Land des Weltmeisters ist längst nicht mehr alles eitel Wonne. Italien gehört als Schlaraffenland für Fußballer der Vergangenheit an. In den jüngsten zehn Jahren versenkte die Serie A rund zwei Milliarden Euro. Den Anschluss an die Ligen in England und Spanien habe man dennoch verloren, schrieb "La Gazzetta dello Sport". Und zuletzt kam auch noch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise dazu. Unter diesen Eindrücken erfolgt am Wochenende der Anpfiff zur neuen Saison.

Titelverteidiger Inter Mailand, der den fünften "scudetto" in Serie landen könnte, soll von 2006 bis 2008 Verluste von über 355 Mio. Euro geschrieben haben. Der AC Milan, zuletzt 2004 "campione", musste aus finanziellen Gründen seinen brasilianischen Superstar Kaka für 65 Mio. Euro an Real Madrid verkaufen und will mit niedrigeren Spielergehältern sparen. Rekordmeister Juventus Turin, der sich zuletzt 2003 Champion nennen durfte, hat sein Lohnschema reduziert und setzt zudem vermehrt auf die eigene Jugendarbeit.

Die "Alte Dame" hat aber auch beim Bau der neuen Arena umgedacht. In den neuen Komplex werden ein Einkaufszentrum und Vergnügungshallen integriert sein, um auch außerhalb der Saison Einnahmen zu haben. Als willkommene finanzielle Unterstützung sehnen auch alle anderen 19 Vereine den neuen lukrativen TV-Vertrag herbei, der der Serie A ab 2010 jährlich rund eine Milliarde Euro und damit rund 200 Millionen mehr in die Kassen bringt.

Inter weiter haushoher Favorit
Sportlich scheint alles beim Alten zu bleiben. Inter, der neue Arbeitgeber des derzeit noch verletzten Österreichers Marko Arnautovic, gilt als Favorit. Der Schwede Zlatan Ibrahimovic ging zwar zum FC Barcelona, von wo der Kameruner Samuel Eto'o plus über 45 Mio. Euro Aufzahlung kamen. Mit den weiteren Neuen wie Lucio, Thiago Motta und Diego Milito scheint der Kader des portugiesischen Trainers Jose Mourinho sogar noch stärker als im vergangenen Jahr geworden zu sein.

Vizemeister Juve, dessen Legionär Alexander Manninger dem ÖFB-Team Servus sagte, um sich ganz auf seine Rolle als Ersatzmann von Torhüter Gianluigi Buffon zu konzentrieren, stellte 50 Mio. Euro zu Verfügung, damit im Kampf um den Titel ein gewichtiges Wort mitgeredet werden kann. Neue Kollegen von Manninger sind Diego, Felipe Melo und Martin Caceres sowie der von Real Madrid ablösefrei geholte Weltmeister Fabio Cannavaro.

Acht neue Trainer
Wie die Turiner mit Ciro Ferrara (42) baut auch Milan mit Leonardo (39) auf einen jungen Feldherrn. Das Duo zählt zu den insgesamt acht neuen Trainern in der neuen Saison. Geht es nach Ronaldinho, dann wollen die "Rossoneri" unter Leonardo zumindest eine Trophäe in die Höhe stemmen. Natürlich werde es ganz schwer, allein schon einen Titel zu holen, doch er wolle auch die Champions League gewinnen, posaunte der Brasilianer, der Weltfußballer 2004 und 2005 sowie Weltmeister von 2002.

Traut man italienischen Experten, dann sollten auch der FC Genoa und SSC Napoli in der oberen Tabellenregion mitmischen. Die Norditaliener investierten dank ihres Präsidenten Enrico Preziosi, Besitzer einer der weltweit größten Spielzeugfabriken, 45,7 Mio. Euro in neues Personal. Und der Filmproduzent Aurelio de Laurentiis, der Präsident, der Süditaliener, machte 41,8 Mio. Euro locker. Fünf "Mille" war ihm etwa der Rapidler Erwin Hoffer wert.

Hoffer kämpft ums Leiberl
Angesichts der starken Konkurrenz im Angriff bleibt für "Jimmy" zunächst wohl ein Platz auf der Ersatzbank reserviert. "Ich habe gewusst, dass ich nicht hinkomme und gleich spiele. Aber ich werde alles dafür tun, damit ich so schnell wie möglich ein Fixleiberl bekomme", versprach der 22-Jährige, der am Sonntag im Cup beim 3:0 gegen Salernitana ab der 70. Minute zum Einsatz kam und dann sein erstes Tor für die Neapolitaner per Kopf (83.) erzielte.

"Wir erwarten uns keine Wunderdinge, werden ihm Zeit geben", sagte Generalmanager Pierpaolo Marino. In der Stadt am Vesuv war von 2006 bis 2008 György Garcis tätig, der ÖFB-Verteidiger nimmt jetzt seine zweite Saison mit Atalanta Bergamo in Angriff. Der Ex-Rapidler wurde von den Bergamasken inzwischen fix erworben. Sie wollen den Vertrag mit dem "Austriaco" verlängern.
(apa/red)

18.8.2009 10:14